Die furchtlosen Drei vs. Seoul … Some Special Gimmicks Including

Von René Gralla

Während Liebhaber des Internationalen Schachs momentan nur London im Fokus haben, wo Norwegens Champion Magnus Carlsen seine Krone im Königsspiel gegen den US-amerikanischen Herausforderer Fabiano Caruana verteidigen muss, blicken die Fans asiatischer Mattkunst gespannt Richtung Fernost. In Seoul läuft nämlich vom 16. bis 20. November 2018 die zweite Amateur-WM im Janggi. Und auch drei ehrgeizige Hamburger sind erneut am Start: Wie im Vorjahr wollen Jürgen Woscidlo, Uwe Frischmuth und Martin Wolff die Hauptstadt Südkoreas rocken.

Die Furchtlosen Drei von der Elbe in Seoul, wie sie ein lokaler Künstler sieht: Jürgen Woscidlo, Uwe Frischmuth, Martin Wolff (von links)

Die Furchtlosen Drei von der Elbe in Seoul, wie sie ein lokaler Künstler sieht: Jürgen Woscidlo, Uwe Frischmuth, Martin Wolff (von links)

Die Furchtlosen Drei haben intensiv trainiert und sind perfekt eingestellt. Bei einem Workshop, zu dem Jürgen Woscidlo in sein Haus nach Hamburg-Sinstorf am zweiten Oktobersonntag eingeladen hatte, wurden letzte gemeine Tricks eingeübt. Zwischendurch tauchte René Gralla als Überraschungsgast auf: Der Autor, Rechtsanwalt und Experte für Schachkultur überreichte kunsthandwerkliche Stücke aus zum Teil eigener Produktion, um den Korean Chess Musketeers seinen persönlichen Respekt für herausragende Leistungen auf dem kurz zuvor ausgetragenen zweiten Hamburger Janggi-Turnier auszudrücken. Und weil er auf diese Weise zugleich Glück wünschen wollte für den WM-Trip der Hamburger Titelanwärter.

Uwe Frischmuth, der haarscharf den Sieg verpasst hatte im Endspurt des 2. Internationalen Janggi-Opens am 13.10.2018 im Johannes-Brahms-Konservatorium in Hamburgs noblem Elbvorort Othmarschen, durfte ein hübsches, aber noch nicht wirklich passgenaues Festtagswams Asian Style entgegennehmen. Das möge “FrIshiDAN”, so der Kampfname des Geehrten, erst recht anspornen: “Jetzt haust du die Konkurrenz in Seoul herzlos aus den Latschen und ziehst denen die Jacken aus!” prophezeite René Gralla.

Krasse kurze Weste für kurzen coolen Prozess bei der Amateur-WM 2018 in Seoul: Das wünschte René Gralla (li.) dem Vizesieger des 2. Hamburger Janggi-Opens 2018 , Uwe "FrIshiDAN" Frischmuth (re.). Foto: Eylem Woscidlo

Krasse kurze Weste für kurzen coolen Prozess bei der Amateur-WM 2018 in Seoul: Das wünschte René Gralla (li.) dem Vizesieger des 2. Hamburger Janggi-Opens 2018 , Uwe “FrIshiDAN” Frischmuth (re.). Foto: Eylem Woscidlo

Eine nostalgische Bonsai-Plastik ging an Jürgen Woscidlo, der in der Schlussabrechnung des 2. Hamburger Janggi-Turniers 2018 einen soliden fünften Rang markieren konnte. In fernen Teenagertagen, als René Gralla zwar schon eifrig die Figuren schob, aber von einem koreanischen Sonderweg im Brettsport nichts ahnte, formte er aus Modelliermasse eine Schildkröte. Nachdem der (zur – wohlwollend formuliert – krass naiven “Schule” gehörende) Kunstaspirant jene expressionistisch-wild kolorierte Turtle per Zufall auf einem Bücherbord im Elmshorner Haus seiner 2017 verstorbenen Mutter Ingrid Gralla entdeckt hatte, stand es für ihn fest: Das Tierchen ist der passende Sonderpreis für einen Janggi-Wettbewerb.

