Mit ein wenig göttlichem Beistand ein besserer Shôgispieler werden

Von Fabian Krahe

Tabletopspieler wissen es schon lange: Nur wer die Würfelgötter nicht erzürnt, wird am Ende siegreich aus einer Schlacht hervorgehen. Aber an wen wenden sich wir Shôgispieler? Wir können natürlich die schöne Caïssa anrufen, die Göttin des Schachs und um ihre Gunst bitten. Oder wir erbitten uns direkt Beistand im Land der Götter.

Caïssa, die Göttin des Schachs in einem Gemälde von Domenico Maria Fratta (1696-1763)

Wer einmal zu Gast ist im Land der aufgehenden Sonne und sich in Tokyo aufhält, sollte unbedingt den in Sendagaya gelegenen Hatonomori-hachiman-jinja 鳩森八幡神社 besuchen. Der Schrein wurde 860 n.Chr. errichtet. In ihm werden der mythische Ôjin Tennô 応神天皇 (200-310; 15. Tennô 270-310) und dessen Mutter Jingû-kôgô 神功皇后 (ca. 169-269), die nach dem Tod ihres Mannes der Legende nach allein über Japan herrschte, verehrt. Der Schrein hat zahlreiche Zweigschreine im ganzen Land. 1976 wurde in der Nähe des Schreins das Shôgikaikan 将棋会館, der Sitz des Nihon Shôgi Renmei errichtet. In der Folge besuchten viele Shôgispieler regelmäßig den Schrein. 1986 wurde auf dem Schreingelände das Shôgi-do 将棋堂 erbaut, in dem ein großer Shôgistein mit einer Höhe von 1,20 m steht, der von Ôyama Yasuharu 大山康晴, dem 15. Meijin auf Lebenszeit und damaligen Vorsitzenden des Nihon Shôgi Renmei gestiftet wurde.

Shôgi-do 将棋堂 (Foto: Thirteen-fri via wikimedia)
Ôgoma 大駒 im Shôgi-do 将棋堂 via Twitter 鳩森八幡神社@hatonomori8man https://twitter.com/hatonomori8man/status/1252756345633169408

Der Ôgoma verbleibt traditionell hinter der geschlossenen Tür des Shôgi-do. Nur einmal im Jahr, am 5. Januar, wird er für drei Stunden der Öffentlichkeit präsentiert. Zu diesem jährlichen Gebetsfest 祈願祭 kommen hohe Repräsentanten des Shôgi, sowie ausgewählte Shôgispieler und beten für die Entwicklung des Shôgi. Anschließend wird in einem speziellen Raum Shôgi gespielt.

In den letzten Jahren hat das Interesse am Shôgi-do zugenommen, vor allem, weil dort Filme wie „Satoshi no Seishun“ und „Sangatsu no Lion“ gedreht wurden. Viele kommen auch, um am Schrein ein Shôgi-o-mamori 御守り zu erwerben. Diese Schutzzeichen sollen dabei helfen das Spiel zu verbessern. O-mamori wirken ein Jahr lang, dann müssen sie erneut gekauft werden und helfen so den Schreinen und Tempeln regelmäßige jährliche Einnahmen zu generieren.

Das Shôgi-dô in Sendagaya ist nur einer von mehreren Pilgerstätten in Japan für Shôgifans. So wird zum Beispiel jedes Jahr am Fuße des Tsûtenkaku in Ôsaka eine Shintôzeremonie zu Ehren Sakata Sankichis 阪田三吉 abgehalten und die Stadt Tendô 天童市 ist nicht nur für ihre Produktion von Shôgisteinen bekannt, sondern auch für ihr jährliches Ningen-Shôgi.

Shôgi-o-mamori 御守り via いつつ -Blog https://www.i-tsu-tsu.co.jp/blog/hatonomorihatimanshrine/
Ôyama Yasuharu (1923-1992), 15. Meijin auf Lebenszeit nachdem er seinen ersten Meijintitel 1952 gewann.

Der Schrein wird auch in diesem kleinen Video über die Profispielerin Kagawa Manao 香川愛生 gezeigt. Ab Min. 2:43, engl. Untertitel sind verfügbar. Kagawa Manaos YouTube-Channel.

Erstmals Spielaufzeichnung via künstlicher Intelligenz

Von Fabian Krahe

Zum ersten Mal wurden am 16. Mai 2020 zwölf offizielle Partien nicht von einem Menschen protokolliert, sondern von einem Computerprogramm: Das “Ricoh-Shôgi-AI-Aufzeichnungssystem” リコー将棋AI棋譜記録システム zeichnet die Partie auf, indem es mithilfe einer Kamera an der Decke die Züge registriert und automatisch ein Kifu erstellt. Nach einer längeren Testphase wurde das System jetzt erstmals beim Frauen-Ôza-Turnier eingesetzt, welches von Ricoh gesponsert wird; dem Unternehmen, das diese Technik entwickelt hat. Der Nihon Shôgi Renmei reagiert damit zum einen auf einen Mangel an Protokollführern, die aus den Mitgliedern der Shoreikai kommen und kaum mehr ausreichen, um die mittlerweile über 3000 offiziellen Spiele pro Jahr zu protokollieren. Zum anderen hofft der Verband, dadurch auch das Risiko einer Verbreitung des Coronavirus zu vermindern. Ein Video hier.

Der technische Fortschritt macht vor Shôgi auch nicht halt und wir werden den Einsatz von künstlichen Aufzeichnungssystemen in Zukunf sicherlich häufiger sehen.

Quellen:

  1. “将棋界で「AI記録係」デビュー係務める奨励会員が減り導入3密回避に有効”, Mainichi Shinbun, 16.05.2020. Online: https://mainichi.jp/articles/20200516/k00/00m/040/082000c
  2. “将棋の棋譜もAIで 人手不足解消や感染予防も”, NHK, 16.05.2020. Online: https://www3.nhk.or.jp/news/html/20200516/k10012433011000.html
  3. 「リコー将棋AI棋譜記録システム」が第10期リコー杯女流王座戦一次予選で本稼働 ~棋譜の記録を無人化し、新型コロナの感染リスク低減にも貢献~, Nihon Shôgi Renmei, 18.05.2020. Online: https://www.shogi.or.jp/news/2020/05/ai10.html

Updated: 19.05.2020

Das Buch zum Blog!

Den Blog “Shôgi Hamburg” gibt es jetzt auch analog. Das Buch mit allen Beiträgen zum Shôgi aus den Jahren 2013-2019 kann jetzt über den Buchhandel bestellt werden.

