Verbeugung am 81-Felder-Brett vor dem großen Daimyo: Bilal Dardour gewinnt das “Toyotomi Hideyoshi Shôgi Memorial 2017″ in Hamburg

Japan bestimmt die2017-02-07 Toyotomi Plakat Nachrichtenlage in Deutschlands Norden während der ersten Frühlingswochen. Denn das Kaiserreich ist Partnerland der diesjährigen CeBIT in Hannover vom 20. bis 24. März 2017, und im Zuge dessen wird der aus Tokio angereiste Premier Shinzo Abe auch der Hansestadt Hamburg einen Besuch abstatten.
Quasi als Einstimmung darauf haben die Nippon-Fans einen besonders spannenden Beitrag, den Japan zum Weltkulturerbe geleistet hat, am 11. März 2017 mit einem speziellen Event gewürdigt: 24 Freunde der äußerst dynamischen Schachversion, die auf dem fernöstlichen Archipel entwickelt worden ist, trugen in den Räumen der Hamburger Bücherhallen das “Toyotomi Hideyoshi Shôgi Memorial 2017″ aus. Nach vier Runden setzte sich der Frankfurter Bilal Dardour, 2 Kyu, in einem internationalen Teilnehmerfeld durch; neben Spielern, die unter den Farben der Bundesrepublik antraten, gingen Titelanwärter aus den Niederlanden, Frankreich, Dänemark, Türkei und sogar Hongkong ins Rennen.

Die wohl spannendste Partie des Turniers: Bilal Dardour (l.) gegen Julian Baldus (r.) in der letzten Runde

Die wohl spannendste Partie des Turniers: Bilal Dardour (l.) gegen Julian Baldus (r.) in der letzten Runde.

Das Turnier war neben der sportlichen Seite zugleich auch eine Verbeugung vor dem genialen Feldherrn Toyotomi Hideyoshi (1537-1598), der im 16. Jahrhundert die Grundlagen legte für die Beendigung selbstzerstörerischer Bürgerkriege, die damals das Kaiserreich zerrissen. Und da der unvergessene Daimyo, dessen Geburtstag sich am 17. März 2017 zum 480. Mal gejährt hat, zugleich auch das regionale Schach seiner Heimat nach den Berichten der Chronisten sehr schätzte, gedachte folgerichtig und stilgerecht am 81-Felder-Brett die Shôgi-Gemeinde dieser Tage ihres legendären Vorkämpfers, der vom einfachen Bauern zum allseits gefürchteten und respektierten Truppenführer aufgestiegen war.
Ein interaktiver Dialog mit Japans Geschichte, der unter besagtem Leitmotiv jetzt angeknüpft hat an die vor neun Monaten organisierte Auftaktveranstaltung der entsprechend gestarteten kleinen Eventserie in der Elbmetropole: Am 4. Juni 2016 lud die örtliche Shôgi-Community zum “Tokugawa Ieyasu Shogi Memorial 2016″ ins Asien-Afrika-Institut der Universität ein, und zwar als Reverenz an den 500. Todestag jenes Mannes, der die von seinem Vorgänger Toyotomi Hideyoshi begonnene Befriedung Japans vollenden sollte – und der außerdem, weil ebenfalls bekennender Liebhaber der Mattkunst, 1612 das Profiwesen im Shôgisport begründete.

Angespanntes Nachdenken in der Hamburger Bücherhalle.

Angespanntes Nachdenken in der Hamburger Bücherhalle.

Ein Wettbewerb im Nipponschach, um die Besucher der öffentlichen Bücherhallen neugierig zu machen auf das Thema Japan: Dieses Konzept hatte die Bibliotheksleistung davon überzeugt, ihr Haus nun eben für das “Toyotomi Hideyoshi Shôgi Memorial 2017″ zu öffnen. Und so verwandelte sich das Zentrum des Wissens, das in Sichtweite des Hamburger Hauptbahnhofes liegt, am zweiten Sonnabend im März in einen Ort, an dem die mentale Variante der fernöstlichen Martial Arts absolut fair – wofür nicht zuletzt Turnierdirektor Fabian Krahe sorgte – und in freundschaftlichem Geist, aber trotzdem auch leidenschaftlich und voller Ehrgeiz zelebriert wurde.

Zum ersten Mal fand ein Shôgi-Turnier in der Hamburger Zentralbibliothek statt. Vor dem Turnierraum konnten Partien analysiert werden und interessierte Besucher der Bücherhalle sich über das japanische Schach informieren

Zum ersten Mal fand ein Shôgi-Turnier in der Hamburger Zentralbibliothek statt. Vor dem Turnierraum konnten Partien analysiert werden und interessierte Besucher der Bücherhalle sich über das japanische Schach informieren.

Mit der Folge, dass auch der eine oder andere Favorit schmerzhaft Federn lassen musste. Der Däne Thomas Heshe, 1 Kyu, der noch im Frühsommer 2016 das “Tokugawa Ieyasu Shôgi Memorial 2016″ dominiert hatte, kam beim “Toyotomi Hideyoshi”-Nachfolgeturnier über den undankbaren 4. Platz nicht hinaus. Und der niederländische Topfavorit Lex van der Lubbe, 1 Dan, landete überraschend auf dem 6. Platz.

Siegerehrung durch René Gralla. Für die Sieger der 1. und 2. McMahon-Gruppen und den besten Jugendlichen gab es einen Pokal.

Siegerehrung durch René Gralla. Für die Sieger der 1. und 2. McMahon-Gruppen und den besten Jugendlichen gab es einen Pokal.

Dagegen schlug das Team Düsseldorf gleich zweimal zu: Julian Baldus, 5 Kyu, kämpfte sich vor auf den geteilten zweiten Platz (gleichauf mit Hongkongs Vertreter Chung Man Chan, 3 Kyu), und Michaela Baumgarth, 8 Kyu, gewann die Damenkonkurrenz. Volker Hildebrand setzte sich als Sieger der 2. McMahon-Gruppe durch. Jürgen Woscidlo als Sieger der 3. McMahon-Gruppe.

Uwe Frischmuth (r.), bester Hamburger Spieler im Spiel gegen Michael Höhne (l.)

Uwe Frischmuth (r.), bester Hamburger Spieler im Spiel gegen Michael Höhne (l.)

Und noch jemand durfte kräftig jubeln: der 15-jährige Niels Meinköhn, 17 Kyu, hängte die übrigen Jugendspieler ab und bewies, dass sein vergleichbarer Erfolg vor einem Dreivierteljahr nach dem Zieleinlauf des “Tokugawa Ieyasu Memorials 2016″ (Bester der U-18-Wertung) kein One-Day-Wonder gewesen war. Dem Shôgi-Daimyo Toyotomi Hideyoshi, virtueller Patron des 2017-er Memorials in seinem Namen, hätte das gewiss gefallen. Kerem Kuruca als absoluter Neuling, er erlernte die Regel erst vor einigen Wochen, schlug sich tapfer, aber belegte den letzten Platz. Uwe Frischmuth wurde mit einem zehnten Platz bester Hamburger Spieler.
Da haben wir Hamburger noch einige Shôgi-Lektionen aufzuholen. Schließlich hätte es für eine derart schlappe Performance vom Shôgi-Daimyo Toyotomi Hideyoshi beim Morgenappell garantiert einen gewaltigen Anschiss gegeben.

