Drei Likedeeler vom Team Hamburg auf Elo-Kaperfahrt steuerten Ludwigshafen an zum New Year’s Open

Von René Gralla

Die Hamburger sind gekommen, um zu bleiben. Die Rückkehr des Turnier-Shogi in den Norden jährt sich 2019 zum sechsten Mal, nach einem erfolgreichen Revival dank prominenten Supports durch den Kult-Youtuber Tomohide “Hidetchi” Kawasaki. Der charismatische Influencer hatte sich seinerzeit vom gebürtigen Elmshorner Journalisten René Gralla zur Teilnahme am Japantag 2013 im Asien-Afrika-Institut der Elbmetropole überreden lassen.

Und jetzt – in der quasi logischen Konsequenz eines längeren Anlaufs, der eben zur bodenständigen Mentalität der Menschen hinter sturmgepeitschten Deichen passt – lichten unerschrockene Küsten-Samurai immer häufiger die Anker für virtuelle Kaperfahrten. Um bei Wettkämpfen an anderen Plätzen der Republik plötzlich aufzutauchen und im Geiste eines Klaus Störtebeker verwegen die eine oder andere Ladung Elo-Zähler an Bord zu schaffen.

Entsprechend motiviert steuerten drei Freibeuter von der Waterkant das kurpfälzische Ludwigshafen an, zum 10. Kurpfalz New Year’s Open am 5. Januar 2019, und sackten wichtige Rating-Dukaten ein. Die ihnen den Weg bereiten können für nächste Attacken auf das Oberhaus, in dem sich die Üblichen Verdächtigen der etablierten Shogi-Elite verschanzt haben. Allerdings verlor der Vorzeige-Hanseat unter den Haya Ishida-Experten, “FrISHIDan” Uwe Frischmuth (3 Kyu), nach einer schmerzhaften Niederlage in der vierten Runde gegen den Newcomer Fabian Fichter (noch ohne Kyu-Grad!) den Kontakt zum Spitzenfeld (in dem schließlich Peter Pham, 1 Kyu, triumphierte vor Hendrik Jock, 2 Kyu), griff jedoch am Ende immerhin wertvolle 23 Elo-Points ab, die einen Kurs Richtung 2 Kyu verheißen.

Say Captain say what … : Shogi-Fahrensmann Uwe Frischmuth (li.) lässt sich durch nichts aus der Ruhe bringen und hält Kurs auf 2 Kyu. Foto: Oliver Orschiedt

Say Captain say what … : Shogi-Fahrensmann Uwe Frischmuth (li.) lässt sich durch nichts aus der Ruhe bringen und hält Kurs auf 2 Kyu. Foto: Oliver Orschiedt

Supertalent Anton Borysov aus dem Schleswig-Holsteinischen Norderstedt gab während seines zweiten Auftritts in Ludwigshafen im Abstand nur weniger Wochen (bereits nach dem dortigen Dojo-Day am 1. Dezember 2018 war der ehrgeizige 13-jährige mit der Promotion zum 8 Kyu im Gepäck heimgefahren) wieder richtig Gas. Das brachte fette 52 Wertungspunkte ein, so dass der Sprung auf 7 Kyu in Kürze locker gelingen sollte.

Nordisch by Nature: Anton Borysov (re.) und René Gralla (li.) wurden in der fünften Runde des Kurpfalz New Year`s Open 2019 gelost zum munteren und wechselseitigen Kielholen … als unverhoffter interner Showdown unter den Likedeelern vom Team Hamburg. Foto: Uwe Frischmuth

Nordisch by Nature: Anton Borysov (re.) und René Gralla (li.) wurden in der fünften Runde des Kurpfalz New Year`s Open 2019 gelost zum munteren und wechselseitigen Kielholen … als unverhoffter interner Showdown unter den Likedeelern vom Team Hamburg. Foto: Uwe Frischmuth

Im Vergleich dazu wird Hamburgs Shogi-Aktivist und Autor René Gralla (5 Kyu) noch etwas heftiger strampeln müssen, bevor er sich an der Klippe zum 4 Kyu festkrallen und hochhangeln kann. Immerhin machte auch er einen netten Schnapper: Die Beute war ein 30 Elo-Plus, und das könnte vielleicht doch der Einstand für die nächste Beförderung sein. Freilich verlangt das Einsatz volle Pulle und kräftigen Rückenwind, und um so gnadenloser muss sich René Gralla für jedes künftige Match eine tadellose sportliche Haltung ohne schlaffe Hänger selbst auferlegen. Indem er in quasi permanenter Hab-Acht-Stellung antritt …

… Stillgestanden! Die Gedanken unerschüttert fokussiert auf das eine Ziel, nämlich kontinuierlich an der Optimierung der persönlichen Performance zu arbeiten: die notwendige Selbstdisziplin hat der Autor René Gralla früher schon unter sehr speziellen Umständen trainieren dürfen … nämlich als (zeitweiliger) Hauptmann der Bundeswehrreserve (auf dem Bild nach einer Wehrübung im November 2000 vor der damaligen Wachstube am Tor zur Liliencron-Kaserne in Kellinghusen östlich Itzehoe; Foto: Ingrid Gralla).