Shôgi hat in Hamburg eine interessante Entwicklung hinter sich und gezeigt, dass es ein großartiger Kulturvermittler sein kann. Mit diesem Buch wird dies dauerhaft und unabhängig vom Internet dokumentiert.

Shôgi ist die japanische Variante des Schachs. Seit 2013 besteht in Hamburg eine Gruppe von passionierten Japanschachspielern, die regelmäßig Aktionen und Turniere durchführen.
Dieser Sammelband vereint Turnier- und Veranstaltungsberichte dieser Hamburger Gruppe aus den Jahren 2013 bis 2019, die auf dem Blog “Shôgi Hamburg” erschienen sind.
Dazu enthält der Band vier kurze Essays zur Geschichte und Kultur des Shôgi.

Mit Beiträgen von:
Uwe Frischmuth
René Gralla
Fabian Krahe
Jürgen Woscidlo

Fabian Krahe (Hrsg.): Shôgi Hamburg. Beiträge aus den Jahren 2013 bis 2019. Norderstedt: Books on Demand 2020. 108 Seiten. 15,00 Euro. ISBN-13: 9783751920216.

Das Buch habe ich über Books on Demand in Norderstedt veröffentlicht. D.h. es wird erst nach Bestelleingang gedruckt und die Lieferzeit beträgt dementsprechend vier bis fünf Tage. Das Buch kann direkt über den Buchshop von BoD oder über den stationären Buchhandel bestellt werden. Im BoD Buchshop können auch das Inhaltsverzeichnis und die ersten Seiten eingesehen werden. Bei anderen Internetbuchhändlern wie Amazon oder buecher.de ist das Buch ebenso erhältlich. Die Lieferzeit beträgt etwa 6-10 Tage, auch im stationären Buchhandel, da das Buch erst bei Bestellung gedruckt wird.

Der bekannte Komiker Shimura Ken 志村 けん ist verstorben

Shimura Ken 志村 けん ist leider am vergangenen Sonntag, den 29. März 2020 an Covid-19 verstorben. Er ist durch sein Mitwirken in der Comedy-Gruppe The Drifters ザ・ドリフターズ in den siebzieger Jahren bekannt geworden. Seine bekannteste Figur war Henna Ojisan 変なおじさん (komischer Onkel). Während seiner Karriere hat er uns auch lustige Shôgi-Sketche geschenkt:

Und für alle, die Schwierigkeiten mit der Sprache haben, gibt es hier noch eine kleine Sprachlektion von Shimura Ken:

Shôgi in Manga und Anime

Von Fabian Krahe

Manga und Anime sind derzeit wohl das wichtigste kulturelle Exportprodukt Japans. Seit den 90er Jahren sind sie auch bei uns in Deutschland wirklich heimisch geworden. Für den Erfolg ist sicherlich auch das „Erwachsen werden“ des Anime – besonders durch Hideaki Annos „Neon Genesis Evangelion“, wobei am Ende von Folge 14 auch kurz Shôgi geübt wird – in diesem Jahrzehnt mit verantwortlich. Wichtige Meilensteine sind auch einem breiteren Publikum bekannt, die sonst keine Anime schauen, wie z.B. Akira (1991), Ghost in the Shell (1997) oder die Produktionen von Studio Ghibli. Mit für den Erfolg waren auch Serien verantwortlich, die ab Anfang der 2000er Jahre im deutschen Fernsehen liefen, wie Sailor Moon, Dragonball und Pokémon. Anders sieht es bei Manga aus. Während viele Jugendliche und junge Erwachsene Mangas lesen, haben sie in der popkulturellen Rezeption in Deutschland bisher doch eher wenig Aufmerksamkeit erfahren. Aber immerhin kommen so mehr Menschen in der Bundesrepublik mit japanischer Literatur in Kontakt, wurden und werden doch in Deutschland kaum Bücher japanischer Schriftsteller verlegt. Abgesehen natürlich von Murakami Haruki (村上春樹), der vielen doch auch erst durch einen „Skandal“ beim Literarischen Quartett bekannt geworden ist. Wobei der Skandal vor allem die betrübliche Übersetzungspraxis japanischer Bücher beleuchtet hat. Murakami mag einem großen Leserkreis auch in Deutschland haben, doch schon bei Kawabata Yasunari (川端康成), Mishima Yukio (三島由紀夫), Natsume Sôseki (夏目漱石) oder gar Endô Shûsaku (遠藤周作) wird man doch nur fragendes Kopfschütteln ernten.

Doch nun genug der deutschen Kulturignoranz. In Japan sind Manga allgegenwärtig. Hat ein Manga Erfolg, wird er fast immer auch schnell als Anime umgesetzt. Der Manga in seiner heutigen Form ist besonders durch Tezuka Ôsamu (手塚治虫), dem „Manga no Kami-sama“ (漫画の神様, Gott des Manga), geprägt worden, der in Deutschland allerdings kaum bekannt ist. Manga werden i.d.R. nach ihrer demographischen Zielgruppe kategorisiert, wobei die wohl wichtigste Kategorie der Shônen-Manga ist, der sich an junge, männliche Leser richtet. Zu dieser Kategorie zählen zum Beispiel die national und international bisher erfolgreichsten Manga One Piece und Dragon Ball. Auch wenn Fantasyformate am erfolgreichsten sind, erscheinen Manga zu allerlei möglichen Themen, von Kochen bis Sexualaufklärung.

Hikaru no Go

Auch Shôgi hat seinen großen auf Auftritt in kleinen Bildern, nur seinen Weg nach Deutschland haben sie bisher nicht gefunden. Immerhin hat der Manga „Hikaru no Gô“ (ヒカルの碁) seinen Weg in deutsche Buchhandlungen gefunden; was sicherlich auch daran liegt, dass Gô in Deutschland bekannter ist und mehr gespielt wird als Shôgi. Der Manga selbst ist auch eine Folge des langsamen Niedergangs des Gô in Japan in den 70er und 80er Jahren. Zu dieser Zeit galt Gô als das Spiel alter Männer und konnte daher nur wenige Kinder und Jugendliche begeistern. Es fehlte der Nachwuchs und Südkorea nahm Japan mittlerweile den Rang der führenden Gô-Nation ab. Mit dem Manga, einem Medium, dass der Nachwuchs kannte und liebte, sollten also neue Spieler gewonnen werden. So erhielt der Manga auch durch Umezawa Yukari 5-Dan (梅沢由香里) eine professionelle Unterstützung. Auch in Deutschland wurde der Manga zur Rekrutierung des Nachwuchses eingesetzt. Aus gleichem Grund sind auch Shôgimangas entstanden, um die Jugend für die schönste aller Schachvarianten zu begeistern. Die Geschichte von Hikaru no Gô dreht sich um den 12-jährigen Shinda Hikaru, der auf dem Dachboden seines Großvaters ein Gô-Brett findet, in dem der Geist Fujiwara no Sai wohnt. Mit dessen Hilfe taucht Hikaru immer  weiter in die Welt des Gôs ein. In Folge vier bzw. Sammelband 7 begegnen wir mit Kaga Tetsuo auch einem starken Shôgispieler und Präsident des Shôgiclubs der Haze Mittelschule. Er war früher Gô-Spieler, hat das Spiel jedoch aufgegeben, weil es ihm zu langeweilig wurde. Ab und zu spielt er noch Gô und schneidet bei Turnieren gut ab, da er immer noch ein guter Spieler ist. Die Serie erschien von 1999 bis 2003 in Shûkan Shônen Jump und ist mit 23 Sammelbänden abgeschlossen. Von 2001 bis 2003 strahlte TV Tokyo eine Anime Adaption mit insgesamt 75 folgen aus.