René Gralla und Fabian Krahe

Toyotomi Hideyoshi Shôgi Memorial 2017, Germany : 2017-03-11

Nr Name Nat Grade ELO 1 2 3 4 Pts +/-
1 Dardour Bilal DE 2 Kyu 1599 6+ 2+ 5+ 3- 5 +16
2 Chan Chung Man HK 3 Kyu 1390 4+ 1- 11+ 5+ 5 +79
3 Baldus Julian DE 5 Kyu 1267 9+ 5- 7+ 1+ 5 +100
4 Heshe Thomas DK 1 Kyu 1737 2- 17+ 8+ 6+ 5 -4
5 Höhne Ritchy NL 3 Kyu 1452 7+ 3+ 1- 2- 4 +7
6 van der Lubbe Lex NL 1 Dan 1748 1- 15+ 12+ 4- 4 -26
7 Faber Sébastien FR 3 Kyu 1442 5- 10+ 3- 12+ 4 -14
8 Hildebrand Volker DE 1019 14+ 13+ 4- 16+ 4 +71
9 Höhne Michael NL 6 Kyu 1224 3- 12- 17+ 10+ 4 +11
10 Frischmuth Uwe DE 7 Kyu 1131 11+ 7- 13+ 9- 3 +30
11 Krahe Fabian DE 7 Kyu 1175 10- 14+ 2- 19+ 3 +3
12 Dreier Konrad DE 8 Kyu 1076 23+ 9+ 6- 7- 3 +41
13 Köhler Ingo DE 6 Kyu 1219 17- 8- 10- 20+ 3 -41
14 Baumgarth Michaela DE 8 Kyu 1046 8- 11- 22+ 18+ 3 +12
15 Müller Jens DE 8 Kyu 1090 18+ 6- 20- 17+ 3 +24
16 Woscidlo Jürgen DE 921* 24+ 21+ 18+ 8- 3
17 Gralla René DE 6 Kyu 1225 13+ 4- 9- 15- 2 -14
18 Grandmarre Antoine FR 7 Kyu 1125 15- 19+ 16- 14- 2 -44
19 Meinköhn Niels DE 416 22+ 18- 21+ 11- 2 +114
20 Pizarro Silva Loreto NL 17 Kyu 476 21- 24+ 15+ 13- 2 +185
21 Müller Markus DE 13 Kyu 698 20+ 16- 19- 23+ 2 +12
22 Meinköhn Ian DE 16 Kyu 462 19- 23+ 14- 24+ 2 +47
23 Müller Rolf DE 15 Kyu 501 12- 22- 24+ 21- 1 +10
24 Kuruca Kerem TR 1* 16- 20- 23- 22- 0

Promoting Baldus Julian to 4 Kyu
Promoting Hildebrand Volker to 9 Kyu
Promoting Krahe Fabian to 6 Kyu
Promoting Dreier Konrad to 7 Kyu
Promoting Müller Jens to 7 Kyu
Promoting Meinköhn Niels to 16 Kyu
Promoting Pizarro Silva Loreto to 14 Kyu
Promoting Müller Markus to 12 Kyu
Promoting Meinköhn Ian to 15 Kyu

Bilal Dardour (m.), Turniersierger mit den beiden Organisatoren René Gralla (l.) und Fabian Krahe (r.). Foto by Michaela Baumgarth

Bilal Dardour (m.), Turniersierger mit den beiden Organisatoren René Gralla (l.) und Fabian Krahe (r.). Foto by Michaela Baumgarth

Ein geteilter zweiter Platz ging an Chung Man Chan (l.) und Julian Baldus (r.).  Foto von Michaela Baumgarth

Ein geteilter zweiter Platz ging an Chung Man Chan (l.) und Julian Baldus (r.). Foto von Michaela Baumgarth

Bester Jugendspieler wurde Niels Meinköhn (r.). Foto von Michaela Baumgarth

Bester Jugendspieler wurde Niels Meinköhn (r.). Foto von Michaela Baumgarth

Mehr Fotos vom Turnier gibt es auf der Facebook-Seite von Shôgi Düsseldorf: https://www.facebook.com/ShogiDuesseldorf/.

Bericht: Shôgi auf dem Hina-matsuri 2017

Liebe Shôgi-Freunde,

dieses Jahr haben wir Hamburger Shôgi-Spieler erneut im Hamburger Museum für Völkerkunde die japanische Variante des königlichen Spiels präsentiert. Anlass war das Hina-matsuri, dass japanische Mädchenfest, welches jedes Jahr am 3. März begangen wird. Beim Hina-matsuri stellen Mädchen Puppen, die den klassischen japanischen Hofstaat darstellen, auf ein Podest. Dieser aus der Edo-Zeit (1600-1868) stammende Brauch soll vor Gefahren schützen. 2017-03-05 Hina-matsuri 001

Wie auch in den letzten Jahren haben wir vor dem Maori Haus Shôgi erklärt und gespielt. Neben alten Bekannten konnten auch wir auch viele neue Talente entdecken. Es ist immer wieder erstaunlich, wie viele Menschen sich auch von außerhalb Hamburgs im Museum einfinden. Über Besuchermangel konnten wir uns wahrlich nicht beschweren. 2017-03-05 Hina-matsuri 005 2017-03-05 Hina-matsuri 004Neben dem Shôgi gab es auch wieder ein vielfältiges Kulturangebot, dass von Manga zeichnen, über Origami falten bis zum beliebten Cosplay Schaulaufen reichte. Monika Mizuno Bereuter stellte als dessen Vorsitzende wieder den Kulturverein “Deutsch-Japanisches Forum Elbe e.V.” vor und unterstützte uns beim Shôgi. Besonderer Dank gilt wie jedes Jahr René Gralla, der sich der Organisation des Shôgi-Standes angenommen hat. Masaomi Ishii, Wolfgang Reher, Rolf und Markus Müller, Ian und Niels Meinköhn, Anton Bumagina, Fabian Krahe und viele andere haben Zeit und Mühe investiert um diesen Tag zu einem Erfolg zu machen.

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Am Shôgi-Infostand im Foyer des Völkerkundemuseums: Monika Mizuno Bereuter (li.), Chefin des Deutsch-Japanischen Forums Elbe und Unterstützerin der Hamburger Shôgi-Aktivisten während der Präsentation beim Hina Matsuri 2017, und Shôgi-Promoter René Gralla (re.). Foto: Shigeko Takeya

Am Shôgi-Infostand im Foyer des Völkerkundemuseums: Monika Mizuno Bereuter (li.), Chefin des Deutsch-Japanischen Forums Elbe und Unterstützerin der Hamburger Shôgi-Aktivisten während der Präsentation beim Hina Matsuri 2017, und Shôgi-Promoter René Gralla (re.). Foto: Shigeko Takeya

Oh Yeah … Janggi goes TV!

Außerhalb Asiens dürfte es dafür wenig Konkurrenz geben: An der Hamburger Schule Grumbrechtstraße bringt Jürgen Woscidlo seinen Schachschülern neben Shôgi auch andere Versionen des Königlichen Spiels bei – und darunter eben auch das koreanische Janggi.

Das wiederum haben die Newsmacher vom südkoreanischen Auslands-TV-Sender Uri News – der seine Zentrale in Frankfurt/Main hat – derart ungewöhnlich gefunden, dass sie darüber ein Feature produziert und gesendet haben.

Hier der muntere Beitrag auf Youtube, der, obwohl in koreanischer Sprache ausgestrahlt, im Ergebnis self-explanatory ist … und in dem unter anderem auch Hamburgs Shôgi-Promoter René Gralla zu Wort kommt, um ein von ihm gebasteltes Janggi-Set mit 3D-Figuren-Szenario vorzustellen:

Shôgi-Schulturnier: Grundschule Grumbrechtstraße vs. japanische Grundschule Halstenbek

Von Jürgen Woscidlo

Im November spielten die Schüler der Schach-AG der Grundschule Grumbrechtstraße zum fünften Male gegen die Schüler der japanischen Grundschule Halstenbek. Diesmal waren die Heimfelder ABC-Schützen zu Gast in Halstenbek. Mit dabei waren erfahrene Spieler wie Adriano Americo, Elefterios Petridis, Paul Geißler, Ian Meinköhn, Konrad Leo Adler und einige Neuzugänge wie Efe Ferad und Peter Große, die auf ihre Art für ein gelungenes Turnier sorgten. Mit Enrico Ruccio kehrte ein Urgestein des Shôgis an der Grumbrechtstraße auf die Turnierbühne zurück. Trotz langer Pause holte Enrico zwei wichtige Punkte und errang einen verdienten, geteilten fünften Platz. Efe Ferad, der erst vor kurzem Shôgi erlernte, spielte furchtlos und wurde mit einem Punkt belohnt. Mit zunehmender Spielerfahrung und Training wird er sicher zu einer starken Stütze der Mannschaft werden. Peter Große hatte zwar nicht das Spielglück auf seiner Seite, dafür aber hatte er mit seinen Gegenspielerinnen immer Partien, wo es fröhlich zuging. Diese Fröhlichkeit wirkte sich sehr positiv auf die Atmosphäre aus und dafür gebührt ihm Dank. Die Routiniers spielten sehr durchwachsen.
Paul Geisler spielte ein schwungvolles Angriffsspiel; hatte jedoch in den Runden zwei und drei das Pech unkooperativer Gegner. Mit drei Punkten aus fünf Runden kam er schließlich auf einen geteilten vierten Platz. Elefterios Petridis spielte ein gutes Turnier, blieb aber doch unter seiner eigentlichen Stärke. Schließlich fand er sich in einem Stichkampf um Platz vier mit Mori Hirotomo wieder, als Herr Shibakuki, ein Lehrer der japanischen Schule, welcher als Schiedsrichter zusammen mit Herrn Ishi und Herrn Woscidlo wirkte, in die Partie eingriff. Er zeigte Elefterios Petridis den Gewinnzug. Darauf wurde die Partie abgebrochen. Schließlich einigte sich das Schiedsrichter Trio darauf, den vierten Platz zu teilen. So fanden sich Mori Hirotomo, Elefterios Petridis und Paul Geißler auf dem geteilten vierten Platz wieder. Adriano Americo spielte ein sehr konstantes Turnier, sehr konzentriert und gab lediglich in Runde vier einen Punkt ab: ausgerechnet gegen Ian Meinköhn. Die Belohnung für dieses konzentrierte Spiel war ein verdienter dritter Platz.