… Stillgestanden! Die Gedanken unerschüttert fokussiert auf das eine Ziel, nämlich kontinuierlich an der Optimierung der persönlichen Performance zu arbeiten: die notwendige Selbstdisziplin hat der Autor René Gralla früher schon unter sehr speziellen Umständen trainieren dürfen … nämlich als (zeitweiliger) Hauptmann der Bundeswehrreserve (auf dem Bild nach einer Wehrübung im November 2000 vor der damaligen Wachstube am Tor zur Liliencron-Kaserne in Kellinghusen östlich Itzehoe; Foto: Ingrid Gralla).

Endtabelle

10. Kurpfalz New Year’s Open, Germany : 2019-01-05
Nr Name Vorname Nat Grade ELO 1 2 3 4 5 MMS Pts +/-
1 Pham Peter DE 1 Kyu 1728 2 4 5 -3 8+ 2 6 18
2 Jock Hendrik DE 2 Kyu 1566 -1 11 7 6 3+ 2 6 45
3 Engelmann Marc-Leon DE 2 Kyu 1574 -7 10 9 1 2- 2 5 22
4 Tsutsui Kensuke JP 1 Dan 1743 11 -1 -6 7 5+ 2 5 -5
5 Faber Sébastien FR 1 Kyu 1669 6 7 -1 12 4- 2 5 1
6 Chan Chung Man HK 2 Kyu 1549 -5 8 4 2- 11+ 2 5 39
7 Engelmann Jan-Lukas DE 2 Kyu 1598 3 -5 -2 -4 12+ 2 4 -8
8 Fichter Fabian DE NN 1541* 17+ 6- 14 9 -1 1 4
9 Frischmuth Uwe DE 3 Kyu 1392 19 13 -3 -8 15+ 1 4 23
10 Orschiedt Oliver DE 3 Kyu 1434 14 -3 18 11 0- 1 4 19
11 Engelhardt Alexander DE 2 Kyu 1489 -4 -2 13 -10 6- 2 3 -28
12 Orschiedt Leonard DE 4 Kyu 1300 -13 16 15 -5 7- 1 3 7
13 Suzuki Yutaka JP 3 Kyu 1439 12 -9 -11 -17 19+ 1 3 -23
14 Gralla René DE 5 Kyu 1259 -10 20 -8 19 18+ 0 3 30
15 Orschiedt Tristan DE 6 Kyu 1201 20 19 -12 16 9- 0 3 23
16 Keitsch Marcel DE 6 Kyu 1249 18 -12 19 -15 17+ 0 3 22
17 Fromm Veit DE 6 Kyu 1233 -8 -18 20 13 16- 0 2 7
18 Borysov Anton UA 8 Kyu 1046 -16 17 -10 20 14- 0 2 52
19 Krziwania Emil DE 5 Kyu 1304 -9 -15 -16 -14 13- 1 1 -66
20 Kampe Lorenz DE 8 Kyu 1034 -15 -14 -17 -18 0+ 0 1 -22

Promoting Pham Peter to 1 Dan
Promoting Keitsch Marcel to 5 Kyu
Promoting Fromm Veit to 5 Kyu

Janggi auf dem Korea-Tag 2018

Von Jürgen Woscidlo

Die spannende koreanische Schachvariante “Janggi” ist nun bereits zum dritten Mal auf dem Hamburger Korea-Tag präsentiert worden. Am 15. Dezember 2018 lud die Deutsch-Koreanische Gesellschaft Hamburg e.V. (DKGH) ein zum Koreanischen Festival 2018 in das “Museum am Rothenbaum” (kurz: MARKK), und dort mischte an diesem Adventssonnabend auch die “Janggi Platform Germany” mit an mehreren Tischen im Kuppelsaal des imposanten Traditionsbaus, der unlängst noch unter dem Namen “Völkerkundemuseum” firmierte.

Hauptevent war das “Admiral Yi Sun-sin Janggi Memorial 2018″. Das Turnier wurde dem Retter Koreas (geb. am 28. April 1545) gegen die Japaner gewidmet, weil sich der Todestag des heldenhaften Flottenkommandanten (16. Dezember 1598) einen Tag nach der Veranstaltung zum 420. Mal jährte.

20181215_114614 webDen geschichtsträchtigen Leistungsvergleich gewann Niels Meinköhn vor seinem Bruder Ian; hinter dem Spitzenduo überquerten der Drittplatzierte Kerem Kuruca sowie Verfolger Sven Meinköhn die Ziellinie.

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Parallel zum Wettkampfgeschehen luden Bretter die Festivalbesucher dazu ein, das Janggi näher kennenzulernen und gleich praktisch auszuprobieren. Dabei durften Jürgen Woscidlo und Dr. René Gralla, die Norddeutschlands Janggi-Community im MARKK vertraten, einen besonderen Gast an ihrem Stand begrüßen: Herrn Lee Jeong Pil vom Busan Metropolitan Traditional Orchestra. Der Kulturbotschafter aus der Hafenstadt am Japanischen Meer (anderslautend die offizielle Sprachregelung in Südkorea: Donghae, übersetzt: “Ostmeer”) erwies sich auch als Meister der Mattkombinationen: Gegen Jürgen Woscidlo bestritt er ein freundschaftliches Match über drei Runden und markierte nach spannungsgeladenen Duellen mit einem makellosen 3:0-Saldo seine echte Klasse.