Die japanische Wikipedia hat eine eigene Kategorie mit Shôgi Manga, die immerhin 27 Einträge umfasst. Allerdings ist diese Liste weder vollständig, noch befassen sich alle dort aufgeführten Manga monothematisch mit Shôgi. Von diesen aufgezählten Manga sind lediglich eine Handvoll auch außerhalb Japans bekannt. Eine weitere gute Auflistung gibt es hier (japanisch). Im folgenden möchte ich nun auch international bekannte Manga vorstellen, in denen Shôgi vorkommt.

Sangatsu_no_Lion

Der bekannteste dürfte sicherlich „Sangatsu no Lion“ (3月のライオン‎) sein, der 2017 als Live-Action Film verfilmte wurde. Die Mangareihe von Umino Chika (羽海野チカ) erscheint seit 2007 im Magazin Young Animal und umfasst derzeit 15 Tankôbon Bände. Protagonist ist Kiriyama Rei, ein 17-jähriger Profispieler, dessen Familie bei einem Autounfall ums Leben gekommen ist, als er noch klein war. Der Manga erzählt von seinen Problemen mit seiner Adoptivfamilie, seinen Freunden und dem täglichen Leben als Profispieler. Eine englisch-, oder gar deutschsprachige Veröffentlichung steht leider noch immer aus, nicht aber eine französischsprachige, die von 2017 bis 2019 im belgischen Verlag Kana erschienen ist.

Neben Sangatsu no Lion sticht der Manga „81 Diver“ (ハチワンダイバー) von Shibata Yokusaru (柴田ヨクサル) heraus, der von 2006 bis 2014 im Magazin Shûkan Young Jump erschien. Die 33 Sammelbände das Manga sind in Zusammenarbeit mit Suzuki Daisuke 9-Dan (鈴木大介), der übrigens zu den wichtigsten Furibisha Experten gezählt wird, erschienen. Die Reihe folgt dem Protagonisten Sugata Kentarô, dem es nicht gelingt Profispieler zu werden und sich fortan als Shinkenshi über Wasser hält. 81diver_volume_1Nachdem er 183 Siege in Folge erspielen konnte, wird er von eine mysteriösen weiblichen Shinkenshi besiegt. Er wird Reinigungskraft in einem Maidcafé und Lehrling der Shôgspielerin, die ihn besiegt hat. 2008 wurde der Manga als Fernseh-Dorama mit insgesamt 11 Folgen von Fuji-TV adaptiert. Ein deutscher Release von Manga und Dorama ist bisher nicht erfolgt, und damit ist auch nicht mehr zu rechnen. Auch eine englischsprachige Ausgabe gibt es nicht, allerdings tauchen immer Mal wieder die Dorama Folgen mit Untertiteln, die von Dorama Fans erstellt wurden, im Internet auf.

Dontt cry Zeffiro totaal

Auf Englisch ist immerhin in zwei Bänden der Manga „Don’t Cry Zeffiro“ (笑え、ゼッフィーロ) von Yanagiha Akira (柳葉あきら) erschienen, den er ab 2008 für das mittlerweile eingestellte Magazin Shûkan Shôgi schrieb. Die Übersetzung erledigte der allseits bekannte Shôgipromoter Kawasaki „Hidetchi“ Tomohide und erschien bei Nekomado. Asukada ist das letzte verbliebene Mitglied seines Oberschuleshôgiclubs. Da er jedoch mindestens fünf Mitglieder braucht, um als Club an der Schule fortzubestehen, macht sich Asukada auf neue Mitglieder zu werben und schließlich mit dem Club an Wettkämpfen teilzunehmen. Der Manga erzählt damit eine klassische Clubgeschichte.

Shion_no_Ō_manga_volume_one

Leider auch nicht auf Deutsch oder Englisch, dafür aber auf Französisch (Kings of Shogi), ist der Manga „Shion no Ô“ (しおんの王) von Hayashiba Naoko (林葉直子), hier unter dem Namen Katori Masaru, und Andô Jirô (安藤慈朗) in 8 Sammelbänden erschienen. Die Reihe erschien von 2004 bis 2008 im Magazin Monthly Afternoon und ist mit 22 Folgen von 2007 bis 2008 von Fuji TV adaptiert worden. Der Manga fällt in das Genre Mysterie Thriller. Die Protagonistin Yasuoka Shion wird als Kind Zeuge des Mordes an ihren Eltern. Der Mörder nimmt den König aus dem Shôgiset ihres Vaters, daher glaubt sie, dass er ein Shôgispieler ist. Der Schock des Mordes führt dazu, dass Shion verstummt und fortan über ein Schreibpad kommuniziert. Aus Liebe zum Spiel und um den Mörder ihrer Eltern zu finden, beginnt sie selbst, das Shôgi zu meistern.

Ein wenig heraus fällt in dieser Auflistung „The Ryuo’s Work is Never Done!“ („りゅうおうのおしごと!“). The Ryuo’s Work is Never Done! ist eine Light Novel Reihe von Shiratori Shirô (白鳥士郎). Seit 2015 sind 11 Bände erschienen, außerdem ist die Serie mit vier Bänden als Manga und mit 12 Folgen als Anime adaptiert worden. Eine englische Übersetzung der Light Novel ist bei Book Walker als E-Book erschienen und nur über dessen Webseite erhältlich. Im Mittelpunkt der Handlung steht der 16 Jahre alte Kuzuryû Yaichi, der als Profispieler bereits den Titel des Ryû-ô gewonnen hat. Er nimmt die neun Jahre alte Hinatsuru Ai als seinen Lehrling an und die Romane folgen ihrem Weg in der Shôgi Welt. Die Reihe hat starke Lolicon und Yandere Elemente und ist daher mit Vorsicht zu genießen. Ich kann es nicht empfehlen.