Das Spitzenduo dieses Turniers bildeten Ian Meinköhn und Konrad Leo Adler. Beide zogen mit fünf aus fünf Punkten am gesamten Feld vorbei. Ein Stichkampf musste in der sechsten Runde die Entscheidung bringen. Die Partie war kurz, heftig und endete mit einem Sieg für Ian Meinköhn, der damit den ersten Platz belegte. Die japanische Mannschaft verfügte mit Mori Hirotomo über einen brandgefährlichen Spieler. Er agiert sehr geschickt und nutzt jeden Fehler des Gegners sofort aus. Einige Heimfelder Spieler mussten dies sehr schmerzhafte erfahren. Matsui Shotarou und Yanagi Eika spielten ebenfalls mit viel taktischem Geschick und es fehlte manchmal nicht viel zum Sieg. Dadurch waren sie für ihre Mannschaft ein großer Rückhalt. Insgesamt hatte die japanische Mannschaft – gegenüber dem letzten Turnier – an Spielstärke gewonnen. Leider aber werden genau diese Spielerinnen und Spieler im März 2017 die Schule verlassen, womit der Schule eine kampfstarke, sympathische Mannschaft verloren geht.
All unseren japanischen Shôgi-Freunden wünschen wir eine gute Heimkehr nach Japan!

Die Turnierteilnehmer. Foto von Jürgen Woscidlo

Die Turnierteilnehmer. Foto von Jürgen Woscidlo

Großer Dank gebührt den Eltern der japanischen Schule. Diese hatten ein richtiges Buffet auf die Beine gestellt und das gemeinsame Mittagessen war in der Tat so, als säße man bei alten Freunden. Die gesamte warmherzige Atmosphäre der japanischen Schule war einfach wundervoll. Im Juni 2017 erfolgt der Gegenbesuch der japanischen Schule in der Grundschule Grumbrechtstraße.
Denn nach dem Turnier, ist vor dem Turnier!

Grumbrechtstraße vs. Halstenbek 2016-11 – Endtabelle
Nr.: Name 1 2 3 4 5 6 Bemerkungen Endstand Platzierung
1 Paul Geißler 1 0 0 1 1   Geteilter 4. Platz 3 4
2 Ian Meinköhn 1 1 1 1 1 1 1. Plaz nach Stichkampf mit Konrad-Leo Adler 6 1
3 Elefterios Petridis 1 0 1 0 1 Geteilter 4. Platz; Abbruch des Stichkampfes mit Hirotomo Mori, wegen Eingriffs des Schiedsrichters 3 4
4 Adriano Americo 1 1 1 0 1   4 3
5 Efe Ferad 0 0 1 0 0   Geteilter 6. Platz 1 6
7 Peter Große 0 0 0 0 0     0 7
8 Konrad Leo Adler 1 1 1 1 1 0 2. Platz nach Stichkampf mit Ian Meinköhn 5 2
9 Enrico Ruccia 1 0 0 0 1   Geteilter 5. Platz 2 5
10 Yosuke Tosaka 0 0 0 1 1   Geteilter 5. Platz 2 5
11 Shotarou Matsui 0 1 0 1 0   Geteilter 5. Platz 2 5
12 Haruna Ibaragi 0 0 0 1 0   Geteilter 6. Platz 1 6
13 Hana Takahashi 0 0 1 0 0   Geteilter 6. Platz 1 6
14 Hirotomo Mori 1 1 0 1 0   Geteilter 4. Platz; Abbruch des Stichkampfes mit Elefterios Petridis, wegen Eingriffs des Schiedsrichters 3 4
15 Eika Yanagi 0 1 1 0 0   Geteilter 5. Platz 2 5

Verspielte Träume aus Tausendundeiner Nacht – Schachturnier in Hamburg nach Original arabischen Regeln

Von René Gralla

Der Mann war Jurist und Rebell. Und obendrein verblüffte er die Zeitgenossen gerne am Spielbrett: Sa’id ibn Jubair demütigte oft erst frohgemute und alsbald tief verzweifelte Herausforderer reihenweise mit eleganten Attacken und fiesen Tricks, die er ohne Ansicht des jeweiligen Matchgeschehens plante und fehlerfrei exekutierte. Indem er konsternierten Gegnern und wechselnden Figurenarrangements auf Tischen, die geschäftstüchtige Impresarios eilfertig bereitstellten, nonchalant und selbstgewiss den Rücken zukehrte.

Die sensationellen Stunts machten den mental derart präsenten Rechtsgelehrten vor gut dreizehn Jahrhunderten zum ersten Athleten des Denksports, der Partien quasi “blind” ausfechten und gewinnen konnte. Und das war Grund genug für eine Gruppe Enthusiasten aus Deutschlands boomender Port City an der Elbe – allen voran Schachlehrer Jürgen Woscidlo sowie ChessBase-Autor und Rechtsanwalt René Gralla – , dieser Tage den 665 wahrscheinlich in Äthiopien geborenen Meister (der nach manchen Quellen später unter anderem im Raum Mekka aktiv war) posthum zu ehren und ihm einen Platz zu reservieren in der Hall of Fame des Spiels der Spiele: mit einem “Sa’id ibn Jubair-Shatranj-Memorial” am 22. Oktober 2016 im Asien-Afrika-Institut der Universität Hamburg.

Unterstützt das Shatranj-Revival: Tunesiens Konsulin in Hamburg, Frau Sonia Ben Amor. Foto: Bernd-Jürgen Fischer

Unterstützt das Shatranj-Revival: Tunesiens Konsulin in Hamburg, Frau Sonia Ben Amor. Foto: Bernd-Jürgen Fischer

Der historische Wettkampf, großzügig unterstützt von der Deutsch-Tunesischen Gesellschaft (DTG) und dem Tunesischen Konsulat in der Elbmetropole, gehörte zu einem der ersten Höhepunkte der diesjährigen Arabischen Kulturwochen: eine mehrfach preisgekrönte Veranstaltungsreihe, die sich unter Federführung ihres Initiators Dr. Mohammed Khalifa als fester Bestandteil im herbstlichen Eventkalender der Hansestädte Bremen und Hamburg etabliert hat. Und es kam nicht von ungefähr, dass die Lebensleistung des Sa’id ibn Jubair exakt 1302 Sommer nach brutalem Finale – wegen angeblichen Hochverrats musste der gefallene Held den Gang auf’s Schafott antreten – nun endlich gewürdigt wurde, und zwar ausgerechnet in der kompetitiven Form eines Turniers.

Schließlich zählte der legendäre Champ zu den frühen Superstars in einer bestimmten Variante des Denksports, die “Shatranj” hieß und nichts weniger war als die Originalausgabe des heute rund um den Globus beliebten Schachspiels. Denn nachdem unbekannte Tüftler wohl Mitte des fünften Jahrhunderts auf dem indischen Subkontinent das Szenario eines simulierten Zusammenpralls zweier Heere samt notwendigem Regelwerk kreiert hatten, segelte jenes “Chaturanga” an Bord tamilischer Handelsschiffe ostwärts, landete auf Java – das damals zum hinduistisch geprägten Königreich Srivijaya gehörte – und wanderte im Gepäck von Kaufleuten und Reisenden über die Malaiische Halbinsel gen Norden.