Volle Pulle für Busan: Gegen Lee Jeong Pil (li.) konnte Hamburgs Jürgen Woscidlo (re.) keinen Stich landen.

Volle Pulle für Busan: Gegen Lee Jeong Pil (li.) konnte Hamburgs Jürgen Woscidlo (re.) keinen Stich landen.

Allen Teilnehmern am “Admiral Yi Sun-sin Janggi Memorial 2018″ ein großer Dank für tollen Sportsgeist und herzliche Glückwünsche zu den erfolgreichen Platzierungen. Und ein Extradank gilt Dr. René Gralla, der mit seinem 3D-Janggi-Set aus der Heimwerkstatt die Blicke der Festivalcrowd auf sich zog.

Janggi im 3D-Design aus der Heimwerkstatt von Dr. René Gralla. Foto: Jürgen Woscidlo

Janggi im 3D-Design aus der Heimwerkstatt von Dr. René Gralla. Foto: Jürgen Woscidlo

Flying Turtle Ship respektive Kanone der Roten Fraktion im phantasievollen Gralla-Design vor dem Abheben.

Flying Turtle Ship respektive Kanone der Roten Fraktion im Dystopian Wars-style Gralla-Design vor dem Abheben.

Ein Luftkreuzer aka Cannon der Blue Army macht sich bereit zum Durchstarten.

Ein Luftkreuzer aka Cannon der Blue Army macht sich bereit zum Durchstarten.

Das Match hat begonnen, und beide Parteien haben Flying Turtle Ship-Cannons jeweils ins Zentrum der eigenen Verbände einfliegen lassen.

Das Match hat begonnen, und beide Parteien haben Flying Turtle Ship-Cannons jeweils ins Zentrum der eigenen Verbände einfliegen lassen.

Fazit: Janggi auf dem Koreanischen Festival 2018 ließ auch manche Expatriates aus Fernost das spannende strategische Spiel ihrer Heimat wiederentdecken. Eine Rückbesinnung auf die Wurzeln der eigenen Spielkultur, die in Zeiten einer globalisierten Medienwelt notwendiger denn je zu sein scheint. Siehe die kessen Mädels der neuen K-Pop-Superband BLACKPINK: Im Clip zu ihrem aktuellen Megahit “DDU-DU DDU-DU” haben Jisoo, Jennie, Rose und Lisa zwar ein Schach-(!!)-Motiv eingebaut …

… aber ab Minute 0:29 sehen wir dort leider nicht das ehrwürdige Janggi, sondern schnöde die Figuren des Internationalen Schachs!
Die “Janggi Platform Germany” mit Frontmann Jürgen Woscidlo muss also noch heftige Überzeugungs- und Nachhilfearbeit leisten – sogar in Südkorea.
Eine erste Gelegenheit an ziemlich prominenter Stelle bietet sich dafür später in diesem Jahr, wenn BLACKPINK im Rahmen ihrer Welttournee 2019 das einzige Deutschlandkonzert in Berlin geben.

Nachwuchsstar Anton aus dem Norden punktet im Süden

Von René Gralla

Im Land an der Küste ist er die größte Nachwuchshoffnung im Shogisport: Der 13-jährige Anton Borysov stellte sich am ersten Adventssonnabend der unlängst ausgeklungenen Weihnachtssaison einem starken Feld während des 6. Dojo-Days, der anlässlich der 12. Ludwigshafener Stadtmeisterschaft veranstaltet wurde, und legte dort gleich einen bemerkenswerten Aufschlag hin. Denn dem Norderstedter Schüler genügten in der kurpfälzischen Metropole drei starke Punkte aus spielfreudig absolvierten neun Partien, um die Promotion zum 8 Kyu-Grad perfekt zu machen.

Team Hamburg in Ludwigshafen: Anton Borysov (hinten li.) und René Gralla (vorne li.) gegen das Familien-Duo Edgar Ohst (hinten re.) und Sohn Jan-Peter Ohst (vorne re.). Foto: Oliver Orschiedt

Team Hamburg in Ludwigshafen: Anton Borysov (hinten li.) und René Gralla (vorne li.) gegen das Familien-Duo Edgar Ohst (hinten re.) und Sohn Jan-Peter Ohst (vorne re.). Foto: Oliver Orschiedt

Das sorgte am besagten 1. Dezember 2018 für weniger festliche Stimmung unter der Konkurrenz im Süden der Republik, während sich Mitstreiter René Gralla knapp dreieinhalb Wochen vor der echten Bescherung eine deftige persönliche Bescherung per virtueller Rute und fieser Abreibungen gleich in Serie einhandelte. Zwar brachte der Hamburger Autor sowohl das Jung-Genie Marc-Leon Engelmann (2 Kyu) als auch Chung Man Chan (2 Kyu) jeweils an den Rand einer Niederlage, aber fast gewonnen ist eben trotzdem verloren, und am Ende des Tages verblieben dürftige zwei Punkten aus sechs Partien auf der Habenseite des Turnierkontos.

Was für den Betroffenen wenigstens zu einem schmerzhaften, aber unvermeidlichen Erkenntnisgewinn geführt hat: In den oberen Rängen können die Shogi-Schuhe für einen 5-Kyu-Lernenden recht groß sein.

