Ein Shôgibrett selbst bauen

Von Fabian Krahe

Ich habe mir vor einiger Zeit ein Torishôgi Set gekauft. Die Box mit den Steinen beinhaltete neben den Regeln auch einen Spielplan auf Papier. Das ist ausreichend, aber nicht so schön wie ein eigenes Torishôgibrett. Nach kurzer Recherche musste ich feststellen, dass es so ohne Weiteres keine Torishôgibretter zu kaufen gibt. Also habe ich mir kurzerhand selber zwei gebaut. Ein Klappbrett und ein “Normales”. Dazu braucht es weder viel Zeit noch großes handwerkliches Können. Die Bauanleitung lässt sich natürlich auch auf andere Brettergrößen anwenden.

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Materialien:
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  1. Holz (3-10 Euro)
  2. Schleifpapier (80 Cent bzw. 1,60 Euro für 2 St.)
  3. Geodreieck und langes Lineal
  4. Bleistift
  5. Schwarzer Permanentmarker o.Ä.
  6. Klarlack in einer Sprühdose (5 Euro für den günstigsten auf Epoxidharzbasis, den darf man dann nicht mit bestimmten anderen Farben benutzen, reicht hier aber völlig)
  7. Stoff (ein paar Euro pro laufendem Meter; ich hatte noch Stoff von einem anderen Projekt übrig)
  8. Holzleim (3-5 Euro)
  9. Pinsel

Das Holz kann man im Baumarkt direkt in der richtigen Größe zuschneiden lassen. Ich habe einfaches Leimholz mit einer Stärke von 1,5 cm genommen. Das ist stabil und kostet nicht viel.
Ein Feld auf einem Shôgibrett sollte mindestens eine Größe von 3,3 x 3,5 cm (alternativ auch 3,5 x 3,7) haben. D.h. das Spielfeld eines Torishôgibretts ist 23,1 x 24,5 cm groß. Dazu noch einen Rand rechnen: Ich habe 0,5 cm pro Seite genommen. Im Nachhinein hätte ich doch eher 1 cm oder 1,5 cm genommen, denn auf den breiteren Rand hätte ich noch gut die Zahlen zur Notation schreiben können, aber mit den Maßen 24 x 25,5 cm bin ich absolut zufrieden. Soll ein Klappbrett gebaut werden, ist zu beachten, dass Shôgibretter längsseits gefalltet werden. Hierfür werden also zwei Bretter von 12 x 25,5 cm gebraucht (den einen Millimeter habe ich mir geschenkt).
Zuerst habe ich die Kanten mit einem Sandpapier mit einer 80er Körnung ein klein wenig abgerundet, dann die Oberfläche und Kanten mit einem Schleifpapier mit 240er Körnung abgeschliffen. Anschließend habe ich die Bretter mit Klarlack besprüht, um sie zu versiegeln. Das habe ich 24 Stunden trocknen lassen und dann mit der 240er Körnung vorsichtig geschliffen, um aufgerichtete Holzfasern loszuwerden. Anschließend habe es ein zweites Mal mit Klarlack besprüht. Die Versiegelung der Oberfläche verhindert, dass später die Farbe für die Linien ausfranst, weil sie in das Holz einzieht. Den Klarlack habe ich erneut 24 Stunden trocknen lassen. Der Klarlack sollte nur im Freien aufgetragen werden, außerdem empfehle ich einen Mundschutz zu tragen.
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Im nächsten Schritt habe ich die Linien mit Bleistift vorgezeichnet und mit dem Permanentmarker nachgezogen. Auf der Rückseite habe ich Stoff mit Hilfe von Holzleim angeklebt. Der Stoff fungiert beim Klappbrett als Scharnier, so liegt das Klappbrett plan auf dem Tisch auf, anders als wenn ich ein Metallscharnier auf die Rückseite geschraubt hätte ohne es zu versenken, wie dies bei billigen Shôgibrettern der Fall ist. Ich empfehle, den Holzleim mithilfe eines Pinsels und verdünnt mit etwas Wasser auf der Rückseite zu verteilen. Trocknen lassen. Fertig.
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Und das sechste Pferd ging an: Chung Man Chan! Bericht vom Shôgi Kyu Cup Hamburg 2019

Er läuft und läuft … zum sechsten Mal nun schon wurde der Shôgi Kyu Cup am 9. November 2019 in Hamburg ausgespielt.
Ein Erfolgsgeheimnis dürfte die anregende Mischung aus vorwiegend lokalen Spielern und weiter Angereisten sein. Obgleich das Turnier sein Stammpublikum hat, tauchen beileibe nicht immer dieselben Teilnehmer auf. Trotzdem kamen wir auch dieses Jahr auf 14 Teilnehmer, davon im strengen Sinne 4 Jugendspieler. Die haben sich dieses Mal sogar ohne ihren angestammten Mentor, den Harburger Schachlehrer Jürgen Woscidlo, angemeldet, um ihre Spielkünste zu verbessern. Alle Achtung.
Was ist vom Gesamt-Turniergeschehen erwähnenswert?

René Gralla (li.) und Rolf Müller.

Rolf Müller (re.) und René Gralla.