Schließlich wird besagtes strategisches Spiel von einer nachgerade futuristischen Waffengattung geprägt: Das sind die höchst mobilen Kanonen, die wie fliegende Turtle-(!)-Ships die gegnerischen Einheiten aufmischen. Auf dem Brett der 90 Schicksalspunkte eine unverkennbare Reverenz an Koreas legendären Admiral Yi Sun-sin (1545-1598), der Ende des 16. Jahrhunderts mit damals technologisch überlegenen Turtle Ships eine eigentlich erdrückend überlegene japanische Invasionsflotte vernichtete.

“Die freche bunte Turtle soll dich während der WM-Partien begleiten, lieber Jürgen”, sagte René Gralla. “Im Geist des unvergessenen Yi Sun-sin, an dessen 420. Todestag wir uns demnächst erinnern, und zwar am 16. Dezember 2018.”

Bunte Turtle als Talisman, zwecks beherztem Bashing der WM-Konkurrenz: Janggi-Turtle-Schöpfer René Gralla (l.) und designierter Turtle-Titan Jürgen Woscidlo (re.). Foto: Eylem Woscidlo.

Bunte Turtle als Talisman, zwecks beherztem Bashing der WM-Konkurrenz: Janggi-Turtle-Schöpfer René Gralla (l.) und designierter Turtle-Titan Jürgen Woscidlo (re.). Foto: Eylem Woscidlo.

Aus Termingründen konnte Ian Meinköhn an der nachträglichen Feierstunde in Sinstorf nicht teilnehmen. Obwohl der U12-Denksportler unbedingt dorthin gehört hätte: Norddeutschlands erst zehnjähriger Nachwuchsstar heizte beim 2. Hamburger Janggi-Open den Mitbewerbern respektlos ein und überquerte als Dritter die Ziellinie. Begeistert über diese tolle Performance ließ ihm René Gralla den Special “Keeper-of-The-Palace-Award-2018″ per Boten zustellen: eine Bleistiftzeichnung, mit der Autodidakt Gralla in den Roaring Seventies seine bereits damals virulente Schachbegeisterung in ein surreales Sujet transformiert hatte.

Bleistiftzeichnung aus dem Jugendatelier René Gralla als höchst persönlicher Gruß an Norddeutschlands Riesentalent Ian Meinköhn; der zehnjährige Schüler punktete sensationell beim 2. Hamburger Janggi-Open und eroberte den dritten Platz. Foto: Pilar Meinköhn

Bleistiftzeichnung aus dem Jugendatelier René Gralla als höchst persönlicher Gruß an Norddeutschlands Riesentalent Ian Meinköhn; der zehnjährige Schüler punktete sensationell beim 2. Hamburger Janggi-Open und eroberte den dritten Platz. Foto: Pilar Meinköhn

Das Bild zeigt einen stolzen Schachbauern, der machtvoll demonstriert, dass niemand voreilig unterschätzt werden darf; das Exponat hing unter dem Dach in der Mansarde von René Grallas Elternhaus an Elmshorns Lupinenweg.

Bescheidenheit sollte niemals mit Schwäche verwechselt werden: "The Haunted Board", eine frühe Bleistiftzeichnung von René Gralla als Special "Keeper-of-The-Palace-Award-2018" für Janggi-Nachwuchsstar Ian Meinköhn. Foto: Pilar Meinköhn

Bescheidenheit sollte niemals mit Schwäche verwechselt werden: “The Haunted Board”, eine frühe Bleistiftzeichnung von René Gralla als Special “Keeper-of-The-Palace-Award-2018″ für Janggi-Nachwuchsstar Ian Meinköhn. Foto: Pilar Meinköhn

Von Ian Meinköhn werden wir auf jeden Fall noch hören. Und vielleicht wird er dann ja auch die deutsche Auswahl bei der nächsten Janggi-WM 2019 in Seoul verstärken.

Epilog

Die von René Gralla handgefertigten Special Awards entstammen dem privaten Fundus im Elmshorner Haus der 2017 verstorbenen Schachkultur-Supporterin Ingrid Gralla.