Manche Schuhe sind einfach zu groß: Autor René Gralla bei einem (ausnahmsweise mal nicht Shogi-bezogenen) Feldversuch Mitte Oktober 2000 im kolumbianischen Cartagena.

Manche Schuhe sind einfach zu groß: Autor René Gralla bei einem (ausnahmsweise mal nicht Shogi-bezogenen) Feldversuch Mitte Oktober 2000 im kolumbianischen Cartagena.

Zum Turnierergebnis auf der FESA-Webseite

Verbeugung vor dem legendären Kommodore: Janggi auf dem Koreanischen Festival 2018 am 15. Dezember in Hamburgs “MARKK” – Zum Gedenken an den 420. Todestag von Admiral Yi Sun-sin

Von René Gralla

Sowohl im Süden als auch im Norden der geteilten Halbinsel verehren ihn die Menschen als größten Helden Koreas: Admiral Yi Sun-sin, der Ende Oktober 1597 in der epochalen Seeschlacht von Myongnyang mit nur 13 Schiffen eine 27-fach (!) überlegene japanische Armada vernichtend schlug. Und weil sich der Todestag des brillanten Flottenführers am dritten Advent 2018 zum 420. Mal jährt, soll am unmittelbar vorausgehenden Sonnabend ein Event in der besonderen koreanischen Schachvariante Janggi, die zum Programm des Festivals “Uri Korea” (übersetzt: “Unser Korea”) in Hamburgs “Museum am Rothenbaum” (MARKK) gehört, an den legendären Kommodore erinnern.

Schließlich prägen überraschend modern anmutende und äußerst mobile Artillerieeinheiten das stets hoch spannende Geschehen auf den exakt 90 Brettpositionen des besagten Strategiespiels aus Fernost. Und jene “Kanonen”, wie sie heißen, schlagen derart heftig und effektiv zu, dass sie wie virtuelle Repliken der innovativen TURTLE SHIPS anmuten, die in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts das Rückgrat von Yi Sun-sins Seestreitkräften bildeten.

Entsprechend inspiriert Janggi zu einer spielerischen Begegnung mit einer wichtigen Phase in der Geschichte Koreas. Und deswegen möchten sich Jürgen Woscidlo und René Gralla, die am 15. Dezember 2018 diese vorweihnachtliche Aktion in K-Mindsports leiten, mit ihrer Initiative ausdrücklich verneigen vor dem genialen Yi Sun-sin. Zwischen 11 und 17 Uhr können “Uri Korea”-Besucher im Gewölbesaal des MARKK, das früher unter “Völkerkundemuseum” firmierte, an einem Janggi-Workshop teilnehmen. Außerdem werden, falls sich genügend Kandidaten finden, tolle Pokale in einem Schnellturnier ausgespielt.

Parallel rockt heißer K-Pop das Festival, und in den Pausen locken asiatische Leckereien aus meisterlicher Hand. Organisator ist die Deutsch-Koreanische Gesellschaft Hamburg; und die Community der Janggi-Fans dankt der Ehrenvorsitzenden Frau Okhoa Meyer von der Twer sowie Herrn Präsident Shin-Gyu Kang ausdrücklich dafür, im Rahmen des renommierten Kulturtages den traditionsreichen Denksport der Koreaner jetzt auch einem norddeutschen Publikum präsentieren zu dürfen.

Janggi auf dem Koreanischen Festival “Uri Korea” am Sonnabend, 15.12.2018, in Hamburgs “Museum am Rothenbaum” (MARKK), Rothenbaumchaussee 64 (Nähe U-Bahn Hallerstraße), 11 – 17 Uhr;

weitere Informationen zum Programm:

https://markk-hamburg.de/veranstaltungen/koreanisches-festival-2018/

Admiral Yi Sun-Sin

Historiker vergleichen ihn mit Britanniens Seehelden Lord Nelson: Koreas unvergessener Admiral Yi Sun-sin. In Hanseong, wie die damalige Hauptstadt (und das heutige Seoul) hieß, am 28. April 1545 geboren in eine adlige Familie, die sich aber von den Intrigen am Königshof der Joseon-Dynastie fernhielt. Und gefallen am 16. Dezember 1598 in der Schlussphase der Seeschlacht an der Noryang-Straße – die trotzdem von den Koreanern gewonnen wurde, weil der tödlich verwundete Yi Sun-sin seinem Stab ausdrücklich verboten hatte, die Flotte vor dem Ende des Kampfes über das Schicksal ihres Kommandanten zu informieren.

Bloß der Himbeerkuchen hat diesen Tag nicht überlebt … Zweites Internationales Janggi-Open am 13. Oktober 2018 in Hamburg

Von Jürgen Woscidlo

Nun bereits zum zweiten Mal rief Hamburg an einem Oktobersonnabend zum Internationalen Janggi-Open in den Norden der Republik. Gespielt wurde im Johannes-Brahms-Konservatorium, das sich im noblen Elbvorort Othmarschen nach der Turnierpremiere 2017 und verschiedenen Workshops als neues Zentrum für die Kultur des Koreanischen Schachs in der Hansestadt etabliert hat.
Zugleich war der frühherbstliche Wettkampf in Wahrheit bereits das dritte Janggi-Event in der Elbmetropole, und zwar nach einem Jugendturnier im Sommer 2015; als Ausrichterin fungierte seinerzeit die Integrative Grundschule Grumbrechtstraße in Hamburg-Heimfeld. Folgerichtig bildeten dann auch vier geniale Kids aus dem Kader der Grumbrechtstraße am 13. Oktober 2018 den stärksten Block unter den Kandidaten des diesjährigen Janggi-Open im Johannes-Brahms-Konservatorium. Wobei mit Ian Meinköhn ein echter Rising Star ins Rennen ging, aber auch dessen Brothers in Arms – das waren Kerem Kuruca, Sven Meinköhn und Niels Meinköhn – durften tunlichst nicht unterschätzt werden.