Zum Einen die Anmeldung von Rolf Müller aus Lübeck. Hatte er doch in seinem Haus und Garten im Sommer 2019 ein eigenes Lübecker Turnier ins Leben gerufen, welches fabelhaft bei den Teilnehmern ankam. Rolf ließ sich von seinen – schon fast ‚konstant spärlich‘ zu nennenden Erfolgserlebnissen am Brett – nicht beirren und meldete sich wieder zum Shôgi Kyu Cup an! Selbst von einem Unfall, der die Autobahn stundenlang blockierte, ließ er sich nicht dauerhaft aufhalten, weshalb er zwei Runden verpasste. Ein wichtiger Zusatzgrund für diesen Einsatz wurde sogleich von ihm auf den Tisch gestellt – reichlich Kuchen für die Teilnehmer, welche sich nicht zweimal bitten ließen, … „Das Turnier“ belohnte ihn dafür auf seine Weise: er wurde nicht Letzter!
Wolfgang Reher, der sich nach seinem zweiten Platz beim Kyu Cup 2015 offensichtlich nach neuen Herausforderungen abseits des Shôgi-Bretts umschaut, flanierte wieder einmal als helfender Beobachter durch den Turniersaal.
Ingo Köhler, Vorjahressieger, wollte sich auf seinen Lorbeeren nicht ausruhen und suchte erneut die Herausforderung; die dieses Jahr härter ausfiel. Seinem Kyu Pferd zuhause war das sicherlich egal.

Ingo Köhler (re.) im Spiel vertieft gegen Uwe Frischmuth.

Ingo Köhler (re.) im Spiel vertieft gegen Uwe Frischmuth.

Besondere Freude musste Ingo Iwasaki empfunden haben. Hatte er letztes Jahr noch leicht geknickt den Spielsaal wegen seines persönlichen Turnierverlaufs verlassen– so lieferte er dieses Mal eine ihm entsprechende Leistung ab. Geht doch!

Ingo Iwasaki (re.) gegen Ian Meinköhn.

Ingo Iwasaki (re.) gegen Ian Meinköhn.

Die hohe Leistungsdichte zeigte sich dieses Jahr besonders deutlich. Neben den beiden ersten Turnierplätzen erreichten gleich 6 von 14 Teilnehmern 3 Punkte, welche sich auf die Plätze 3-8 verteilten. Anton Borysov, 14 Jahre alt, hatte bereits bei seinem Sieg gegen Yuki Nagahori eine besonders starke Duftmarke gesetzt, die er mit einem Sieg gegen Uwe Frischmuth noch verstärkte. Da ihm in sehr aussichtsreicher Stellung gegen René Gralla dann doch die Puste ausging, blieb ihm „nur“ der dritte Platz in der Abschlusswertung. Andernfalls hätte er um den Turniersieg mitgespielt. Trotzdem eine Riesenleistung, Anton!

Bester Hamburger Jugendspieler: Anton Borysov.

Bester Hamburger Jugendspieler: Anton Borysov.

Auch der viertplatzierte René Gralla schien mit seiner Leistung versöhnt, ist er doch Anton Borysov in letzter Sekunde trickreich von der Schippe gesprungen. Das Hamburger Urgestein Fabian Krahe landete als vorgewerteter 7ter auf dem 5ten Platz – welches für ihn zufriedenstellend sein dürfte.

Niels, Ian und Sven Meinköhn zusammen mit dem Turniersieger Chung Man Chan.

Niels, Ian und Sven Meinköhn zusammen mit dem Turniersieger Chung Man Chan.

Die hinteren Platzierungen sind allesamt mit einem zählbaren Punkt nach Hause gegangen. Darunter die drei Meinköhn-Brüder Niels, Ian und Sven, die sich weiterhin im Turniersaal blicken lassen.
Martin Wolff hatte mit 2 Punkten ein wohl durchwachsenes Ergebnis. Aber als Teilnehmer der gerade beendeten diesjährigen Janggi Weltmeisterschaft in China konnte er seine positiven Erinnerungen daran wohl beim Shôgi doch nicht ganz abschalten.

Martin Wolff (re.) gegen Niels Meinköhn.

Martin Wolff (re.) gegen Niels Meinköhn.

Unser Gründervater Masaomi Ishii hatte diesmal etwas mehr Erfolg als beim letztmaligen Alster Cup im April 2019, auf den wir an dieser Stelle aufmerksam machen wollen.

Masaomi Ishii (dritte v. re.)

Masaomi Ishii (dritte v. re.)

Das wichtigste zuletzt: auch seine Anmeldung als erster Spieler – unmittelbar nach der Siegerehrung zum Kyu Cup 2018 – hat in Chung Man Chan wohl die Kräfte freigesetzt, die es zu einem Turniersieg braucht. Er wollte es wissen. Formell an zweiter Stelle der Teilnehmerliste gesetzt, wollte er den missglückten Versuch im letzten Jahr ungeschehen machen. Der Turnierverlauf machte es Chung Man Chan auch diese Jahr nicht einfach – verlor er doch ausgerechnet gegen Yuki Nagahori – Neu-Hamburger und Sieger von Lübeck 2019.

Chung Man Chan (li.) gegen Yuki Nagahori in der vierten Runde.

Chung Man Chan (li.) gegen Yuki Nagahori in der vierten Runde.