Bis in die Gegenwart wird Indiens Protoschach in minimal modifizierter Form leidenschaftlich gezockt in Südostasien: Die Communities in Thailand und Kambodscha bleiben mehrheitlich ihren Chaturanga-basierten Games “Makruk” respektive “Ouk Chatrang” treu, während Mainstream Chess approved by FIDE höchstens in elitären Kreisen goutiert wird.


Fröhliche Urständ feiert Kambodschas “Ouk Chatrang”, ein naher Verwandter des arabischen “Shatranj” aka altindisches “Chaturanga” im Khmer-Style, an den unwahrscheinlichsten Plätzen im Universum … so jüngst unter norddeutschem Himmel in der rauen Provinz am Rand der Lüneburger Heide: In Sinstorf trafen sich ChessBase-Autor René Gralla (li.) und Jürgen Woscidlo (re.) zu einem Showcase-Game.


Parallel dazu erreichte Chaturanga in westlicher Gegenrichtung über Persien den arabischen Herrschaftsbereich und fand unter dem abgeänderten Namen “Shatranj” rasch glühende Anhänger. Eine Popularität, die nicht auf die muslimische Hemisphäre beschränkt blieb, sondern sukzessive auszustrahlen begann auch auf das christliche Abendland.

Worin aber unterschied sich das besagte Shatranj vom aktuellen Standardschach, in dem Posterboys der digitalen Ära reüssieren wie ein Magnus Carlsen? Die indo-arabischen Shatranj-Könige mussten in der 64-Felder-Arena nicht kuschen vor dominanten Damen, sondern durften zum Ausgleich schwächliche Hofschranzen – sprich: Wesire – mobben. Und statt raumgreifender Läufer forderten robuste Elefanten den ihnen gebührenden Respekt ein.

Von Bagdad bis Rom, vom maurischen Granada bis nach Worms im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation: Mehr als 800 Jahre war Shatranj die quasi amtliche Schachversion überall dort, wo helle Köpfe die Kunst der Mattführung pflegten (sieht man von den Sonderfällen China und Japan und deren Eigengewächsen “Xiangqi” und “Shogi” ab). Ein unschätzbar wichtiger Beitrag der arabischen Welt zum Kulturerbe der Menschheit – der freilich zwischenzeitig leider in Vergessenheit geriet: die Konsequenz einer Revision des Spiels, die Ende des 15. Jahrhunderts von spanischen und italienischen Profis vorangetrieben wurde und Elefanten samt Wesiren schnöde austauschte gegen Läufer plus Damen.

Das moderne Schach war geboren, und bald wusste außerhalb der Wissenschaftszirkel niemand mehr, dass eine veritable Shatranj-Welle einst im Bagdad der Kalifen quer durch alle Bevölkerungsschichten die Fans inspiriert hatte. Großmeister, die “Aliyat”, trugen umjubelte Zweikämpfe aus, und berühmte Autoren vom Schlage eines al-Adli, ar-Razi und as-Suli veröffentlichten im 9. und 10. Jahrhundert epochale Lehrbücher.

Lehrstunde von einem der Gurus des Shatranj-Revival: am Brett mit Jürgen Woscidlo (re.) vom Organisationskomitee des "Sa'id ibn Jubair-Shatranj-Memorial 2016". Foto: Bernd-Jürgen Fischer

Lehrstunde von einem der Gurus des Shatranj-Revival: am Brett mit Jürgen Woscidlo (re.) vom Organisationskomitee des “Sa’id ibn Jubair-Shatranj-Memorial 2016″. Foto: Bernd-Jürgen Fischer

Den Schatz des versunkenen Shatranj heben: ein Vorhaben, das leicht größenwahnsinnig anmutet. Und für das nichtsdestoweniger das Zweiergespann Jürgen Woscidlo und René Gralla hartnäckig trommelt, mit dem Probelauf eines Jugendturniers am 20. November 2015 in den Räumen der Hamburg-Heimfelder Grundschule Grumbrechtstraße (ChessBase war vor Ort: http://de.chessbase.com/post/schach-mit-elefanten).

Sichtlich zufrieden über die Anschlussveranstaltung “Sa’id ibn Jubair-Shatranj-Memorial 2016″ zeigte sich deswegen René Gralla vom Organisationsteam in seiner Begrüßungsrede: Hier werde “ein Stück Kultur- und Sportgeschichte geschrieben”. Und der Journalist erinnerte in diesem Zusammenhang an erste Pläne vor gut 100 Jahren, das Shatranj aus der Versenkung zu holen: In der einschlägigen Disziplin sponserten nämlich die renommierten Fachmagazine “Deutsches Wochenschach” und “Berliner Schachzeitung” 1913 ein Korrespondenzturnier, das erst 1915 in den Wirren des Ersten Weltkriegs versandete.


Unter dem nachfolgenden Link zwei Partien des Shatranj-Fernturniers von 1913 bis 1915 zum Nachspielen – einer der Favoriten war Walther Freiherr von Holzhausen – ; plus weitere Gehversuche im klassischen Arabischen Schach, die im 20. Jahrhundert dokumentiert worden sind:

http://www.chess-poster.com/english/shatranj_games/modern_games_of_shatranj.htm


 René Gralla, Co-Organisator des Shatranj-Turniers (li.), dankt Gabriele Kamensky (Mitte) von der Deutsch-Tunesischen Gesellschaft für großzügigen Support und dem Chef der Arabischen Kulturwochen, Dr. Mohammed Khalifa (re.), für die Aufnahme des Shatranj-Turniers in das Programm der renommierten Veranstaltungsreihe. Foto: Bernd-Jürgen Fischer

René Gralla, Co-Organisator des Shatranj-Turniers (li.), dankt Gabriele Kamensky (Mitte) von der Deutsch-Tunesischen Gesellschaft für großzügigen Support und dem Chef der Arabischen Kulturwochen, Dr. Mohammed Khalifa (re.), für die Aufnahme des Shatranj-Turniers in das Programm der renommierten Veranstaltungsreihe. Foto: Bernd-Jürgen Fischer

Außerdem sei ein Relaunch des Shatranj überfällig, meinte René Gralla: “In Thailand und Kambodscha gehören Makruk beziehungsweise Ouk Chatrang – die sich eng anlehnen an das indische Chaturanga und das arabische Shatranj – zum Kanon der Volkssportarten. Da sollte es Ehrensache sein, The Real Thing auf den Weg zu bringen: das echte Shatranj!”
Ausdrücklich dankte René Gralla der Deutsch-Tunesischen Gesellschaft und deren Repräsentantin Gabriele Kamensky für wertvollen Support: “Die Freundschaft zwischen Deutschland und Tunesien hat eine lange Tradition. Und jetzt ist die Tunesische Republik ein leuchtendes Vorbild – wie die demokratischen Errungenschaften des Arabischen Frühlings auch in Zukunft bewahrt werden.” Insofern sei es “voller Symbolkraft, dass Tunesien, wo Tradition und Glaube an den Fortschritt eine glückliche Symbiose eingehen, den entscheidenden Anstoß gibt für eine Renaissance des Shatranj aus Tausendundeiner Nacht!”

Tunesiens Konsulin in Hamburg, Frau Sonia Ben Amor (li.), bei der Begrüßung der Turnierteilnehmer (rechts daneben: das Organisationsteam René Gralla, 2.v.li., und Jürgen Woscidlo, 3.v.li., mit Hamburgs DTG-Chefin Gabriele Kamensky, 4.v.li.). Foto: Bernd-Jürgen Fischer

Tunesiens Konsulin in Hamburg, Frau Sonia Ben Amor (li.), bei der Begrüßung der Turnierteilnehmer (rechts daneben: das Organisationsteam René Gralla, 2.v.li., und Jürgen Woscidlo, 3.v.li., mit Hamburgs DTG-Chefin Gabriele Kamensky, 4.v.li.). Foto: Bernd-Jürgen Fischer

Ein Gedanke, den Tunesiens Konsulin Sonia Ben Amor in ihrem Grußwort aufnahm und versprach, auch zukünftig das Projekt zu begleiten. Anschließend sagte Fabian Krahe, der am Rechner die Paarungen zusammenstellte, die Begegnungen der ersten Runde an. Der Startschuss für flotte Manöver – dazu zwang das straffe Zeitbudget, sparsame 15 Minuten pro Kandidat und Partie – und schonungslose Balgereien zwischen Elefanten und Wesiren.