Gleich wird an der Pforte des gegnerischen Palasts gerüttelt: Shin-Gyu Kang, Präsident der Deutsch-Koreanischen Gesellschaft Hamburg (rechts am Brett), und Turnierdirektor Jürgen Woscidlo (li.) eröffnen mit dem symbolischen ersten Zug das 2. Internationale Janggi-Open am 13. Oktober 2018 in der Hansestadt. Und auch Deutschlands Janggi-Spitzenspieler Uwe Frischmuth (vorne links) hat sich voller Tatendrang für einen spannenden Wettkampf in Position gebracht … während vordergründig bescheiden in der letzten Reihe schon der spätere Turniersieger Krzysztof Stoigniew Sieja wartet … (ganz hinten rechts).

Gleich wird an der Pforte des gegnerischen Palasts gerüttelt: Shin-Gyu Kang, Präsident der Deutsch-Koreanischen Gesellschaft Hamburg (rechts am Brett), und Turnierdirektor Jürgen Woscidlo (li.) eröffnen mit dem symbolischen ersten Zug das 2. Internationale Janggi-Open am 13. Oktober 2018 in der Hansestadt. Und auch Deutschlands Janggi-Spitzenspieler Uwe Frischmuth (vorne links) hat sich voller Tatendrang für einen spannenden Wettkampf in Position gebracht … während vordergründig bescheiden in der letzten Reihe schon der spätere Turniersieger Krzysztof Stoigniew Sieja wartet … (ganz hinten rechts).

In seiner Begrüßungsrede zeichnete Turnierdirektor Jürgen Woscidlo die rasante Entwicklung nach, die der Janggi-Sport in Hamburg seit 2014 genommen hat, und er versprach, den eingeschlagenen Weg unbeirrt zu verfolgen. Anlässlich des 70. Geburtstages der Republik Korea drückte Woscidlo, der zugleich die Janggi-Online-Plattform Deutschland vertritt, gegenüber allen Koreanern, die der Eröffnungsfeier beiwohnten, die starke Hoffnung aus, dass ungeachtet der volatilen Lage in Fernost dort der Frieden bewahrt werden und sich der Wohlstand der Menschen weiter mehren möge.
Die Auftaktveranstaltung wurde musikalisch abgerundet durch eine Sonate des Komponisten Sergei Prokofjew (1891-1953). Prokofjew, ein Zeitgenosse von Dmitri Schostakowitsch (1906-1975), repräsentiert den ungestümen Musikstil der jungen Sowjetunion, entsprechend leidenschaftlich auch der Vortrag auf der Bühne an diesem Vormittag. Als zweites Stück kam Koreas inoffizielle Hymne “Arirang” zu Gehör; in instrumentaler Interpretation an Cembalo und Klavier durch Künstlerinnen und Künstler, die mehrfach schon bei “Jugend musiziert” ausgezeichnet worden sind.
Den Startschuss für das eigentliche Turnier gab der Präsident der Deutsch-Koreanischen Gesellschaft Hamburg (DKGH) persönlich: Herr Shin-Gyu Kang führte am Spitzenbrett symbolisch den ersten Zug aus. Während sich die unmittelbar anschließenden Rundenkämpfe, die im Round Robin-Modus (jeder gegen jeden) ausgefochten wurden, treffend unter der Überschrift “Klein schlägt Groß” zusammenfassen ließen.
Ian Meinköhn watschte sowohl Uwe Frischmuth als auch Hamburgs-Janggi-Godfather Jürgen Woscidlo (!) schmerzhaft ab; Ian Meinköhn setzte sich auf diese Weise nicht allein als bester Schüler durch, sondern eroberte obendrein einen tollen dritten Platz im Gesamtklassement. Herzlicher Glückwunsch!

Niels Meinköhn (li.) gegen Kerem Kuruca (re.)

Niels Meinköhn (li.) gegen Kerem Kuruca (re.)