Da Yuki seine Partie gegen das Hamburger Shôgitalent Anton Borysov in den Sand setze, ergab sich nach der 5ten und letzten Runde die Notwendigkeit zu einem Tiebreak – gemäß der Tradition des Shôgi Kyu Cups Hamburg. Bei Punktegleichheit werden die direkten Ergebnisse nicht gezählt – es wird in einem Tiebreak ausgeblitzt. Hier konnte sich Chung Man gegen Yuki durchsetzen. Herzlichen Glückwunsch!

René Gralla wies auf einen interessanten Umstand hin: seit Jahren werden unsere Shôgi Aktivitäten vom „chinesischen“ Konfuzius Institut massiv unterstützt; so auch diesmal. Shôgi erfreut sich auch in China seit Jahren wachsender Beliebtheit und Spielstärke. Insofern hatte der diesjährige Gewinner chinesischer Herkunft gegen einen Zweitplatzierten aus Japan so eine Art Heimvorteil, den dieser zu nutzen verstand …

Nach dem Ende dieses wieder in sehr freundschaftlicher Atmosphäre durchgeführten Turniers freuen wir uns schon auf den 18. April 2020: Dann findet das „Shôgi Open Hamburg“ statt. Der vormalige “Alster Cup” wurde in “Shôgi Open Hamburg” umbenannt, um klarer zum Ausdruck zu bringen, dass dieses Turnier offen für alle Teilnehmer ist – im Gegensatz zum “Shôgi Kyu Cup Hamburg”.

Uwe Frischmuth & René Gralla
Shôgi Hamburg

Die Teilnehmer des 6. Shôgi Kyu Cup.

Die Teilnehmer des 6. Shôgi Kyu Cup, und die Verantwortlichen des Konfuzius-Instituts (2. R. li.)

6. Shôgi Kyu Cup Hamburg 2019, 2019-11-09, Ergebnisse

Nr Name Nat Grade ELO 1 2 3 4 5 Pts +/-
1 Chan Chung Man HK 2 Kyu 1596 7+ 4+ 3+ 2- 5+ 4 6
2 Nagahori Yuki JAP 1720* 5+ 3- 6+ 1+ 4+ 4
3 Borysov Anton UKR 5 Kyu 1257 10+ 2+ 1- 4- 6+ 3 99
4 Gralla René DE 5 Kyu 1261 11+ 1- 9+ 3+ 2- 3 36
5 Krahe Fabian DE 6 Kyu 1257 2- 13+ 7+ 8+ 1- 3 37
6 Frischmuth Uwe DE 3 Kyu 1340 14+ 8+ 2- 10+ 3- 3 0
7 Iwasaki Ingo DE 7 Kyu 1181 1- 11+ 5- 13+ 9+ 3 16
8 Köhler Ingo DE 5 Kyu 1292 9+ 6- 13+ 5- 10+ 3 -7
9 Wolff Martin DE 9 Kyu 991 8- 14+ 4- 11+ 7- 2 31
10 Ishii Masaomi JAP 11 Kyu 762 3- 0+ 14+ 6- 8- 2 71
11 Meinköhn Niels DE 11 Kyu 860 4- 7- 12+ 9- 14+ 2 45
12 Müller Rolf DE 14 Kyu 538 0- 0- 11- 14- 13+ 1 24
13 Meinköhn Sven DE 1* 0+ 5- 8- 7- 12- 1
14 Meinköhn Ian DE 8 Kyu 1070 6- 9- 10- 12+ 11- 1 -52

Promoting Nagahori Yuki to 2 Kyu
Promoting Krahe Fabian to 5 Kyu
Promoting Iwasaki Ingo to 6 Kyu
Promoting Wolff Martin to 8 Kyu
Promoting Meinköhn Niels to 10 Kyu

Bericht vom 1. Lübecker Shôgi-Turnier

Das ewige Duell Lübeck vs. Hamburg:
Wenigstens in Sachen Shôgi hat die einstige Hauptstadt der Hanse jetzt aufgeholt – mit dem ersten Turnier im Japanschach an der Trave

Hamburg versus Lübeck, das ist wie Köln gegen Düsseldorf oder Liverpool contra Manchester, die betreffenden Städte sind einander in herzlicher Rivalität verbunden. Und während Hamburg auf dem Fußballsektor noch ein bisschen die Nase vorn hat – auch wenn das angesichts der Dauerkrise beim HSV nicht für alle Zeiten festgeschrieben sein dürfte – , so hat Lübeck immerhin in Sachen Shôgi (!) dieser Tage deutlich aufgeholt (und das hat letzlich auch wieder etwas mit Fußball zu tun, schließlich wird das Kicken in der Fachliteratur gern als Rasen-Schach definiert, und Shôgi ist schließlich auch Schach, eben bloß Nippon-style).

Inzwischen hat sich nämlich dank der Initiative von Ritsuko und Rolf Müller (und With a little help from the Shôgi-friends of Hamburg!) in der Trave-Metropole ein Kreis aus Aktivisten formiert, die das spannende Spiel der Samurai pflegen. Mit einem ersten Highlight jetzt am 27. Februar 2016, als Lübeck zum Gastgeber wurde für das erste Shôgi-Turnier in den Mauern der einstigen Kapitale des Kaufmannsbundes Hanse.