Tunesische Lebensfreude beim Tunesien-Tag und dem begleitenden Shatranj-Turnier. Foto: Bernd-Jürgen Fischer

Tunesische Lebensfreude beim Tunesien-Tag und dem begleitenden Shatranj-Turnier. Foto: Bernd-Jürgen Fischer

Die entsprechenden Sonderfiguren stammten aus den Heimwerkstätten der Shatranj-Aficionados Jürgen Woscidlo und René Gralla. Das war Schach mit bunten Hinguckern: Neben dem Shatranj-Wettkampf zog ein “Tunesischer Tag” im Asien-Afrika-Institut die Besucher an, und viele nutzten die unverhoffte Gelegenheit, in den Pausen ungewohnte Turnierluft zu schnuppern. Und spontan an freien Brettern die Figuren zu schieben.

Beim Spiel über arabische Kultur und Geschichte lernen: das Leitmotiv des Shatranj-Turniers, und Teilnehmerin Asia Haidar fand das “wunderschön”. Die examinierte Geografin war wegen des Bürgerkrieges aus dem syrischen Aleppo geflüchtet und hätte “nie erwartet, in Deutschland plötzlich klassisches Shatranj zu spielen!”

Setzte sich durch als beste weibliche Spielerin: Hamburgs neue Shatranj-Queen Asia Haidar (li.); mit Tunesiens Konsulin Frau Sonia Ben Amor (Mitte) und René Gralla (re.) vom Shatranj-Orga-Team. Foto: Bernd-Jürgen Fischer

Setzte sich durch als beste weibliche Spielerin: Hamburgs neue Shatranj-Queen Asia Haidar (li.); mit Tunesiens Konsulin Frau Sonia Ben Amor (Mitte) und René Gralla (re.) vom Shatranj-Orga-Team. Foto: Bernd-Jürgen Fischer

Hoch motiviert ging die 25-jährige ins Rennen, kombinierte die Konkurrenz in Grund und Boden – und überquerte als beste Frau die Ziellinie. Verdienten Sonderapplaus kriegte der Gitarrenlehrer Ferdinand Feil aus Hamburg, der Flamenco-Musiker schnappte sich den Newcomer-Preis. Während der erst neunjährige Manish Srinath die anderen Kids abhängte und Nummer Eins der Jugendlichen wurde.

Der Lohn der Mühen am Brett: die Pokale, die von der Deutsch-Tunesischen Gesellschaft für das Shatranj-Turnier gestiftet wurden. Foto: Bernd-Jürgen Fischer

Der Lohn der Mühen am Brett: die Pokale, die von der Deutsch-Tunesischen Gesellschaft für das Shatranj-Turnier gestiftet wurden. Foto: Bernd-Jürgen Fischer

Ein Trio landete punktgleich an der Spitze, und bloß minimale Abweichungen in der Wertung gaben den Ausschlag für die Rangverteilung. Physikstudent Julian Zeyn aus Winsen/Luhe musste dem Zweitplatzierten Hamburger Go- und Shogi-Spezialisten Martin Wolff knapp den Vortritt lassen, während letzteren ein kaum messbarer Abstand – der Luftzug eines Wimpernschlages hätte sich im Vergleich wie ein Orkan angefühlt – vom Sieger trennte. Der zu seiner eigenen Überraschung (und ein bisschen peinlich berührt) den dicksten Pott nach Hause tragen durfte: ein Ergebnis, das René Gralla vom Turnierkomitee für sich weder erwartet noch erhofft hatte.

Manchmal spinnen die eben, die vorgeblich unfehlbaren Computer. Egal, auch im Shatranj gilt eine Fußballerweisheit: Nach dem Spiel ist vor dem Spiel. Und das zweite “Sa’id ibn Jubair-Shatranj-Memorial” ist für 2017 bereits angekündigt, Arabische Kulturwochen-Mastermind Dr. Mohammed Khalifa hat das während der Verabschiedung den Turnierteilnehmern fest versprochen.

Außerdem will Tunesiens Konsulin Sonia Ben Amor beim Schachverband ihres Heimatlandes für ein Shatranj-Turnier unter Palmen werben, vielleicht in einem beliebten Urlaubsort.

Das Abenteuer hat gerade erst begonnen: Shatranj, das Schach aus Tausendundeiner Nacht, bringt uns heftig zum Träumen.

Merci, Tunesien, shukran!

Sa’id ibn Jubair-Shatranj-Memorial 2016 – Endergebnistabelle
Place Name 1 2 3 4 5 Points SOS SOSOS
1 Gralla, René 8+ 3= 16+ 2= 5+ 4 85½ 399½
2 Wolff, Martin 11+ 12+ 7+ 1= 4= 4 84½ 406½
3 Zeyn, Julian 5+ 1= 4= 13+ 9+ 4 84 421½
4 Woscidlo, Jürgen 10= 15+ 3= 6+ 2= 85½ 406
5 Srinath, Manish 3- 11+ 12+ 7+ 1- 3 85 405
6 Meinköhn, Ian 12- 14+ 13+ 4- 11+ 3 80½ 413½
7 Feil, Ferdinand free 9+ 2- 5- 8+ 3 68 336
8 König, Rudolph 1- 10+ 14+ 9= 7- 84 393½
9 Haidar, Asia 13+ 7- 15+ 8= 3- 82½ 396
10 Baskin, Leon 4= 8- 11- 17+ 13+ 80 411½
11 Krahe, Fabian 2- 5- 10+ 12+ 6- 2 84½ 413
12 Meinköhn, Nils 6+ 2- 5- 11- 17+ 2 83 409
13 Mathapati, Ananya 9- 18+ 6- 3- 10- 1 83 400
14 Farouk, Bilal 16+ 6- 8- - - 1 77½ 366½
15 Trabelsi, Sabrin 18+ 4- 9- - - 1 77 381
16 ben Khemis, Chiheb 14- free 1- - - 1 62 303
17 Baskin, Oktay - - - 10- 12- 0 74½ 373
18 Hadri, Donia 15- 13- - - - 0 73 370

Zweiter Sieg für den Dänen Thomas Heshe in Hamburg

Hamburg wird zum Vorgarten für Thomas Heshe: Nachdem der Gymnasiallehrer aus dem dänischen Kolding in der Hansestadt bereits vor gut vier Monaten im Frühsommer das “Tokugawa Ieyasu Shogi Memorial 2016″ gewonnen hatte, entschied er jetzt auch den 3. Kyu Cup am 29. Oktober 2016 für sich. Der Leistungsvergleich in der herbstlichen Elbmetropole íst mittlerweile zum festen Bestandteil des Turnierkalenders geworden. Dieses Mal traten im stimmungsvollen chinesischen Teehaus Yu Garden Shôgispieler aus fünf Nationen gegeneinander an, wobei Hamburgs Altmeister Masaomi Ishii-sensei einen Überraschungscoup landete: Er kämpfte sich an starker Konkurrenz vorbei auf den dritten Rang.

René Gralla

Nr Name Nat Grade ELO 1 2 3 4 5 Pts +/-
1 Heshe Thomas DK 1 Kyu 1730 5+ 10- 2+ 11+ 12+ 4 -5
2 Chan Chung Man HK 4 Kyu 1370 12+ 5+ 1- 10+ 14+ 4 67
3 Ishii Masaomi JP 14 Kyu 648 16+ 17+ 8- 4+ 18+ 4 56
4 Meinköhn Ian DE 19 Kyu 273 17+ 18+ 9+ 3- 16+ 4 189
5 Dardour Bilal DE 2 Kyu 1604 1- 2- 10+ 6+ 11+ 3 -8
6 Freyer Guido DE 8 Kyu 1083 14+ 12- 13+ 5- 7+ 3 49
7 Keitsch Marcel DE 960 8- 14+ 16+ 15+ 6- 3 42
8 Wolff Martin DE 10 Kyu 933 7+ 15- 3+ 14- 9+ 3 28
9 Borysov Anton UA 611* 18+ 16+ 4- 17+ 8- 3
10 Katsumura Shinnosuke JP 4 Kyu 1356 11+ 1+ 5- 2- 13- 2 40
11 Hosaka Masanori JP 1311* 10- 13+ 12+ 1- 5- 2
12 Krahe Fabian DE 7 Kyu 1142 2- 6+ 11- 13+ 1- 2 33
13 Gralla René DE 7 Kyu 1130 15+ 11- 6- 12- 10+ 2 46
14 Dreier Konrad DE 8 Kyu 1065 6- 7- 15+ 8+ 2- 2 11
15 Frischmuth Uwe DE 8 Kyu 1053 13- 8+ 14- 7- 17+ 2 -12
16 Meinköhn Niels DE 416* 3- 9- 7- 18+ 4- 1
17 Müller Rolf DE 15 Kyu 499 4- 3- 18+ 9- 15- 1 2
18 Srinath Manish IN 1* 9- 4- 17- 16- 3- 0