Kerem Kuruca bestritt äußerst erfolgreich sein erstes Janggi-Turnier: Er belegte in der Sonderwertung für Schüler den dritten Rang und durfte seinen ersten Pokal mit nach Hause nehmen. Zugleich schrieb Kerem Kuruca ein Stück Janggi-Geschichte: In einem Wettkampf nach den Regeln des Koreanischen Schachs ist er der vermutlich erste Denksportler mit türkischem Pass gewesen.
Niels Meinköhn demonstrierte solide Leistungen am Brett und erreichte Platz 5 in der Schlussabrechnung. Auch dieses Mitglied aus der hungrigen Truppe der Jungen Wilden zeigte keinen Respekt vor vermeintlich verdienten Namen und trickste gleich in der ersten Runde seinen vormaligen Lehrmeister Jürgen Woscidlo aus.
Keine Schonung gewährten sich die beiden Lokalmatadoren Uwe Frischmuth und Jürgen Woscidlo, sobald das einander in herzlicher Rivalität verbundene Duo vom Elbstrand in den Ring gestiegen war. Ungeniert klaubte Frischmuth rasch einen Vorteil an wichtigem Material zusammen, und der so genannte “Palast”, ergo der Schlüssel- und Angelpunkt von Woscidlos Stellung, drohte sang- und klanglos zu implodieren. Immerhin gelang dem belagerten Woscidlo ein tollkühner Befreiungsschlag per Elefant, der eine der Kanonen im Belagerungsring ausschaltete; ein Schock für den Angreifer, der plötzlich in die Defensive geriet und eilig eine notdürftige Verteidigung zimmern musste. Freilich währte Woscidlos Freude nicht lange: trotz tapferen Widerstands blieb schließlich die Kapitulation unausweichlich.

Hamburgs-Janggi-Godfather Jürgen Woscidlo (li.) gegen Turniersieger Krzysztof Sieja (re.)

Hamburgs-Janggi-Godfather Jürgen Woscidlo (li.) gegen Turniersieger Krzysztof Sieja (re.)

Ratingfavorit Krzysztof Stoigniew Sieja, der in seiner polnischen Heimat die Janggi-Szene dominiert, und Uwe Frischmuth lieferten sich zwei dramatische Duelle. In der regulären Partie behielt zunächst noch der Hamburger die Nase vorn. Als jedoch nach Abschluss der siebten Runde ein Trio – bestehend aus Krzysztof Sieja, Uwe Frischmuth und Supertalent Ian Meinköhn (!) – , an der Spitze lag, folgte unausweichliche das Tie-Break, in dem wiederum Krzysztof Sieja seine Klasse bewies und vor Uwe Frischmuth und Ian Meinköhn die Ziellinie überquerte.
Uneingeschränkter Dank für den inspirierenden Rahmen dieses Turniers gebührt dem Leiter des Johannes-Brahms-Konservatorium. Juan Carlos Reitze de la Maza, der Chef des Hauses, stellte nicht allein die schönen Räumlichkeiten bereit, sondern organisierte wie im Vorjahr das begeisternde musikalische Rahmenprogramm.
Ein herzlicher Dank an Supporterin Frau Nahe sowie an Fuat Woscidlo für die tatkräftige Hilfe beim Aufbau. Dank auch an die Familien Meinköhn und Kuruca, die das Turnier mit süßen Leckereien und Getränken unterstützten. Last not least: GAMSAHAMNIDA respektive TESEKÜR EDERIM (DANKE auf koreanisch beziehungsweise türkisch) an Eylem Woscidlo für den köstlichen Himbeerkuchen! Der hat das Turnier nicht überlebt …

Die furchtlosen Drei vs. Seoul … Some Special Gimmicks Including

Von René Gralla

Während Liebhaber des Internationalen Schachs momentan nur London im Fokus haben, wo Norwegens Champion Magnus Carlsen seine Krone im Königsspiel gegen den US-amerikanischen Herausforderer Fabiano Caruana verteidigen muss, blicken die Fans asiatischer Mattkunst gespannt Richtung Fernost. In Seoul läuft nämlich vom 16. bis 20. November 2018 die zweite Amateur-WM im Janggi. Und auch drei ehrgeizige Hamburger sind erneut am Start: Wie im Vorjahr wollen Jürgen Woscidlo, Uwe Frischmuth und Martin Wolff die Hauptstadt Südkoreas rocken.

Die Furchtlosen Drei von der Elbe in Seoul, wie sie ein lokaler Künstler sieht: Jürgen Woscidlo, Uwe Frischmuth, Martin Wolff (von links)

Die Furchtlosen Drei von der Elbe in Seoul, wie sie ein lokaler Künstler sieht: Jürgen Woscidlo, Uwe Frischmuth, Martin Wolff (von links)

Die Furchtlosen Drei haben intensiv trainiert und sind perfekt eingestellt. Bei einem Workshop, zu dem Jürgen Woscidlo in sein Haus nach Hamburg-Sinstorf am zweiten Oktobersonntag eingeladen hatte, wurden letzte gemeine Tricks eingeübt. Zwischendurch tauchte René Gralla als Überraschungsgast auf: Der Autor, Rechtsanwalt und Experte für Schachkultur überreichte kunsthandwerkliche Stücke aus zum Teil eigener Produktion, um den Korean Chess Musketeers seinen persönlichen Respekt für herausragende Leistungen auf dem kurz zuvor ausgetragenen zweiten Hamburger Janggi-Turnier auszudrücken. Und weil er auf diese Weise zugleich Glück wünschen wollte für den WM-Trip der Hamburger Titelanwärter.

Uwe Frischmuth, der haarscharf den Sieg verpasst hatte im Endspurt des 2. Internationalen Janggi-Opens am 13.10.2018 im Johannes-Brahms-Konservatorium in Hamburgs noblem Elbvorort Othmarschen, durfte ein hübsches, aber noch nicht wirklich passgenaues Festtagswams Asian Style entgegennehmen. Das möge “FrIshiDAN”, so der Kampfname des Geehrten, erst recht anspornen: “Jetzt haust du die Konkurrenz in Seoul herzlos aus den Latschen und ziehst denen die Jacken aus!” prophezeite René Gralla.