NarutoCoverTankobon1

Als wichtiges japanisches Kulturgut taucht Shôgi auch in Mangas auf, die ein ganz anderes Thema haben. Am bekanntesten ist hier sicherlich der Manga Naruto (NARUTO -ナルト-), der zu den Erfolgreichsten überhaupt gehört. Der Manga spielt in einer Fantasywelt, in Ninja eine wichtige Rolle spielen. Der Protagonist Uzumaki Naruto hat sich als Ziel gesetzt der oberste Ninja seines Dorfes zu werden. Shôgi wird vor allem von dem Charakter Nara Shikamaru gespielt. Dieser ist äußerst intelligent, was durch das Shôgi spielen nochmals besonders betont werden soll. Durch seine Intelligenz kann er komplexe Situationen in kürzester Zeit durchdenken, dafür stellt er sie sich als Shôgipartien vor. Der Manga erschien von 1999 bis 2014 im Magazin Shônen Jump und umfasst als 72 Sammelbände. Die Anime Adaption erschien in zwei Serien mit insgesamt 720 Folgen. Siehe auch hier zu Shôgi bei Naruto. Durch Naruto hat auch Karolina Styczyńska, die erste nicht-japanische Profispielerin zum Shôgi gefunden.

Conan-Shogi web

Ein anderer in Deutschland wohl bekannter Manga, in dem Shôgi doch hin und wieder auftaucht ist Detektiv Conan (名探偵コナン). Die Krimireihe von Aoyama Gôshô (青山剛昌) läuft bereits seit 1994 im Magazin Shônen Sunday und bringt es damit auf bisher 96 Sammelbände. Die seit 1996 ununterbrochen auf Nippon TV laufende Anime Adaption hat mittlerweile auch mehr als 950 Folgen. In Fall 27, der aus den Kapiteln 99, 100 und 101 (Sammelband 10 & 11) besteht und im Anime in Folge 47 umgesetzt wurde, benutzt das Mordopfer Ôyama Masashi ein Feuerzeug und eine Tischdecke, um kurz vor seinem Tod eine Shôgibrett darzustellen und so auf seinen Mörder hinzuweisen. Der Hinweis funktioniert in der deutschen Übersetzung allerdings nicht, da er auf den Namenskanji der Verdächtigen und den Kanji der Shôgisteine basiert. Außerdem erfahren wir, dass man mit Shôgi auch andere Nachrichten übermitteln kann (s.l.). Ab Fall 244 (Kapitel 847, 848 und 849 in Sammelband 80; Folge 731 und 732 des Anime) wird der Shôgiprofi Haneda Shûkichi als (Ex-)Freund der Polizistin Miyamoto Yumi ein wiederkehrender Charakter. Shûkichi hat sich als Ziel gesetzt alle sieben Titel zu gewinnen. Als hervorragender Shôgispieler verfügt er über eine gute Kombinationsgabe und benutzt bei seinen Schlussfolgerungen Analogien zum Shôgi.

Wir sehen also bereits an diesen wenigen Beispielen, dass es eine ähnlich breite Verarbeitung des Shôgithemas in japanischen Manga und Anime, wie im japanischen Film gibt. Die Anzahl der Shôgithema Manga ist allerdings deutlich höher, als die von Anime oder gar von Filmen.

Gegenüber dem westlichen Kulturraum zeigt sich dann allerdings doch, wie stark bestimmend Manga in der japanischen Kultur ist, den vergleichbare Comicbücher mit Schachthematik gibt es in westlichen Kulturraum nicht. Es lassen sich einige Einzelwerke finden, wie eine Graphic Novel Adaption der Schachnovelle oder „The Incredible Adventures of Chessman“ von Großmeister John Watson, das 1975 bei The Chess House erschien. In amerikanischen Comicbüchern taucht Schach auch häufig in einzelnen Geschichten auf. Eine Übersicht findet sich hier. Daneben gibt es auch eine Vielzahl an Cartoons und Comicstrips. Große Comicbuchreihen mit Schachspielern als Protagonisten und von deren Liebe zum königlichen Spiel lassen sich allerdings nicht finden.

Schach und Shôgi im Film

Von Fabian Krahe

Schach spielt in Literatur und Film immer Mal wieder eine prominente Rolle. Und bevor ich einen kleinen Blick nach Japan werfe, möchte ich erstmal Schach im westlichen Kulturraum betrachten Das bekannteste Beispiel ist im deutschsprachigen Raum sicherlich Stefan Zweigs „Schachnovelle“, in der Zweig Schach als Metapher für den Kampf zwischen dem europäischen Kulturmenschen und dem Nationalsozialismus benutzte. Die Erzählung entstand zwischen 1938 und 1941 im Exil, in das der Pazifist 1934 aus Österreich vor den Austrofaschisten flüchtete. Dem Symbolismus der Geschichte opferte Zweig allerdings die Realität des Schachspiels, von dem er ohnehin kaum eine Ahnung hatte, so dass sich zusätzlich noch einige sachliche Fehler einschlichen. Dass so das Schachspiel auch wenig gut wegkommt, mag wenig verwundern. Siehe auch: Johannes Fischer: Ein symbolischer Rückzug. Kritische Anmerkungen zu Stefan Zweig, in: Karl Online. 20.04.2002.https://karlonline.org/kol03. 1960 verfilmte Gerd Oswald den Stoff mit Curd Jürgens und Mario Adorf in den Hauptrollen fürs deutsche Kino.

Auf die große Leinwand kam das Schach allerdings schon 1925 in Russland mit dem Film „Шахматная горячка“ (Schachfieber), der die große russische Schachbegeisterung der zwanziger Jahre satirisch kommentierte.

Der Film inspirierte auch Vladimir Nabokov zu seinem bekannten Roman „Защита Лужина“ (Lushins Verteidigung), in dem der Protagonist, dem Schach verfallen, sich am Ende (womöglich) das Leben nimmt, in dem er aus dem Badefenster springt. Marleen Gorris verfilmte den Roman schließlich 2000 mit John Turturro und Emily Watson in den Hauptrollen.