Promoting Ishii Masaomi to 12 Kyu
Promoting Meinköhn Ian to 16 Kyu
Promoting Freyer Guido to 7 Kyu
Promoting Keitsch Marcel to 10 Kyu
Promoting Wolff Martin to 9 Kyu

Duell der Verfolger: In der 4. Runde entscheidet sich zwischen Shinnosuke Katsumura (am Brett li.) und Chungman Chan (am Brett re.), wer von den beiden aufschließen kann zum Frontrunner Thomas Heshe (nicht im Bild). Eine hart ausgekämpfte Begegnung, die fasziniert verfolgt wird von (in der hinteren Reihe stehend v. li. nach re.) Hosaka Masanori, René Gralla, Marcel Keitsch und Anton Borysov. Foto: Fabian Krahe

Duell der Verfolger: In der 4. Runde entscheidet sich zwischen Shinnosuke Katsumura (am Brett li.) und Chungman Chan (am Brett re.), wer von den beiden aufschließen kann zum Frontrunner Thomas Heshe (nicht im Bild). Eine hart ausgekämpfte Begegnung, die fasziniert verfolgt wird von (in der hinteren Reihe stehend v. li. nach re.) Hosaka Masanori, René Gralla, Marcel Keitsch und Anton Borysov. Foto: Fabian Krahe

Vordergründig relaxte Atmosphäre, aber in Wahrheit brennt die Luft ... beim 3. Kyu-Cup in Hamburgs Chinesischem Teehaus Yu Garden. Während der 2. Runde versucht sich hier Niels Meinköhn (am Brett im Vordergrund, mit Blickrichtung zur Kamera) zu behaupten gegen Anton Borysov (ganz vorne am Brett, mit dem Rücken zur Kamera), einen hoch ambitionierten jungen Shogi-Neueinsteiger aus Norderstedt. Foto: Fabian Krahe

Vordergründig relaxte Atmosphäre, aber in Wahrheit brennt die Luft … beim 3. Kyu-Cup in Hamburgs Chinesischem Teehaus Yu Garden. Während der 2. Runde versucht sich hier Niels Meinköhn (am Brett im Vordergrund, mit Blickrichtung zur Kamera) zu behaupten gegen Anton Borysov (ganz vorne am Brett, mit dem Rücken zur Kamera), einen hoch ambitionierten jungen Shogi-Neueinsteiger aus Norderstedt. Foto: Fabian Krahe

Das Spitzentrio nach fünf spannenden Runden: Sieger Thomas Heshe (in der Mitte) wird flankiert vom Zweitplatzierten Chungman Chan (li.) und Hamburgs Altmeister Masaomi Ishii (re.). Foto: Fabian Krahe

Das Spitzentrio nach fünf spannenden Runden: Sieger Thomas Heshe (in der Mitte) wird flankiert vom Zweitplatzierten Chungman Chan (li.) und Hamburgs Altmeister Masaomi Ishii (re.). Foto: Fabian Krahe

Bericht: “Tokugawa Ieyasu Shôgi Memorial 2016″

Der Geist der Geschichte über dem “Tokugawa Ieyasu Shôgi Memorial 2016″ in Hamburg: Thomas Heshe aus Dänemark gewinnt das Gedenkturnier für den großen Shôgun

renevsbudi_001Traditionsbewusste Japaner haben sich in diesem Jahr 2016, das bald zu Ende gehen wird, voller Respekt und Dankbarkeit erinnert an jenen Mann, der zu Beginn des 17. Jahrhunderts eine lange Epoche blutiger Bürgerkriege beendete und die fernöstliche Nation vereinigte: Tokugawa Ieyasu, der große Shôgun. Und da dieser geniale Stratege neben seinen vielfältigen und oft äußerst herausfordernden Staatsgeschäften dennoch Zeit und Muße fand, das zuvor allein von Liebhabern gepflegte Shôgi bereits 1612 in einen echten Profisport zu verwandeln, wurde jetzt anlässlich des Gedenkens an den 400. Todestag von Tokugawa Ieyasu dem berühmten Feldherrn am 4. Juni 2016 in Hamburg das “Tokugawa Ieyasu Shôgi Memorial 2016″ gewidmet.

2016-06-01 Tokugawa Shogi Memorial WebversionZur Eröffnung des ambitionierten Turniers, das mit freundlicher Unterstützung des Japanischen Generalkonsulats im Rahmen des “Japan Festivals 2016″ im Asien-Afrika-Instutut der Universität Hamburg realisiert wurde, verlas Initiator und Co-Organisator René Gralla eine Reihe von Grußworten, die ihm anlässlich des historischen Wettkampfes aus dem Reich des Tennô übermittelt worden waren. Darunter sogar die persönliche Botschaft eines direkten Nachfahren des fast schon mythischen Daimyo. “Einen erfolgreichen und wunderbaren Tag” wünschte Herr Tokugawa Iehiro, Sohn des derzeitigen 18. Oberhauptes des Hauses Tokugawa (mehr dazu hier). Dem schloss sich an Herr Katsuyuki Mizuno, derzeitiger Chef des Hauses Mizuno (weitere Einzelheiten hier). Schließlich hat die besagte Familie seit dem Aufstieg von Tokugawa Ieyasu an die Spitze des Staates enge Beziehungen unterhalten zum Klan des legendären Shôgun; so war keine Geringere als Lady Odai-no-kata, die Mutter des Tokugawa Ieyasu, eine Tochter des Samurai-Lords Mizuno Tadamasa.

Dank der Unterstützung von Frau Monika Mizuno Bereuter, die selber Angehörige des angesehenen Hauses Mizuno ist (li.), konnte Turnierinitiator René Gralla (re.) zur Eröffnung des Tokugawa Ieyasu-Shogi-Gedenkturniers eine Reihe von Grußworten verlesen, die prominente Persönlichkeiten der japanischen Gesellschaft - allen voran Herr Tokugawa Iehiro, Sohn des derzeitigen 18. Oberhauptes des Hauses Tokugawa - übermittelt hatten. Foto: Rolf Müller

Dank der Unterstützung von Frau Monika Mizuno Bereuter, die selber Angehörige des angesehenen Hauses Mizuno ist (li.), konnte Turnierinitiator René Gralla (re.) zur Eröffnung des Tokugawa Ieyasu-Shogi-Gedenkturniers eine Reihe von Grußworten verlesen, die prominente Persönlichkeiten der japanischen Gesellschaft – allen voran Herr Tokugawa Iehiro, Sohn des derzeitigen 18. Oberhauptes des Hauses Tokugawa – übermittelt hatten. Foto: Rolf Müller

Gewissermaßen im Geiste wandelnd auf den Spuren der stolzen Lady Odai-no-kata drückte ergänzend Frau Mizuno Kayoko, ihrerseits Tochter von Herrn Katsuyuki Mizuno, per Grußwort ihre Freude aus über diese Gedenkveranstaltung zu Ehren von Tokugawa Ieyasu “sogar im fernen Hamburg … in der Form dieses Shôgievents” (siehe auch hier).

Shôgi teaches History starring Shôgun Tokugawa Ieyasu & Family & Friends – wie übrigens auch der Hamburger Wolfgang Geise mit einem wenige Monate zuvor produzierten Shôgi-Clip schon demonstrierte (und zwar nach einem gemeinsam mit René Gralla entwickelten Konzept): Denn natürlich hat dann auch in dieser von Musik der J-Pop-Gruppe Shanadoo unterlegten und frei assoziierten Bilderfolge der Shôgun und Shôgi-Kenner Tokugawa Ieyasu mit einem kurzen Gastauftritt nicht fehlen dürfen (in einer Szene aus einem japanischen Leinwandopus, siehe den Clip bei 2:52 Minuten):

Last not least zeigte sich Herr Uchida Yasuhiro, der Bürgermeister von Okazaki – das ist der Geburtsort von Tokugawa Ieyasu -, in einer Message an die Turnierveranstalter dermaßen begeistert über das Memorial, dass er die Hamburger Shôgigruppe einlud zu einem Besuch in die geschichtsträchtige Stadt (siehe auch hier).