Krasse kurze Weste für kurzen coolen Prozess bei der Amateur-WM 2018 in Seoul: Das wünschte René Gralla (li.) dem Vizesieger des 2. Hamburger Janggi-Opens 2018 , Uwe "FrIshiDAN" Frischmuth (re.). Foto: Eylem Woscidlo

Krasse kurze Weste für kurzen coolen Prozess bei der Amateur-WM 2018 in Seoul: Das wünschte René Gralla (li.) dem Vizesieger des 2. Hamburger Janggi-Opens 2018 , Uwe “FrIshiDAN” Frischmuth (re.). Foto: Eylem Woscidlo

Eine nostalgische Bonsai-Plastik ging an Jürgen Woscidlo, der in der Schlussabrechnung des 2. Hamburger Janggi-Turniers 2018 einen soliden fünften Rang markieren konnte. In fernen Teenagertagen, als René Gralla zwar schon eifrig die Figuren schob, aber von einem koreanischen Sonderweg im Brettsport nichts ahnte, formte er aus Modelliermasse eine Schildkröte. Nachdem der (zur – wohlwollend formuliert – krass naiven “Schule” gehörende) Kunstaspirant jene expressionistisch-wild kolorierte Turtle per Zufall auf einem Bücherbord im Elmshorner Haus seiner 2017 verstorbenen Mutter Ingrid Gralla entdeckt hatte, stand es für ihn fest: Das Tierchen ist der passende Sonderpreis für einen Janggi-Wettbewerb.

Schließlich wird besagtes strategisches Spiel von einer nachgerade futuristischen Waffengattung geprägt: Das sind die höchst mobilen Kanonen, die wie fliegende Turtle-(!)-Ships die gegnerischen Einheiten aufmischen. Auf dem Brett der 90 Schicksalspunkte eine unverkennbare Reverenz an Koreas legendären Admiral Yi Sun-sin (1545-1598), der Ende des 16. Jahrhunderts mit damals technologisch überlegenen Turtle Ships eine eigentlich erdrückend überlegene japanische Invasionsflotte vernichtete.

“Die freche bunte Turtle soll dich während der WM-Partien begleiten, lieber Jürgen”, sagte René Gralla. “Im Geist des unvergessenen Yi Sun-sin, an dessen 420. Todestag wir uns demnächst erinnern, und zwar am 16. Dezember 2018.”

Bunte Turtle als Talisman, zwecks beherztem Bashing der WM-Konkurrenz: Janggi-Turtle-Schöpfer René Gralla (l.) und designierter Turtle-Titan Jürgen Woscidlo (re.). Foto: Eylem Woscidlo.

Bunte Turtle als Talisman, zwecks beherztem Bashing der WM-Konkurrenz: Janggi-Turtle-Schöpfer René Gralla (l.) und designierter Turtle-Titan Jürgen Woscidlo (re.). Foto: Eylem Woscidlo.

Aus Termingründen konnte Ian Meinköhn an der nachträglichen Feierstunde in Sinstorf nicht teilnehmen. Obwohl der U12-Denksportler unbedingt dorthin gehört hätte: Norddeutschlands erst zehnjähriger Nachwuchsstar heizte beim 2. Hamburger Janggi-Open den Mitbewerbern respektlos ein und überquerte als Dritter die Ziellinie. Begeistert über diese tolle Performance ließ ihm René Gralla den Special “Keeper-of-The-Palace-Award-2018″ per Boten zustellen: eine Bleistiftzeichnung, mit der Autodidakt Gralla in den Roaring Seventies seine bereits damals virulente Schachbegeisterung in ein surreales Sujet transformiert hatte.

Bleistiftzeichnung aus dem Jugendatelier René Gralla als höchst persönlicher Gruß an Norddeutschlands Riesentalent Ian Meinköhn; der zehnjährige Schüler punktete sensationell beim 2. Hamburger Janggi-Open und eroberte den dritten Platz. Foto: Pilar Meinköhn

Bleistiftzeichnung aus dem Jugendatelier René Gralla als höchst persönlicher Gruß an Norddeutschlands Riesentalent Ian Meinköhn; der zehnjährige Schüler punktete sensationell beim 2. Hamburger Janggi-Open und eroberte den dritten Platz. Foto: Pilar Meinköhn

Das Bild zeigt einen stolzen Schachbauern, der machtvoll demonstriert, dass niemand voreilig unterschätzt werden darf; das Exponat hing unter dem Dach in der Mansarde von René Grallas Elternhaus an Elmshorns Lupinenweg.

Bescheidenheit sollte niemals mit Schwäche verwechselt werden: "The Haunted Board", eine frühe Bleistiftzeichnung von René Gralla als Special "Keeper-of-The-Palace-Award-2018" für Janggi-Nachwuchsstar Ian Meinköhn. Foto: Pilar Meinköhn

Bescheidenheit sollte niemals mit Schwäche verwechselt werden: “The Haunted Board”, eine frühe Bleistiftzeichnung von René Gralla als Special “Keeper-of-The-Palace-Award-2018″ für Janggi-Nachwuchsstar Ian Meinköhn. Foto: Pilar Meinköhn

Von Ian Meinköhn werden wir auf jeden Fall noch hören. Und vielleicht wird er dann ja auch die deutsche Auswahl bei der nächsten Janggi-WM 2019 in Seoul verstärken.