Hamburger Duell auf Lübecker Boden: In der ersten Runde treffen Martin Wolff (li.) und René Gralla (re.) aufeinander. Foto: R+R Müller

Hamburger Duell auf Lübecker Boden: In der ersten Runde treffen Martin Wolff (li.) und René Gralla (re.) aufeinander. Foto: R+R Müller

Zwölf Teilnehmer aus fünf Städten belauerten sich, blufften und attackierten am letzten Sonnabend vor dem Frühlingsmonat März im traditionsreichen Gymnasium Katharineum (wurde bereits 1531 gegründet), und fast hätte es dabei einen Lübecker Doppelsieg gegeben. Denn Markus Müller, der neunjährige Filius des deutsch-japanischen Ehepaares vom Orga-Team, gewann die U-10-Sonderwertung, während Shinnosuke Katsumura, der aktuell für Lübeck spielt, denkbar knapp den ersten Platz verfehlte. Nach Durchlauf der fünf Runden des eintägigen Wettkampfes lag der 26-jährige Musikstudent aus Kyoto gleichauf mit dem Berliner Daniel Többens. Quasi ein Photo Finish, und bloß ein mickriger Extrapunkt in der Feinwertung gab den Ausschlag, dass schließlich doch der Routinier Többens den heiß umkämpften Pokal mit nach Hause nahm.

Das letzte Quentchen Glück fehlte für den finalen Triumph: Shinnosuke Katsumura (li.), der frisch gebackene Vize-Champ von Lübeck, neben Bronze-Gewinner Wolfgang Reher (re.) aus Bad Segeberg. Foto: R+R Müller

Das letzte Quentchen Glück fehlte für den finalen Triumph: Shinnosuke Katsumura (li.), der frisch gebackene Vize-Champ von Lübeck, neben Bronze-Gewinner Wolfgang Reher (re.) aus Bad Segeberg. Foto: R+R Müller

Knallhart und ohne Kompromisse punktete Wolfgang Reher aus Bad Segeberg. Der Nonkonformist mit wallender Silbermähne bewies, dass sein sensationeller Durchmarsch beim 2. Hamburger Kyu-Cup Anfang November 2015 kein Zufall gewesen war; der 58-jährige komplettierte das Spitzentrio aus Daniel Többens und Shinnosuke Katsumura und musste sich allein wegen minimal schlechterer Wertung in der Schlussbilanz mit dem dritten Rang begnügen.

WE ARE FAMILY: Die Teilnehmer des ersten Shôgi-Wettkampfes in Lübeck vor dem Turnierort Katharineum. Foto: R+R Müller

WE ARE FAMILY: Die Teilnehmer des ersten Shôgi-Wettkampfes in Lübeck vor dem Turnierort Katharineum. Foto: R+R Müller

Wertvollen technischen Support leistete Daniel Többens, der die Paarungen zusammenstellte und auswertete. Nach Hamburg ist Lübeck jetzt die zweite Shôgi-Metropole im Norden der Republik, und die Veranstalter Ritsuko und Rolf Müller denken schon über die nächste Aktion nach: einen Shôgi-Workshop im Sommer.

Hamburg rules?! Lübeck will rule …. in the near future?! Who knows?! Shôgi ist immer für Überraschungen gut!

René Gralla

DIE ABSCHLUSSTABELLE

Nr. Name Vorname Nat. 1 Grade Elo 1 2 3 4 5 Points SOS ELO+/-
1 Többens, Daniel DE 1 Kyu 1617 7+ 3+ 4+ 6+ 2- 4 16 –5
2 Katsumura, Shinnosuke JP 7 Kyu 1203 3- 5+ 8+ 4+ 1+ 4 16 +110
3 Reher, Wolfgang DE 4 Kyu 1463 2+ 1- 9+ 7+ 6+ 4 15 +20
4 Gralla, René DE 9 Kyu 955 5+ 8+ 1- 2- 9+ 3 15 +95
5 Wolff, Martin DE 12 Kyu 858 4- 2- 12+ 10+ 8+ 3 11 +70
6 Ishii, Masaomi JP 15 Kyu 574 12+ 10+ 11+ 1- 3- 3 11 +74
7 Mellert, Sebastian DE 6 Kyu 1300 1- 9- 10+ 3- 11+ 2 13 –16
8 Krahe, Fabian DE 8 Kyu 1101 9+ 4- 2- 12+ 5- 2 12 –13
9 Köhler, Ingo DE 6 Kyu 1191 8- 7+ 3- 11+ 4- 2 12 –11
10 Müller, Markus DE 16 Kyu 556 11+ 6- 7- 5- 12+ 2 9 +38
11 Imai, Shota JP 18 Kyu 229 10- 12+ 6- 9- 7- 1 9 +99
12 Müller, Rolf DE 16 Kyu 545 6- 11- 5- 8- 10- 0 11 –31

Promoting Katsumura Shinnosuke to 6 Kyu
Promoting Gralla René to 8 Kyu
Promoting Wolff Martin to 11 Kyu
Promoting Ishii Masaomi to 14 Kyu
Promoting Krahe Fabian to 7 Kyu
Promoting Müller Markus to 15 Kyu
Promoting Imai Shota to 18 Kyu

Die depperten Schäfer treiben auch im Shôgi ihr Unwesen…

Während im internationalen Schach extreme Kurzpartien unter zehn Zügen gar nicht mal so selten vorkommen und gelegentlich sogar in Turnierbulletins vermeldet werden, scheint es im Shôgi beinahe ausgeschlossen zu sein, im Überfallstil ein Match zu entscheiden – abgesehen davon, dass einer der beiden Kontrahenten absurd patzt und seinen Feldherrn direkt ins ôte laufen lässt.