2014 wurde das Biopic “Pawn Sacrifice” (Bauernopfer – Spiel der Könige) von Edward Zick mit Tobey Maguire als Bobby Fischer zwar von Kritikern durchaus wohlwollend aufgenommen, war jedoch mit einem Einspielergebnis von 5,6 Millionen eine Box Office Bomb. Der Film schildert das Leben des großen amerikanischen Schachspielers Bobby Fischer und lässt die Handlung im „Match des Jahrhunderts“ zwischen Fischer und Boris Spasski kulminieren. Wie schon in Zweigs „Schachnovelle“ weißt das Schach hier weit über sich hinaus, wird das Spiel zum Kampf der Systeme. Fischer und Spasski sind bloß Bauern im Wettstreit von Kapitalismus und Kommunismus; die Könige sind Nixon und Breschnew.

Es ist bemerkenswert, dass in allen diesen Filmen – und es lassen sich leicht noch weitere Beispiele anführen – Schach als Obsession, gar als eine Art von Wahn dargestellt wird. Die Protagonisten sind ihm verfallen und immer fordert er, der Schachwahn, seinen psychischen, zuweilen auch physischen Tribut. Selbst in „2001 – A Space Odyssey“ nutzte der schachbegeisterte Stanley Kubrick das königliche Spiel, um zu zeigen, dass die KI HAL 9000 langsam ihren Verstand(?) verliert.

Anders ist es oft, wenn Schach der Charakterisierung einer Person dient und nicht das Hauptthema eines Filmes ausmacht. Schach dient dann oft dazu die Intelligenz, Intellektualität oder die Willensstärke eines Protagonisten herauszustreichen. Sei es in Harry Potter und der Stein der Weisen, Independence Day oder X-Men.



Und last but not least konnten wir die Erotik des königlichen Spiels in Filmen wie „The Thomas Crown Affair“ (Die Thomas Crown Affäre) von 1968 oder „Joueuse“ (Die Schachspielerin) von 2009 erleben.


So wie das Schach im westlichen Kulturraum, spielt Shôgi in Japan im Film eine ähnliche Rolle. Die japanische Wikipedia listet tatsächlich neun Filme zum Thema Shôgi auf.
Das erste Mal ist mir Shôgi in dem Film „聯合艦隊司令長官 山本五十六 -太平洋戦争70年目の真実-„ (Titel in Deutschland: Der Admiral. Krieg im Pazifik) von 2011 begegnet, denn keiner der in der Wikipedia aufgelisteten Filme wurde bisher in Deutschland veröffentlicht, abgesehen von einmaligen Aufführungen bei Filmfestivals. Der Film “Der Admiral” zeigt die Rolle Yamamoto Isorokus (1884-1943) während des Pazifikkriegs. Isoroku entstammte einer Samurai-Familie, die im Boshin-Krieg auf Seiten des Shôgunats kämpfte. Ab 1901 begann er eine Karriere in der Marine. Von Anfang an stach er aufgrund seiner hervorragenden Leistungen hervor. Durch sie wurde er auch in den Yamamoto-Clan adoptiert und legte daher 1915 seinen bisherigen Familiennamen Takano ab. Yamamoto stieg rasch auf. 1939 übernahm er schließlich den Befehl über die Kombinierte Flotte und war maßgeblich an der Planung des Angriffs auf Pearl Habor beteiligt. 1943 wurde sein Flugzeug von amerikanischen Fliegern abgeschossen und er nahm sich noch in der Luft das Leben.
Yamamoto hatte seit seiner Jugend ein starkes Interesse am Shôgi. Dies hielt sich auch noch während er den Oberbefehl über die Kombinierte Flotte innehatte. Es heißt, er habe abends ab acht Uhr oft mehrere Stunden Shôgi gespielt. Tatsächlich ist überliefert, wie er selbst während der Schlacht von Midway, als die Nachricht hereinkam, dass die drei Flugzeugträger Akagi, Kaga und Sôryû bombardiert wurden, Shôgi spielte. Vgl. seinen japanischen Wikipediaeintrag.

Leider habe ich auf YouTube keinen Zusammenschnitt mit den Shôgiszenen finden können. Aber auch der Film „軍神山本元帥と連合艦隊“ (Gunshin Yamamoto gensui to rengô kantai) aus dem Jahr 1956 hat eine längere Szene, die Yamamoto beim Shôgispielen zeigt. Nicht dass der Film gut wäre, aber immerhin hat irgendwer den bei YouTube eingestellt. Die japanische Wikipedia listet insgesamt neun Filme und ein Fernsehdrama über Yamamoto auf, inwiefern dort Shôgi gezeigt wird, konnte ich leider nicht herausfinden.

Auch in Kitano Takeshis (北野武) Yakuzafilm “Brother” aus dem Jahr 2000 ist Shôgi in zwei Szenen zu sehen. Einmal dient Shôgi zur Gestaltung einer Szene in Form eine Deko-in-Motion, in der der Protagonist Yamamoto Aniki, gespielt von Kitano, eine Partie gegen einen seiner Mitstreiter spielt. Ein weiteres Mal spielt Shôgi auch eine kleinen dramaturgischen und Black-Humor-mäßgen Part in einer recht makabren Szene: Aniki bestraft einen Dealer, der ihn betrügen wollte, auf die Weise, dass er dem Mann Shôgi-Steine in den Mund stopft – und dann zuschlägt, gezielt auf den Mund, so dass der Getroffene reflexartig die Zähne zusammenbeiß … und wir sehen sofort das Resultat: der Bestrafte spuckt Blut und Zähne und Shôgisteine. Dass Takeshi Kitano ausgerechnet Shôgi in den Film eingebaut hat, hat einen guten Grund. Takeshi Kitano ist selber totaler Shôgifan, wie deutlich geworden ist in einem Interview, das er mit René Gralla anlässlich des Starts von “Zatoichi” 2004 in Hamburg im Hotel “Atlantic” geführt hat. In diesem Interview hat er nämlich am Ende, als René ihn auf Shôgi angesprochen hat, den Verlauf einer Vorgabepartie erklärt, die er gegen Habu im Fernsehen bestritten habe. Ohne Brett und Steine erklärte er René, wie ihm Habu zunächst ein komplettes Anaguma-Castle als Vorgabe in der Partie gewährt habe und wie Habu dieses Anaguma in kürzester Zeit zertrümmert habe.