Und der große General wachte über allem: Turnierplakat mit einem Tokugawa Ieyasu zu Pferd (basierend auf einem Foto, das aufgenommen worden war während einer Reenactment-Parade mit Laiendarstellern im April 2013 in Okazaki, der Geburtsstadt des Shogun; Produktion des Plakats: Fabian Krahe) über den Pokalen, die vom Japanischen Generalkonsulat in Hamburg gestiftet worden waren für das "Tokugawa Ieyasu Shogi Memorial 2016". Foto: Rolf Müller

Und der große General wachte über allem: Turnierplakat mit einem Tokugawa Ieyasu zu Pferd (basierend auf einem Foto, das aufgenommen worden war während einer Reenactment-Parade mit Laiendarstellern im April 2013 in Okazaki, der Geburtsstadt des Shogun; Produktion des Plakats: Fabian Krahe) über den Pokalen, die vom Japanischen Generalkonsulat in Hamburg gestiftet worden waren für das “Tokugawa Ieyasu Shôgi Memorial 2016″. Foto: Rolf Müller

Souveräner Sieger des Turniers war Thomas Heshe. Der 49-jährigen Südskandinavier aus dem jütländischen Kolding, der hauptberuflicher Gymnasiallehrer ist  und der im Go den 3. Dan trägt, dominierte alle Gegner und holte in seinen Partien 100 Prozent der möglichen Punkte.

Den zweiten Platz belegte der 36-jährige Hamburger Konrad Dreier, 11 Kyu, zu dem der 24-jährige Düsseldorfer Julian Baldus (noch ohne Grad) sensationell aufschloss und sich auf den dritten Rang vorschob. Den Newcomerpreis räumte verdient die 25-jährige Düsseldorferin Michaela Baumgarth ab.

Überraschend der Absturz des für Lübeck antretenden Japaners Shinnosuke Katsumura, 4 Kyu, der noch vor Turnierbeginn als Geheimfavorit gehandelt wurde. Er musste sich dreimal geschlagen geben und überquerte als enttäuschender Elfter die Ziellinie. Und auch der erfahrene Wolfsburger Ingo Köhler, 6 Kyu, sowie der stets brandgefährliche Hamburger Sebastian Mellert, 6 Kyu, die beide ebenfalls bloß jeweils einen Punkt holten und abgeschlagen auf den Plätzen 12 und 13 landeten, blieben weit unter ihren Möglichkeiten.

Konzentrierte Spieler beim "Tokugawa Ieyasu Shôgi Memorial 2016"

Konzentrierte Spieler beim “Tokugawa Ieyasu Shôgi Memorial 2016″

Hingegen sorgte der Hamburger Schüler Niels Meinköhn für einen kleinen Knalleffekt: Der 14-jährige entschied die Jugendwertung für sich und ließ, obwohl selber noch ohne Grad, die nach der Buchform deutlich stärkeren Shinnosuke Katsumura, Ingo Köhler und Sebastian Mellert hinter sich.

Allerdings hatten die solcherart düpierten drei Kyu-Routiniers ausgesprochenes Pech, während Lucky Niels profitieren durfte von den manchmal überraschenden Paarungen, die das digitale Turnierprogramm vorgab: Dank Freilos kassierte Magic Meinköhn einen satten Zähler ein, und den zweiten Punkt knöpfte er seinem jüngeren Bruder Ian ab.

Das Leben und das Shôgi sind ohne Zweifel voller Überraschungen – zumal virtuelle Intelligenzen offenbar manchmal auch ihren eigenen Sinn für Humor haben …

René Gralla

Für Turnierleitung und Organisation waren Fabian Krahe und René Gralla verantwortlich.


Tokugawa Ieyasu Shôgi Memorial 2016 – Hamburg, Germany : 2016-06-04

Nr Name Nat Grade ELO 1 2 3 4 Pts +/-
1 Heshe Thomas DK 2 Kyu 1608 5+ 11+ 6+ 7+ 4 +16
2 Dreier Konrad DE 11 Kyu 947 7+ 14+ 12+ 8+ 4 +118
3 Baldus Julian DE 1080 10+ 17+ 9+ 16+ 4 +20
4 Baumgarth Michaela DE 860 17+ 15+ 10+ 9+ 4 +38
5 Dardour Bilal DE 4 Kyu 1363 1- 12+ 11+ 6+ 3 +31
6 Krahe Fabian DE 7 Kyu 1088 12+ 13+ 1- 5- 2 +54
7 Gralla René DE 8 Kyu 1097 2- 8+ 13+ 1- 2 +33
8 Wolff Martin DE 11 Kyu 928 14+ 7- 16+ 2- 2 +5
9 Woscidlo Jürgen DE 663* 0+ 16+ 3- 4- 2
10 Meinköhn Niels DE 616* 3- 0+ 4- 15+ 2
11 Katsumura Shinnosuke JP 4 Kyu 1379 13+ 1- 5- 12- 1 -23
12 Köhler Ingo DE 6 Kyu 1201 6- 5- 2- 11+ 1 +4
13 Mellert Sebastian DE 6 Kyu 1284 11- 6- 7- 14+ 1 -43
14 Müller Markus DE 15 Kyu 594 8- 2- 15+ 13- 1 +25
15 Meinköhn Ian DE 20 Kyu 170 16+ 4- 14- 10- 1 +103
16 Müller Rolf DE 16 Kyu 514 15- 9- 8- 3- 0 -15
17 Americo Adriano IT 1* 4- 3- 0- 0- 0

Promoting Dreier Konrad to 8 Kyu
Promoting Baldus Julian to 9 Kyu
Promoting Baumgarth Michaela to 11 Kyu
Promoting Gralla René to 7 Kyu
Promoting Wolff Martin to 10 Kyu
Promoting Müller Markus to 14 Kyu
Promoting Meinköhn Ian to 19 Kyu
Promoting Müller Rolf to 15 Kyu

Bericht: Janggi-Präsentation in der Zentralbibliothek

Janggi BrettAm 8. Oktober 2016 haben die Freunde der koreanischen Variante des Königlichen Spiels als Teil der Kulturveranstaltungen und Feierlichkeiten zu 570 Jahren “Hangeul”, das ist die koreanische Schrift, einen Janggi-Workshop in der Hamburger Zentralbibliothek angeboten. In Süd-Korea wird jährlich am 9. Oktober der Erfindung der koreanischen Schrift durch König Sejong (1397-1450) gedacht (in Nord-Korea dagegen bereits am 15. Januar). Eingebettet in ein facettenreiches Kulturprogramm – unter anderem rockte eine K-Pop-Band das Publikum! – erfreute sich der Workshop des regen Interesses zahlreicher Besucher und war deswegen ein voller Erfolg.

2016-10-08 Janggi Workshop 2Zwischen 13 und 18 Uhr standen René Gralla, Fabian Krahe, Jürgen Woscidlo, Wolfgang Reher und Hamburgs Jungstar Konrad-Leo Adler (der von seiner Mutter Dörte Adler begleitet wurde) für alle Interessierten bereit, um die Regeln des Janggi zu erklären und Testspiele durchzuführen. Besonders die Vorträge René Grallas über kulturelle Hintergründe und geschichtliche Entwicklung des Janggi trugen ihren Teil zum Gelingen der Veranstaltung bei.

Wir bedanken uns an dieser Stelle nochmals ganz herzlich bei Frau Okhoa Meyer von der Twer, die uns namens der Deutsch-Koreanischen Gesellschaft zur Teilnahme am Hangeul-Tag eingeladen hatte, sowie bei der Leitung der Hamburger Zentralbibliothek für die wunderbare Gelegenheit, das äußerst dynamische, in Deutschland bisher aber nur Insidern bekannte Janggi einer breiteren Öffentlichkeit vorzustellen.

Fabian Krahe

Bericht Hina-matsuri 2016

Liebe Shôgi-Freunde,

auch 2016 haben wir Hamburger Shôgi-Spieler wieder auf dem Hina-matsuri im Hamburger Völkerkundemuseum Shôgi präsentiert.

Foto: Rolf Müller

Foto: Rolf Müller

Das Hina-matsuri wird jedes Jahr am 3. März begangen. Bei diesem aus der Edo-Zeit (1600-1868) stammenden Brauch werden Puppen, die den klassischen japanischen Hofstaat darstellen, auf ein mehrstufiges Podest gestellt. Dieser Brauch soll vor Gefahren schützen.