Trotzdem kann sich auch auf dem Shôgi-Brett die Lage nach wenigen Zügen zuspitzen, und mit Lichtgeschwindigkeit ist alles aus. Ein unbekannter Spieler hat das mal in einer lustigen Partie gegen seinen Computer demonstriert und die Miniatur anschließend auf Youtube veröffentlicht. Leider ist der Kurzfilm dort nicht mehr abrufbar, aber immerhin ist diese denkwürdige Begegnung dank der Sendung GAME ONE vor dem Vergessen bewahrt worden.

Denn in einem geradezu historischen Beitrag, der von MTV im Frühsommer 2011 zum Thema Shogi gesendet wurde …

… , realisieren Moderator Daniel “Budi” Budiman (Weiß) und René Gralla (Schwarz) ein Replay des irgendwann nach dem Mai 2009 in den Tiefen des Webs verschwundenen lustigen Mensch-versus-Computer-Duells, das quasi das Shôgi-Gegenstück zum notorischen “Schäfer”-Matt im Internationalen Schach ist (mit kleineren Zugumstellungen, die aber an der Endkonstellation und dem finalen Ergebnis nichts ändern).
Und das alles mit Playmobil-(!)-Figuren (!!), die René Gralla vorher handbemalt hatte, und auf einem ebenfalls custom-made Spielplan aus der Gralla-Production. Have fun!

MTV-REPLAY DES SHÔGI-“SCHÄFER”-MATTS
EINES UNBEKANNTEN SPIELERS (mit Schwarz) GEGEN SEINEN COMPUTER (Weiß)
(mit Zugumstellungen; nachfolgend wiedergegeben wird das Protokoll der Originalpartie, die bis ca. Mai 2009 auf Youtube zu finden war)

Hamburg, im Mai 2011

Schwarz: René Gralla
Weiß: Daniel “Budi” Budiman

1. P6g-6f P3c-3d (Figur 1)

Figur 1

Diagramm 1

Achtung, der B2b will sich den P6f schnappen!

2. P6f-6e …

Angriff ist die beste Verteidigung – der Samurai entzieht sich dem Anrempelungsversuch.

2. … P4c-4d

Recht schematisch – will wohl auf eine Ranging Rook-Strategie einschwenken?!

3. P9g-9f …

Räumt das Feld 9g für den Läufer.

3. … P9c-9d

Der typische Reflex bei Vorstößen der Randbauern – soll ein Überschreiten der Mittellinie durch den schwarzen Infanteristen auf der Linie 9 verhindern.

4. B8h-9g …

Ein seitlicher Läuferausfall – und nun schielt der schwarze Kaku begehrlich auf den weißen Fußkämpfer P5c.

Die selbst gebastelten Playmobil-Shôgifiguren verleihen dem Spiel einen besonderen Charme.

Die selbst gebastelten Playmobil-Shôgifiguren verleihen dem Spiel einen besonderen Charme. Hier der schwarze Läufer.

4. … S3a-4b

Verteidigt den attackierten Kameraden.

5. R2h-6h …

Eine Art seitenversetzte Haya-Ishida-Taktik, nämlich nicht wie üblich auf Linie 7, sondern auf der Linie 6!

5. … K5a-6b? (Figur 2)

Figur 2

Diagramm 2

Traut sich in die zentrale Magistrale, auf der sich der fliegende schwarze Streitwagen postiert hat – und das ist selten eine gute Idee, selbst wenn zwischen der feindlichen Kampfmaschine und dem König (noch!) andere Einheiten stehen.

6. B9g-6d!?!?! … (Figur 3)

Figur 3

Diagramm 3

Das Angebot eines mutigen Läuferopfers, das einen brandgefährlichen, weil vom schwarzen Tank unterstützten Infanteriestoßtrupp ganz in die Nähe des weißen Oberkommandierenden befördert.

6. … P6cx6d

Vielleicht hätte er besser nicht zugreifen sollen?!

7. P6ex6d K6b-7b???

Läuft mit tödlicher Sicherheit in die falsche Richtung. Viel bessere Aussichten bot natürlich der sofortige Rückzug auf das Ausgangsfeld 5a!

8. P6d-6c+ …

… und MATT! 1-0

Figur 4

Diagramm 4: Sieg für Schwarz

Beware of the BONKERS BISHOPS!

René Gralla

Shôgi wird zur Girlie-Battle

Dass Schach jemals zu Pop wird, Magnus Carlsen-Effekt hin oder her, das glauben nicht einmal Hardcore-Fans. Shôgi dagegen ist trotz seines äußerlich strengen Designs in Japan tatsächlich pop!
Wer’s nicht glaubt, soll einfach mal die Sendung “Honesty Shogi” gucken. Da wird das Japanschach zum Aufhänger einer Question-Answer-Battle, die sich extrem kawaii aussehende Mitglieder von AKB48 – das ist eine Mädelstruppe, die mit 20 Millionen verkauften Tonträgern zu Japans erfolgreichsten Formationen überhaupt zählt – im Fernsehen liefern. Hier eine exemplarische Sendung:

Gibt es einen besseren Grund, um fleißig Shôgi zu spielen?! Um sich anschließend vielleicht ein Autogramm von den AKB48-Stars zu holen?! Das sind Perspektiven, von denen die Spieler des Normalo-Schachs nur träumen können!