Schachkultur-Supporterin Ingrid Gralla (1930-2017), hier während eines Aufenthalts auf Gran Canaria im Februar 1996. Foto: Privatarchiv

Schachkultur-Supporterin Ingrid Gralla (1930-2017), hier während eines Aufenthalts auf Gran Canaria im Februar 1996. Foto: Privatarchiv

Bericht vom European Youth Shogi Championship 2018

Am 30. Juni und 1. Juli fand in der Polytechnischen Fakultät der Universität Wroclaw die diesjährige Shogiteam Jugend Europameisterschaft statt. Parallel dazu fand ein offenes Begleitturnier für Erwachsene statt.
Das Team aus Hamburg bestand aus dem Jugendspielern Ian und Niels Meinköhn und Anton Borysov, die von “Strippicus” Uwe Frischmuth und Jürgen Woscidlo begleitet wurden. Für das Hamburger Team war es das erste Turnier im Ausland. Allein die Anreise verlief nicht ohne Höhepunkte. Anton war bereits einen Tag vorher in Wroclaw eingetroffen.
Ian Meinköhn startete im Feld U12, Anton Borysov im Feld U15, Niels im Feld U18. Alle drei bekamen es neben deutschen Gegenspielern insbesondere mit denen aus Weißrussland zu tun. Die Partien waren durchweg kämpferisch bis zum letzten Zug. Das Ergebnis aber konnte sich am Ende sehen lassen: Anton Borysov belegte im Feld U12 den vierten, Ian Meinköhn den sechsten Platz. Damit bewiesen beide zum einem ihre Spielstärke, gaben andererseits auch einen Ausblick, welches Potential in ihnen noch schlummert.
Niels Meinköhn musste bis zum zweiten Turniertag warten, bis er zwei Siege einfahren konnte. Einen davon gegen einen “3 Kyu-Spieler”. Am Ende landete er auf Platz 14 und wurde mit einem 15. Kyu belohnt. Ein großer Erfolg. Herzlichen Glückwunsch ihnen allen.
Uwe Frischmuth und Jürgen Woscidlo hatten es auf dem Begleitturnier am ersten Tag durchweg mit den schweren Gegnern zu tun. Während Uwe Frischmuth immerhin einen Punkt holen konnte, ging Jürgen Woscidlo hier leer aus. Erst am Sonntag kam die Wende und es konnten Punkte eingefahren werden. Besonders die Partie Jürgen Woscidlo gegen Jacek Prochal wird lange in Erinnerung bleiben, denn bis zum letzten Zug stand die Partie auf des Messers Schneide, ehe Jürgen Woscidlo den Siegpunkt notieren konnte.
Herzliche Grüße an Jacek Prochal nach Krakau. Vielen Dank für diese spannende Partie. Am Ende kamen Uwe Frischmtuh auf Platz sieben, Jürgen auf Platz acht ein. Damit bewahrheitete sich Uwes Prognose, dass kein Hamburger Spieler mit null Punkten nach Hause fahren würde.
Am Samstag gab es dann ein kleines Janggiturnier. Während die Jugendlichen Fußball spielten, glühten im Turniersaal die Janggi Bretter. Die Pokale gingen nach Paris, Wroclaw und Warschau (Antonio Barry). Herzlichen Glückwunsch. Auch hier gingen die Hamburger Spieler (Uwe Frischmuth und Jürgen Woscidlo) nicht punktlos vom Platz. Jürgen Woscidlo gewann gegen Antonio Barra. Im Oktober 2017 war es noch umgekehrt.
Nach zwei Tagen ging die Shogi Jugend EM mit einer großen Siegerehrung zu Ende.
Was bleibt?
1) Der Eindruck von einem gut organisierten Turnier und freundlichen Gastgebern.
2) Die tollen Partien und guten Gesprächen zwischen den Partien und Samstagabend.
3) Die Begegnung mit Polen, die stets freundlich und hilfsbereit waren. Sie haben es wirklich schwer gemacht, sich fremd zu fühlen.
Besonderer Dank an dieser Stelle gilt Uwe Frischmuth. Mit der Planung der Reise und seinen Kenntnissen der polnischen Sprache hat er die erfolgreiche Teilnahme des Hamburger Teams erst ermöglicht. Dadurch stand ein Hamburger Team am Ende in Wroclaw.
Durch seine taktischen Tipps während des Turniers trug er viel zum positiven Abschneiden Hamburgs bei.
Hier die Links zu den Ergebnissen:
vom U12 Turnier
vom U15 Turnier
vom U18 Turnier

und vom offenen Begleitturnier