7-reihiges Hina-Puppenset

7-reihiges Hina-Puppenset. Foto: Monika Mizuno Bereuter

Wie auch in den vorigen Jahren haben wir einen Stand vor dem Maori Haus bespielt. Viele Menschen aus der Hamburger Metropolregion haben sich Zeit genommen und sich die Regeln unseres japanischen Lieblingsspiels erklären lassen. Neben kleinen und großen neuen Talenten haben wir uns auch über alte Bekannte gefreut, die gerne wieder einmal die Gelegenheit zum spielen nutzten, zusammen mit dem wirklich tollen Kulturprogramm, dass das Völkerkundemuseum und das japanische Konsulat zu bieten hatten.

Foto: Rolf Müller

Foto: Rolf Müller

Besonderer Dank gilt dieses Jahr wieder René Gralla, der sich der Organisation für unsere Gruppe angenommen hat. Monika Mizuno Bereuter, die sich unermüdlich für die deutsch-japanische Freundschaft einsetzt, hat diesmal nicht nur bei unserem Shôgistand geholfen, sondern auch den Kulturverein “Deutsch-Japanisches Forum Elbe e.V.”, dessen Vorsitzende sie ist, präsentiert.

2016-Hina-matsuri 001Jürgen Woscidlo, Masaomi Ishii, Uwe Frischmuth, Wolfgang Reher, Konrad-Leo Adler, Markus Müller, Sebastian Mellert, Fabian Krahe und viele andere haben Zeit und Mühe investiert um diesen Tag zu einem Erfolg zu machen.

Fabian Krahe

Foto: Rolf Müller

Foto: Rolf Müller

Foto von Monika Mizuno Bereuter

Foto von Monika Mizuno Bereuter

Bericht vom 1. Lübecker Shôgi-Turnier

Das ewige Duell Lübeck vs. Hamburg:
Wenigstens in Sachen Shôgi hat die einstige Hauptstadt der Hanse jetzt aufgeholt – mit dem ersten Turnier im Japanschach an der Trave

Hamburg versus Lübeck, das ist wie Köln gegen Düsseldorf oder Liverpool contra Manchester, die betreffenden Städte sind einander in herzlicher Rivalität verbunden. Und während Hamburg auf dem Fußballsektor noch ein bisschen die Nase vorn hat – auch wenn das angesichts der Dauerkrise beim HSV nicht für alle Zeiten festgeschrieben sein dürfte – , so hat Lübeck immerhin in Sachen Shôgi (!) dieser Tage deutlich aufgeholt (und das hat letzlich auch wieder etwas mit Fußball zu tun, schließlich wird das Kicken in der Fachliteratur gern als Rasen-Schach definiert, und Shôgi ist schließlich auch Schach, eben bloß Nippon-style).

Inzwischen hat sich nämlich dank der Initiative von Ritsuko und Rolf Müller (und With a little help from the Shôgi-friends of Hamburg!) in der Trave-Metropole ein Kreis aus Aktivisten formiert, die das spannende Spiel der Samurai pflegen. Mit einem ersten Highlight jetzt am 27. Februar 2016, als Lübeck zum Gastgeber wurde für das erste Shôgi-Turnier in den Mauern der einstigen Kapitale des Kaufmannsbundes Hanse.

Hamburger Duell auf Lübecker Boden: In der ersten Runde treffen Martin Wolff (li.) und René Gralla (re.) aufeinander. Foto: R+R Müller

Hamburger Duell auf Lübecker Boden: In der ersten Runde treffen Martin Wolff (li.) und René Gralla (re.) aufeinander. Foto: R+R Müller

Zwölf Teilnehmer aus fünf Städten belauerten sich, blufften und attackierten am letzten Sonnabend vor dem Frühlingsmonat März im traditionsreichen Gymnasium Katharineum (wurde bereits 1531 gegründet), und fast hätte es dabei einen Lübecker Doppelsieg gegeben. Denn Markus Müller, der neunjährige Filius des deutsch-japanischen Ehepaares vom Orga-Team, gewann die U-10-Sonderwertung, während Shinnosuke Katsumura, der aktuell für Lübeck spielt, denkbar knapp den ersten Platz verfehlte. Nach Durchlauf der fünf Runden des eintägigen Wettkampfes lag der 26-jährige Musikstudent aus Kyoto gleichauf mit dem Berliner Daniel Többens. Quasi ein Photo Finish, und bloß ein mickriger Extrapunkt in der Feinwertung gab den Ausschlag, dass schließlich doch der Routinier Többens den heiß umkämpften Pokal mit nach Hause nahm.

Das letzte Quentchen Glück fehlte für den finalen Triumph: Shinnosuke Katsumura (li.), der frisch gebackene Vize-Champ von Lübeck, neben Bronze-Gewinner Wolfgang Reher (re.) aus Bad Segeberg. Foto: R+R Müller

Das letzte Quentchen Glück fehlte für den finalen Triumph: Shinnosuke Katsumura (li.), der frisch gebackene Vize-Champ von Lübeck, neben Bronze-Gewinner Wolfgang Reher (re.) aus Bad Segeberg. Foto: R+R Müller

Knallhart und ohne Kompromisse punktete Wolfgang Reher aus Bad Segeberg. Der Nonkonformist mit wallender Silbermähne bewies, dass sein sensationeller Durchmarsch beim 2. Hamburger Kyu-Cup Anfang November 2015 kein Zufall gewesen war; der 58-jährige komplettierte das Spitzentrio aus Daniel Többens und Shinnosuke Katsumura und musste sich allein wegen minimal schlechterer Wertung in der Schlussbilanz mit dem dritten Rang begnügen.

WE ARE FAMILY: Die Teilnehmer des ersten Shôgi-Wettkampfes in Lübeck vor dem Turnierort Katharineum. Foto: R+R Müller

WE ARE FAMILY: Die Teilnehmer des ersten Shôgi-Wettkampfes in Lübeck vor dem Turnierort Katharineum. Foto: R+R Müller

Wertvollen technischen Support leistete Daniel Többens, der die Paarungen zusammenstellte und auswertete. Nach Hamburg ist Lübeck jetzt die zweite Shôgi-Metropole im Norden der Republik, und die Veranstalter Ritsuko und Rolf Müller denken schon über die nächste Aktion nach: einen Shôgi-Workshop im Sommer.

Hamburg rules?! Lübeck will rule …. in the near future?! Who knows?! Shôgi ist immer für Überraschungen gut!

René Gralla

DIE ABSCHLUSSTABELLE

Nr. Name Vorname Nat. 1 Grade Elo 1 2 3 4 5 Points SOS ELO+/-
1 Többens, Daniel DE 1 Kyu 1617 7+ 3+ 4+ 6+ 2- 4 16 –5
2 Katsumura, Shinnosuke JP 7 Kyu 1203 3- 5+ 8+ 4+ 1+ 4 16 +110
3 Reher, Wolfgang DE 4 Kyu 1463 2+ 1- 9+ 7+ 6+ 4 15 +20
4 Gralla, René DE 9 Kyu 955 5+ 8+ 1- 2- 9+ 3 15 +95
5 Wolff, Martin DE 12 Kyu 858 4- 2- 12+ 10+ 8+ 3 11 +70
6 Ishii, Masaomi JP 15 Kyu 574 12+ 10+ 11+ 1- 3- 3 11 +74
7 Mellert, Sebastian DE 6 Kyu 1300 1- 9- 10+ 3- 11+ 2 13 –16
8 Krahe, Fabian DE 8 Kyu 1101 9+ 4- 2- 12+ 5- 2 12 –13
9 Köhler, Ingo DE 6 Kyu 1191 8- 7+ 3- 11+ 4- 2 12 –11
10 Müller, Markus DE 16 Kyu 556 11+ 6- 7- 5- 12+ 2 9 +38
11 Imai, Shota JP 18 Kyu 229 10- 12+ 6- 9- 7- 1 9 +99
12 Müller, Rolf DE 16 Kyu 545 6- 11- 5- 8- 10- 0 11 –31

Promoting Katsumura Shinnosuke to 6 Kyu
Promoting Gralla René to 8 Kyu
Promoting Wolff Martin to 11 Kyu
Promoting Ishii Masaomi to 14 Kyu
Promoting Krahe Fabian to 7 Kyu
Promoting Müller Markus to 15 Kyu
Promoting Imai Shota to 18 Kyu