René Gralla

Bericht: Shôgi auf dem Hamburger Hina-matsuri 2015

Liebe Shôgi-Freunde,

wie letztes Jahr waren wir Hamburger Shôgi-Spieler mit einem großen Stand auf dem Hina-matsuri, dem japanischen Mädchenfest, in Maori Haus des Völkerkundemuseums vertreten. 2015-03-03-11-54-52Viele Interessierte sind vorbeigekommen, haben sich Zeit genommen und sich die Regeln erklären lassen. Darunter auch erfreulicherweise viele Kinder, die besonders am Dôbutsu-Shôgi (Tier-Shôgi) großen Spaß hatten. In der tollen Atmosphäre des Maori Hauses waren kleine und große Talente und einige sehenswerte Partien zu entdecken.

20150301_15592820150301_153059Besonderer Dank gilt dabei nicht nur unseren beiden jüngsten Spielern, Konrad-Leo Adler und Ghreesham Manjunath, beide im Shôgi-Kurs von Jürgen Woscidlo an der Grundschule Grumbrechtstraße, sondern auch unserem Youtube-Shôgi-Star Hidetchi, der extra aus Köln angereist ist. Darüber hinaus Monika Mizuno Bereuter, die sich unermüdlich für die deutsch-japanische Freundschaft einsetzt – sie hat erst kürzlich den neuen Kulturverein “Deutsch-Japanisches Forum Elbe e.V.” gegründet und ist dessen Vorsitzende -, ebenso Shigeko Takeya und Jumpei Tainaka. Wie immer hat Rene Gralla die Organisation übernommen. Jürgen Woscidlo, Masaomi Ishii, Uwe Frischmuth, Sebastian Mellert, Torben Riemänner, Fabian Krahe und viele andere haben Zeit und Mühe investiert um diesen Tag zu einem Erfolg zu machen.

20150301_150532Das Museum für Völkerkunde Hamburg war eine tolle Gastgeberin und wir freuen uns bereits auf das nächste Mädchenfest 2016.

Einen weiteren Shôgi-Bericht gibt es auf dem Blog: Shogi Sinstorf von Jürgen Woscidlo. Auch veröffentlicht auf Shôgi Hamburg.

Einen allgemeinen Bericht zum Hina-matsuri 2015 auf sumikai.com.

20150301_150752Das Hina-matsuri wird jedes Jahr am 3. März begangen. Bei diesem aus der Edo-Zeit (1600-1868) stammenden Brauch werden Puppen, die den klassischen japanischen Hofstaat darstellen, auf ein mehrstufiges Podest gestellt. Dieser Brauch soll vor Gefahren schützen.

Nachträgliche Presseschau zum 2. Wettkampf zwischen Heimfeld und Halstenbek

Die Presse hat ausführlich berichtet über den Shôgi-Wettkampf der beiden Schulen aus Halstenbek und Hamburg Heimfeld. Darüber freuen wir uns ganz besonders und möchten hiermit nochmals darauf aufmerksam machen.

Report im PINNEBERGER TAGEBLATT:
http://www.shz.de/lokales/pinneberger-tageblatt/halstenbeker-schuelerin-gewinnt-shogi-schach-turnier-in-hamburg-id8364076.html
Sowie als pdf zum Download.

Bericht im ELBE-WOCHENBLATT:
http://www.elbe-wochenblatt.de/harburg-city/sport/heimfeld-ist-shogi-hochburg-d33284.html

Bericht in NEUER RUF (- bitte dazu scrollen bis auf Seite 10):
http://www.neuerruf.de/pages/archiv/2014/media_Archiv_2014/NRS_KW_49-14.pdf

Zusammengestellt von René Gralla

Nicht zu vergessen, der ausführliche Bericht auf dieser Webseite.

Nachfolgend veröffentlicht Shôgi Hamburg eine erweiterte Version von René Grallas Artikel, der im Pinneberger Tageblatt erschienen ist:

IM TIE-BREAK BLEIBT NANAMI COOL

Zwölfjährige gewinnt für Halstenbeks Japanische Schule die Einzelwertung beim Shôgi-Wettkampf gegen Hamburger Schüler

Dicht umlagert ist der Tisch. Tack-tack-tack, gibt eine Uhr das Tempo vor, und klack, klack, klack werden Holzplättchen über ein helles Brett geschoben. Eben noch füllte Stimmengewirr den Klassenraum, aber jetzt halten alle den Atem an. Tie-Break in Hamburg-Heimfeld: In einer Blitzpartie, bei der jede Partei bloß fünf Minuten hat, um den vollen Punkt zu holen, versucht Nanami Hirama aus Halstenbek, das Team ihrer Japanischen Schule im Endspurt entscheidend nach vorne zu bringen, als Höhepunkt eines Shôgi-Matches gegen die Grundschule Grumbrechtstraße am Westrand von Harburg.