Aber es gibt auch einige japanische Filme in denen das Shôgithema bestimmend ist. Das erste Mal bereits 1948 mit der Verfilmung von „王将“ (Ôsho) durch Itô Daisuke (伊藤大輔). Ôsho ist ein Theaterstück von Hôjô Hideji (北条秀司), dass am 04.06.1947 in Ôsaka uraufgeführt wurde. Es schildert die Geschichte des berühmten Ôsakaer Shôgispielers Sakata Sankichi (阪田三吉; 1870-1946). Das Stück ist nochmals 1955 und 1962 verfilmt worden. Der Film von 1962 erhielt ein Jahr später noch eine Fortsetzung. Zuletzt erschien 1973 ein Fernsehfilm, von dem ich einen Ausschnitt auf YouTube finden konnte. Der Ausschnitt ist übrigens mit einem der berühmtesten Aussprüche Sakatas betitelt: „銀が泣いている“ (Der Silber weint). 1913 spielte Sakata eine berühmte Partie gegen Sekine Kanjiro. Sakata bot Sekine ein Silberopfer an, welches Sekine jedoch durchschaute. Der Silber schrie also laut: „Nimm mich, nimm mich“, doch weil Sekine in eben nicht nahm, sagt man, “der Silber weint”. Ob Sakata wirklich wie im Film geweint hat? Vgl. 伝説の棋士・阪田三吉の名言「銀が泣いている」に込められた想いとは?

1991 erschien der Film “王手” von Sakamoto Junji (阪本順治) in den japanischen Kinos. Er schildert das Leben von Tobita Ayumi (飛田歩), einem Shinkenshi und Kayama Ryuzo (香山龍三), einem professionellen Shôgispieler. Ein Shinkenshi ist jemand, der seinen Lebensunterhalt damit verdient, Shôgi um Geld zu spielen. Das der Film im ärmlichen Osakaer Stadtviertel Shinsekai spielt, ist da schon recht passend.

Durchaus auch ein wenig internationale Aufmerksamkeit hat „聖の青春“ (Satoshi: A Move for Tomorrow) erregt. Eine Verfilmung des gleichnamigen Buches aus dem Jahr 2016. Der Film folgt dem Leben des professionellen Shôgispielers Murayama Satoshi (村山聖; 1969-1998). Murayama erkrankte als Kind am nephrotischen Syndrom, was sich fortan auf seine Gesundheit auswirkte. Er musste so als Kind viel Zeit im Krankenhaus verbringen, wo er Shôgi spielte. 1994 entschied er sich nach Tôkyô zu gehen, um Meijin zu werden. Er konnte den Titel erspielen, erkrankte jedoch an Blasenkrebs. Statt sich behandeln zu lassen, spielte er weiter Shôgi und verstarb so bereits im Alter von 29 Jahren. Ein Besprechung des Film z.B. hier.


Ein anderes Biopic über einen Shôgispieler ist “泣き虫しょったんの奇跡“ (The Miracle of Crybaby Shottan) von Toyoda Toshiaki (豊田利晃). Der Film zeigt wie Segawa Shôji (瀬川晶司; *1970) professioneller Shôgispieler wurde. Segawa besuchte die Shôreikai, er erreichte zwar den dritten Dan, jedoch nicht den vierten Dan bis zum Alter von 26 Jahren. Er musste also die Schule verlassen, was bedeutete, dass er keine normale Möglichkeit mehr hatte ein professioneller Spieler zu werden. Segawa spielte weiterhin als Amateur und konnte sich so für einige Profi-Turniere qualifizieren. Er stellte dabei den Rekord von 17 Siegen zu 7 Niederlagen gegen Profispieler auf. Daraufhin bat er den Nihon Shôgi Renmei ihm eine außerordentliche Möglichkeit zur Qualifikation als Profispieler zu gewähren, was ihm tatsächlich 2005 erlaubt wurde. Er musste dazu sechs Spiele gegen unterschiedlich Profispieler spielen und davon drei gewinnen. Da ihm dies tatsächlich gelang, wurde er der erste Shôgispieler in 61 Jahren, der den professionellen Status durch Testspiele erhielt. Mittlerweile hält Segawa den 6 Dan.


2017 erschien die 2-teilige Live-Action Adaption des Erfolgsmangas „3月のライオン“ in den japanischen Kinos. Die Mangareihe erscheint seit 2007 im Magazin Young Animal und umfasst derzeit 14 Tankôbon Bände. Protagonist des Films ist Kiriyama Rei, ein 17-jähriger Profspieler, dessen Familie bei einem Autounfall ums Leben kam, als er noch klein war. Der Film erzählt von seinen Problemen mit seiner Adoptivfamilie, seinen Freunden und dem täglichen Leben als Profispieler.

Und zuletzt habe ich noch diesen wunderbaren Kurzfilm über Karolina Styczyńska gefunden. Styczyńska erreichte als erste nicht-Japanerin im Jahr 2017 den Status als professionelle Shôgispielerin. Styczyńskas Blog in Englisch.

Wir sehen also, dass Shôgi im japanischen Kino eine andere Darstellung widerfährt, als das Schach. Im Mittelpunkt steht eher das alltägliche Leben der Spieler und ihre Probleme. Wir finden zwar auch hier die Verbindung zur Obsession, jedoch kaum zum Wahn, wie öfters beim Schach im westlichen Film.

Fundstück: “Ôsho” von Murata Hideo – Shôgi goes Music

Von Fabian Krahe

Murata Hideo (村田英雄) landete mit seinem Song Ôsho (王将) 1961 seinen größten Hit. Die Single verkaufte sich über 1,5 Millionen Mal.

Der Song gehört zum Genre des Enka (演歌), das oft als japanischer Schlager bezeichnet wird. Der Songtext bezieht sich auf den Ôsakaer Shôgispieler Sakata Sankichi (阪田三吉; 01.07.1870-23.07.1946), dessen Leben von Hôjô Hideji (北条秀司) in einem Theaterstück mit Namen Ôsho (王将) verarbeitet wurde. Das Stück wurde am 04.06.1947 in Ôsaka uraufgeführt und ist seitdem auch mehrmals verfilmt worden. Zu Ehren Sakatas ist ein Denkmal unterhalb des Tsūtenkaku (auch bekannt als Ôsaka Tower) errichtet worden.

Nach Sakata ist außerdem eine Opposing Rook Eröffnung benannt worden, die Sakata-ryū mukaihisha. Die Eröffnung stammt tatsächlich noch aus der Edo-Zeit, jedoch spielte Sakata 1919 diese in einer berühmten Partie gegen Doi Ichitarô (土居市太郎; 1887-1973), der später Präsident des Nihon Shôgi Renmei wurde, so dass sie nach Sakata benannt wurde.

Ōshō-monument in honor of Sankichi Sakata. Foto by Mixtures via wikimedia commons.