Alles im Griff: Halstenbeks Nanami Hirama (li.) lässt Caner Kurt (re.) aus Hamburg-Heimfeld auflaufen. Foto: Jumpei Tainaka

Alles im Griff: Halstenbeks Nanami Hirama (li.) lässt Caner Kurt (re.) aus Hamburg-Heimfeld auflaufen.
Foto: Jumpei Tainaka

Und an diesem letzten Freitag im November 2014 demonstriert Nanami Hirama, was sie drauf hat im traditionellen Denksport aus dem Reich des Tenno. Die Zwölfjährige behält trotz knapper Zeit die Übersicht, macht Druck, während ihr Gegner, der 11-jährige Caner Kurt, immer wieder zögert. Das kostet wertvolle Sekunden, und schon ist es aus, Caner Kurt überschreitet das zulässige 5-Minuten-Limit, die Zuschauer klatschen, Nanami Hirama reißt jubelnd die Arme hoch.
Eine gelungene Revanche für das Hinspiel vor einem Jahr in Halstenbek. Die Premiere des ungewöhnlichen Vergleichskampfes, den der Hamburger Schachlehrer Jürgen Woscidlo angeregt hatte, ging Mitte November 2013 über die Bühne in der Japanischen Schule, die seit 1981 im Kreis Pinneberg ihren Standort hat und aktuell von 130 Mädchen und Jungen besucht wird. Und damals erwiesen sich die Heimfelder Kids als überraschend stark, gewannen die Team- und Individualwertung.
Damit hatten die Gastgeber an der Dockenhudener Chausssee Nr. 79 wohl kaum gerechnet, um so mehr wollen es Halstenbeks junge Japaner gut zwölf Monate später beim Rückspiel südlich der Elbe unbedingt wissen. Mehrere Wochen lang haben sie intensiv geübt, außerdem bringen sie hochkarätige Unterstützung mit, Direktor Koichi Kanai persönlich – assistiert von Klassenlehrerin Noriko Miyakita – begleitet seine Auswahl, die auf Revanche brennt.
In einem Grußwort vor der ersten Runde vergleicht der Leiter der Japanischen Schule die Herausforderungen des Shôgi mit jenen Hindernissen, die einem im richtigen Leben begegnen können: “Deswegen ist ein guter Plan immer gut!” Und der Pädagoge, der aus Nagasaki stammt, drückt Dankbarkeit darüber aus, dass seine Schülerinnen und Schüler dank Shôgi in Kontakt kommen mit deutschen Gleichaltrigen.
Der Support ihres Direktors beflügelt die Halstenbeker Teens. Zwar können sich die Heimfelder erneut als Mannschaft durchsetzen, aber die prestigeträchtige Einzelkonkurrenz geht dieses Mal an die Japaner, weil Nanami Hirama cool Runde um Runde gewinnt: ein glatter Durchmarsch, den auch der bereits erwähnte beste Hamburger Caner Kurt nicht stoppen kann.

Das ist der Tag von Nanami Hirama (li.) - als Caner Kurt (re.) seine Niederlage eingesteht. Foto: Jumpei Tainaka

Das ist der Tag von Nanami Hirama (li.) – als Caner Kurt (re.) seine Niederlage eingesteht.
Foto: Jumpei Tainaka

Mindestens genau so wichtig wie die sportliche Seite der Veranstaltung – ein großer Tag für das Shôgi im Norden der Republik, dank Jürgen Woscidlos absolut professioneller Vorbereitung (und auch Schiedsrichter Masaomi Ishii muss nur selten schlichtend eingreifen!) – ist jedoch die Tatsache, dass “junge Japaner und Deutsche beim Schach die Kultur der jeweils anderen Seite kennenlernen”, betont Rainer Kühlke, Leiter der Schule Grumbrechtstraße, in der Schlussansprache. Und sein japanischer Kollege Koichi Kanai – den am Ende selber das Shôgi-Fieber packt, in den Wettkampfpausen zockt er mehrere Partien gegen den hoffnungsvollen Nachwuchs – sekundiert: “Niemals” hätte er sich “vorstellen können, ausgerechnet in Deutschland mal wieder Shogi zu spielen”.
Zur dritten Runde Shôgi-Battle of The Schools wird sich im Sommer 2015 wieder eine Delegation aus Heimfeld zur Japanischen Schule nach Halstenbek auf den Weg machen.

René Gralla

Zwei Männer, die Shogi-Geschichte geschrieben haben

Wem haben wir es zu verdanken, dass Shogi spannender ist als jede Schachvariante? Weil wir Steine, die wir dem Gegner abgenommen haben, zur Verstärkung unserer eigenen Leute wieder einsetzen dürfen?
Vater dieser lustigen Idee soll Kaiser Go-Nara sein, wie in der Fachliteratur vermutet wird (siehe Peter Banaschak, “Schachspiele in Ostasien”, München 2001, Seite154 f., 155; Trevor Leggett, “Shogi – Japan’s Game of Strategy”, Rutland, Vermont & Tokyo, Japan 1993, page 9). Der 105. Tenno (geboren 1497; regierte von 1526 bis 1557) ließ sich dabei wohl vom Umstand inspirieren, dass ein Samurai, wenn sein Anführer während der damaligen Bürgerkriegswirren in der Schlacht gefallen war, nicht unbedingt Selbstmord begehen musste, sondern durchaus auch einfach die Front wechseln durfte.