Ōshō-monument in honor of Sankichi Sakata. Foto by Mixtures via wikimedia commons.

Wer’s eher mit japanischem (Gangster?-)Rap hat, der mag sich doch einmal die Osakaer Hip-Hop-Band Infumiaikumiai (韻踏合組合) mit ihrem Song “王手”, ôte, zu Gemüte führen.

Wobei ich persönlich den gleichnamigen Song von Mori Konomi (杜このみ) besser finde…

Sa’id ibn Jubair-Shatranj-Memorial 2016

Die Originalversion des Schachspiels, nämlich Shatranj, das Schach der Kalifen, kommt zurück anlässlich eines Revival-Turniers am Sonnabend, 22. Oktober 2016, in Hamburg, Germany. Anlass sind die “Arabischen Kulturwochen 2016”, die bis Mitte Dezember 2016 in Hamburg und Bremen stattfinden.

Shatranj-Brett und Figuren by René Gralla

Shatranj-Brett und Figuren by René Gralla

Das historische Turnier, das realisiert wird mit freundlicher Unterstützung des Tunesischen Konsulats in Hamburg sowie der Deutsch-Tunesischen Gesellschaft, wird eingebettet in einen “Tunesischen Tag”, der zum breit gefächerten Programm der “Arabischen Kulturwochen 2016” gehört. Der Ort des Turniers im Asien-Afrika-Institut liegt verkehrsgünstig in der Nähe der S-Bahn-Station Hamburg-Dammtor (wo auch Fernzüge halten).

Warum kann man dieses Turnier ohne Übertreibung “historisch” nennen?

Shatranj, das ehrwürdige Schach der Kalifen, ist die Originalversion jenes Schachspiels, nach dessen Regeln über 800 Jahre lang Menschen ihre Partien austrugen weltweit überall dort , wo die Kunst des Mattsetzens gepflegt wurde. Und zwar sowohl in der muslimisch geprägten Hemisphäre als auch im christlichen Abendland, von Bagdad bis Rom, vom maurischen Granada bis nach Paris und Worms im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation.

https://en.wikipedia.org/wiki/File:A_treatise_on_chess_2.jpg

An illustration from a Persian manuscript “A treatise on chess” The Ambassadors from India present the Chatrang to Khosrow I Anushirwan, “Immortal Soul”, King of Persia; 14th century

Einer der ersten prominenten Fans des besagten Shatranj – in dem “Elefanten” statt “Läufer” das 64-Felder-Brett unsicher machten und diskrete “Wesire” statt dominanter “Damen” ihre Fäden sponnen (siehe Foto oben) – war der berühmte muslimische General ‘Amr ibn al-‘As (ca. 585-664), der Ende 639 in Ägypten einmarschierte und im Sturmlauf die Oströmer vertrieb.
Wenige Jahrzehnte später staunten die Zeitgenossen über Sai’id ibn Jubair (665-714), den ersten Champion der Schachgeschichte, der seine Matches quasi “blind”, nämlich ohne Ansicht des Brettes, austragen konnte. Und daher wird jetzt auch das Hamburger Shatranj-Revival-Turnier 2016 zu Ehren des legendären Meisters veranstaltet.

Die ersten Aliyat – die Ehrenbezeichnung ist das Gegenstück zum modernen Titel des Großmeisters – wurden ab 819 von den Kalifen persönlich ernannt, daher kann man das Shatranj mit Fug und Recht auch das Schach der Kalifen nennen. Berühmte Aliyat und Autoren waren al-Adli, ar-Razi und as-Suli, die im 9. und 10. Jahrhundert epochale Lehrbücher publizierten über Taktiken und Strategien im Shatranj.
Dieser reichhaltige kulturelle Schatz ist für die meisten Menschen jedoch leider in Vergessenheit geraten, weil Schach seit dem Ende des 15. Jahrhunderts nicht mehr nach den Regeln des Shatranj gespielt wird. Schließlich wurden im Gefolge massiver Regeländerungen, und zwar ausgehend von Spanien und Italien, im Szenario der 64 Felder die bereits erwähnten “Elefanten”, die aus orientalischen Träumen zu kommen schienen, durch Läufer ersetzt sowie die “Wesire”, die zuvor spielerisch in Geschichten aus Tausendundeiner Nacht entführt hatten, zu Gunsten der Damen in die (denk-)sportgeschichtliche Versenkung geschickt. So dass fortan höchstens noch Spezialisten die inspirierende Schönheit des versunkenen Shatranj-Universums kannten.
Aber jetzt – anlässlich der “Arabischen Kulturwochen 2016” – erlebt Shatranj, die arabische Originalversion des Schachspiels, ihr längst überfälliges Revival in Gestalt des “Sa’id ibn Jubair-Shatranj-Memorial 2016” in Hamburg, Germany.

Dann wird auf diese Weise in der Hansestadt an der Elbe ein Stück moderner (Denk-)Sportgeschichte geschrieben – zumal das bevorstehende Turnier noch aus einem anderen Grund äußerst symbolträchtig ist. Denn schon vor gut 100 Jahren, und zwar von 1913 bis 1915, wurde in Deutschland ein erster Anlauf genommen, um das Shatranj wiederzubeleben: mit einem Korrespondenzturnier, das die renommierten Fachmagazine “Deutsches Wochenschach” und “Berliner Schachzeitung” gemeinsam ausschrieben und an dem damalige Topleute wie Walther Freiherr von Holzhausen (1876-1935) teilnahmen.
An jenen Vorstoß vor gut 100 Jahren knüpft im frühen 3. Jahrtausend nun das “Sa’id ibn Jubair-Shatranj-Memorial 2016” in Hamburg an. Bereits im November 2015 wurde ein Testlauf, in Form eines Schülerturniers an der Hamburger Grundschule Grumbrechtstraße gestartet. Jetzt wird dem im Rahmen der “Arabischen Kulturwochen 2016” eine quasi offizielle Note verliehen. Mit dem erklärten Ziel der Organisatoren René Gralla, Jürgen Woscidlo – die unterstützt werden von Hamburgs Shôgi-Webmaster Fabian Krahe – das großartige Originalschach “Shatranj” endlich den Kindern Arabiens zurückzugeben und damit natürlich auch dem Rest der Welt!

Und das wiederum hat zusätzlich eine ganz besondere Bedeutung in diesen Tagen – da ja nach Deutschland viele Menschen aus dem arabischen Kulturraum gekommen sind, und jetzt dürfen diese Menschen mit Stolz erfahren, dass Arabiens Originalschach Shatranj gerade hierzulande neue Wertschätzung erfährt.

Wer sich kurzfristig dazu entschließt, das Shatranj im bevorstehenden Hamburger Turnier auszuprobieren (ein Startgeld wird nicht erhoben!), meldet sich per Email an unter jwoscidlo@msn.com oder renegralla@gmx.net (oder spontan am Turniertag vor Ort im Turniersaal bis spätestens 11.45 Uhr).

Das Sa’id ibn Jubair-Shatranj-Memorial 2016
ist ein eintägiges Shatranj-Turnier
nach Schnellschach-Regeln / 15 Minuten pro Spieler und Partie,
an der Universität Hamburg, Asien-Afrika-Institut, Edmund-Siemers-Allee 1, 20146 Hamburg,
Raum 121; Beginn: 12:00 Uhr
Es wird kein Startgeld erhoben


Übrigens nehmen Schachhistoriker eben auch an, dass Shôgi seine Wurzeln gerade nicht in Chinas Xiangqi hat, sondern in Thailands Makruk – und damit eben auch im Shatranj – weil der “Silbergeneral” im Shôgi dem “Khon” im Makruk entspricht, und weil die letztgenannte Figur aus dem Makruk eine Weiterentwicklung des “Elefanten” des Shatranj ist; und außerdem Xiangqi allein der “Wagen” – nicht jedoch der “General” im Xiangqi – genau so zieht wie die Gegenstücke in Shôgi, Makruk und Shatranj.

René Gralla

Zwei Männer, die Shogi-Geschichte geschrieben haben

Wem haben wir es zu verdanken, dass Shogi spannender ist als jede Schachvariante? Weil wir Steine, die wir dem Gegner abgenommen haben, zur Verstärkung unserer eigenen Leute wieder einsetzen dürfen?
Vater dieser lustigen Idee soll Kaiser Go-Nara sein, wie in der Fachliteratur vermutet wird (siehe Peter Banaschak, “Schachspiele in Ostasien”, München 2001, Seite154 f., 155; Trevor Leggett, “Shogi – Japan’s Game of Strategy”, Rutland, Vermont & Tokyo, Japan 1993, page 9). Der 105. Tenno (geboren 1497; regierte von 1526 bis 1557) ließ sich dabei wohl vom Umstand inspirieren, dass ein Samurai, wenn sein Anführer während der damaligen Bürgerkriegswirren in der Schlacht gefallen war, nicht unbedingt Selbstmord begehen musste, sondern durchaus auch einfach die Front wechseln durfte.

Hat die "Drops", das heißt: Wiedereinsetzen gefangener Spielfiguren, in das Regelbuch des Shogi geschrieben: der japanische Kaiser Go-Nara

Hat die “Drops”, das heißt: Wiedereinsetzen gefangener Spielfiguren, in das Regelbuch des Shogi geschrieben: der japanische Kaiser Go-Nara

Eine Innovation, die dem Shogi bis zum heutigen Tag seine unvergleichliche Dynamik verleiht. Und die ein wenig darüber hinwegtröstet, dass besagter Kaiser im Zuge seiner Shogi-Reform, die den Fans die Möglichkeit der Drops beschert hat, zugleich die Japanschach-Armee um einen putzigen Akteur ärmer machte – weil Go-Nara den “Betrunkenen Elefanten” für alle Zeiten aus den Sets verbannte, jedenfalls hält Peter Banaschak (in: “Schachspiele in Ostasien”, München 2001, Seite 154f., 155) diese Annahme für plausibel. Angeblich soll sich der ehrpusselige Tenno daran gestört haben, dass jenes daueralkoholisierte Rüsseltier in der Anfangsposition direkt vor der Königsfigur mehr oder minder (virtuell) torkelnd in Stellung gehen durfte.
Der Mann hatte offenbar wenig Sinn für Humor. Auch kein Komiker, aber dafür ein Mensch mit großem Herzen – jedenfalls für die Nöte und Sorgen der Spieler – war der Daimyo Tokugawa Ieyasu (1543-1616). Da der Feldherr überzeugt davon war, dass er sich nur deswegen gegen alle Konkurrenten durchgesetzt hatte, weil er Strategie und Taktik regelmäßig am Shogi-Brett übte, erhob der Einiger des Reiches sein Lieblingsspiel 1612 in den Rang eines Profisports, last not least zwecks Schulung zukünftiger militärischer Führer.
Heute haben rund 150 Frauen und Männer das Nipponschach zu ihrem Beruf gemacht, werden vom staatlich unterstützten Shogiverband bezahlt. So dass Japans großes strategisches Spiel jeden Neueinsteiger heimlich träumen lässt – nur noch die Steine setzen zu dürfen und dafür von der Nation einen (nicht gerade knapp bemessenen) Ehrensold zu beziehen.
Ein unglaubliches Versprechen, mit dem der Shogun Tokugawa Ieyasu die Ausnahmestellung des Shogi in Japan begründet hat. Die sich deutlich von der ambivalenten Rezeption des Schachsports in anderen Ländern und Kulturen unterscheidet – wo die Komplexität des Denkspiels zwar anerkannt wird, wo aber dessen Kenner und Könner trotzdem meist als eher kauzige Außenseiter belächelt werden.
Was einem Tokugawa Ieyasu nie in den Sinn gekommen wäre. Die Hamburger Pianistin Shigeko Takeya hat jetzt sein Grabmal in Nikko besucht und fotografiert, ein stimmungsvolles Bild für die Ehrengalerie des Shogi.

René Gralla

Hat aus Shogi vor 400 Jahren einen Profisport gemacht: Grabmal des Shogun Tokugawa Ieyasu in Nikko, Japan. Foto: Shigeko Takeya

Hat aus Shogi vor 400 Jahren einen Profisport gemacht: Grabmal des Shogun Tokugawa Ieyasu in Nikko, Japan. Foto: Shigeko Takeya

2 Shôgi-Artikel von Rene (2008/09)

1. 3-teiliges Feature JAPAN ENTDECKEN MIT SHÔGI aus den Jahren 2008/09, erschienen im Online Magazin SpielxPress.
Anhand von Shôgi unternimmt Rene einen kleinen Ausflug in die japanische Kultur.

Japan entdecken mit Shogi (1)
Japan entdecken mit Shogi (2)
Japan entdecken mit Shogi (3)

Alle drei Artikel in einer PDF als Download.

2. Feature über NINGEN SHÔGI in Tendo/Yamagata aus 2008, ursprünglich erschienen in Neues Deutschland.
Beim Ningen Shôgi spielen als Samurai verkleidete Menschen eine Partie Shôgi.