Hat die "Drops", das heißt: Wiedereinsetzen gefangener Spielfiguren, in das Regelbuch des Shogi geschrieben: der japanische Kaiser Go-Nara

Hat die “Drops”, das heißt: Wiedereinsetzen gefangener Spielfiguren, in das Regelbuch des Shogi geschrieben: der japanische Kaiser Go-Nara

Eine Innovation, die dem Shogi bis zum heutigen Tag seine unvergleichliche Dynamik verleiht. Und die ein wenig darüber hinwegtröstet, dass besagter Kaiser im Zuge seiner Shogi-Reform, die den Fans die Möglichkeit der Drops beschert hat, zugleich die Japanschach-Armee um einen putzigen Akteur ärmer machte – weil Go-Nara den “Betrunkenen Elefanten” für alle Zeiten aus den Sets verbannte, jedenfalls hält Peter Banaschak (in: “Schachspiele in Ostasien”, München 2001, Seite 154f., 155) diese Annahme für plausibel. Angeblich soll sich der ehrpusselige Tenno daran gestört haben, dass jenes daueralkoholisierte Rüsseltier in der Anfangsposition direkt vor der Königsfigur mehr oder minder (virtuell) torkelnd in Stellung gehen durfte.
Der Mann hatte offenbar wenig Sinn für Humor. Auch kein Komiker, aber dafür ein Mensch mit großem Herzen – jedenfalls für die Nöte und Sorgen der Spieler – war der Daimyo Tokugawa Ieyasu (1543-1616). Da der Feldherr überzeugt davon war, dass er sich nur deswegen gegen alle Konkurrenten durchgesetzt hatte, weil er Strategie und Taktik regelmäßig am Shogi-Brett übte, erhob der Einiger des Reiches sein Lieblingsspiel 1612 in den Rang eines Profisports, last not least zwecks Schulung zukünftiger militärischer Führer.
Heute haben rund 150 Frauen und Männer das Nipponschach zu ihrem Beruf gemacht, werden vom staatlich unterstützten Shogiverband bezahlt. So dass Japans großes strategisches Spiel jeden Neueinsteiger heimlich träumen lässt – nur noch die Steine setzen zu dürfen und dafür von der Nation einen (nicht gerade knapp bemessenen) Ehrensold zu beziehen.
Ein unglaubliches Versprechen, mit dem der Shogun Tokugawa Ieyasu die Ausnahmestellung des Shogi in Japan begründet hat. Die sich deutlich von der ambivalenten Rezeption des Schachsports in anderen Ländern und Kulturen unterscheidet – wo die Komplexität des Denkspiels zwar anerkannt wird, wo aber dessen Kenner und Könner trotzdem meist als eher kauzige Außenseiter belächelt werden.
Was einem Tokugawa Ieyasu nie in den Sinn gekommen wäre. Die Hamburger Pianistin Shigeko Takeya hat jetzt sein Grabmal in Nikko besucht und fotografiert, ein stimmungsvolles Bild für die Ehrengalerie des Shogi.

René Gralla

Hat aus Shogi vor 400 Jahren einen Profisport gemacht: Grabmal des Shogun Tokugawa Ieyasu in Nikko, Japan. Foto: Shigeko Takeya

Hat aus Shogi vor 400 Jahren einen Profisport gemacht: Grabmal des Shogun Tokugawa Ieyasu in Nikko, Japan. Foto: Shigeko Takeya

NHK World – Japanology Plus: Shôgi

Eine wunderbare Einführung in unser japanisches Lieblingsspiel von NHK in englisch.

Was tun, wenn man eine Partie im Shogi verliert? Einfach den richtigen Moment zur Aufgabe wählen, dann ist man ein “Cool Loser” … und das verschafft einem mehr Respekt als ein Sieg. Wie’s geht, ist im nachfolgenden Clip (bei 15:00 min) zu erfahren:

Außerdem wird da über ein Denkmal berichtet, dass einem berühmten Spieler, der vor 100 Jahren gelebt hat, mitten in Osaka gesetzt worden ist (bei 1:43 min). Außerdem werden Shogi-Dojos in Osaka vorgestellt, wo die Spieler (berechnet nach Stunden oder zu einem Tagestarif) einen Obolus entrichten, um dort Shogi zu spielen. Und man erfährt (bei 16:12 min), dass in China jetzt auch heftig Shogi gespielt wird, so gibt es im Raum Shanghai ca. 100 Schulen für Shogi.

2 Shôgi-Artikel von Rene (2008/09)

1. 3-teiliges Feature JAPAN ENTDECKEN MIT SHÔGI aus den Jahren 2008/09, erschienen im Online Magazin SpielxPress.
Anhand von Shôgi unternimmt Rene einen kleinen Ausflug in die japanische Kultur.

Japan entdecken mit Shogi (1)
Japan entdecken mit Shogi (2)
Japan entdecken mit Shogi (3)

Alle drei Artikel in einer PDF als Download.

2. Feature über NINGEN SHÔGI in Tendo/Yamagata aus 2008, ursprünglich erschienen in Neues Deutschland.
Beim Ningen Shôgi spielen als Samurai verkleidete Menschen eine Partie Shôgi.