Epilog

Die von René Gralla handgefertigten Special Awards entstammen dem privaten Fundus im Elmshorner Haus der 2017 verstorbenen Schachkultur-Supporterin Ingrid Gralla.

Schachkultur-Supporterin Ingrid Gralla (1930-2017), hier während eines Aufenthalts auf Gran Canaria im Februar 1996. Foto: Privatarchiv

Schachkultur-Supporterin Ingrid Gralla (1930-2017), hier während eines Aufenthalts auf Gran Canaria im Februar 1996. Foto: Privatarchiv

Bericht vom Shôgi Kyu Cup 2018

Kyu Cup 2018 002
Endlich einmal ganz vorne! Ingo Köhler, ein treues Kyu Cup Gewächs aus Wolfburg, spielte bereits zum 4. Mal in Hamburg dieses Turnier mit. Letztes Jahr beim 2017er Kyu Cup hatte er noch über die wachsende Spielstärke seiner Kontrahenden geklagt, die es ihm vermeintlich immer schwerer machte, auf forderen Plätzen zu landen. Das Wehklagen wurde offensichtlich in höheren Shôgi Kreisen erhört: diesmal verließ er als Sieger – mit dem Kyu Cup Pferd in der Hand – die Shôgi Arena. Herzlichen Glückwunsch!
Die wachsende Spielstärke Anderer unterstützte ironischerweise 2018 seinen Erfolg. Das Turnier wurde diesmal von einem zehnköpfigen Teilnehmerfeld besetzt, welches eine Bandbreite zwischen 961 ELO und 1554 ELO beim Anmeldebeginn aufwies. Gespielt wurde nach einem einfachen Schweizer System. Allerdings war dies diesmal ein Turnier, in dem die “üblichen Verdächtigen” auf die vorderen Ränge allesamt Federn lassen mussten und die Setzliste kräftig durcheinander gewirbelt wurde.So gut wie sämtliche Vorerwartungen wurden auf den Kopf gestellt; Überraschungen und andere Unvorhersehbarkeiten am Brett waren an der Tagesordnung.
Im Vorfeld war Chung Man Chan klar vor Uwe Frischmuth an Platz 1 gesetzt. Er setzte sich gegenüber Uwe auch ohne Probleme durch. Marcel Keitsch allerdings griff die Favoritenrolle von Chung Man an und gewann die vor Spannung klirrende Partie – im Brinkmate stehend! – gegen ihn. Als er auch noch seinen dritten Punkt in der dritten Partie holte, war klar, dass sich hier jemand zum Durchmarsch anschickte.

Marcel Keitsch und Chung Man Chan

Marcel Keitsch und Chung Man Chan

So blieb es bei Uwe Frischmuth, Marcel Keitsch in seinem Lauf zu stoppen und für einen ausgeglicheneren Turnierverlauf zu sorgen – was ihm nach einer bizarren Partie auch gelang. Chung Man Chan musste ein weiteres Mal eine Partie, diesmal gegen Ingo Köhler, verloren geben. So reichte es “nur” zu Platz 5. Das hinderte ihn aber nicht, sich schon für den Kyu Cup 2019 erneut anzumelden. Das ist wahrer Sportsgeist!
In dem Teilnehmerfeld waren mit Ingo Iwasaki und Simon Kaiser zwei neue Gesichter in Hamburg zu begrüßen. Es ist wahrscheinlich nicht unpassend, manche Niederlage von Simon als ‘unglücklich’ zu bezeichnen. Mit 3 aus 5 landete er im breiten Mittelfeld auf Platz 6. Seinem Humor konnte das keinen Abruch tun. Ingo hatte sich seinen Turnierverlauf sicherlich ganz anders vorgetellt, zumal er nicht letzter der Setzliste war. Diesmal musste er reichlich Lehrgeld zahlen, was aber seiner grundsätzlich guten Shôgilaune wohl wenig anhaben konnte. Es gibt solche Tage.
Kyu Cup 2018 003Konrad Dreiers Ergebnisse ließen zwar nicht aufhorchen, dafür gelang ihm aber dieses epische Matt mit 3 Springern – getreu dem Proverb: mit 3 Springern gelingt Dir immer ein Matt.

Anton Borysov gegen Martin Wolff

Anton Borysov gegen Martin Wolff

Anton Borysov machte aus seinen Ambitionen auch bei seinem dritten Kyu Cup Anlauf keinen Hehl. Platz 8 mit 2 Punkten sicherte ihm den von Rene Gralla gestifteten Jugendpreis – ein Schachbuch!
Rene Gralla und Uwe Frischmuth waren punktgleich in dieses Duell der Lokalmathadoren in die 5. Runde gestiegen. Rene konnte sich beim diesjährigen Kyu Cup in dieser Partie durchsetzen, die mit vielen positionellen Wendungen gespickt war. Die Revanche für 2017 war geglückt und wurde mit einem der beiden Siegerplätze belohnt.

René Gralla und Uwe Frischmuth

René Gralla und Uwe Frischmuth

Ingo Köhler zeigte in Runde 4 und 5 ein überzeugendes Auftreten. Seine Siege gegen Chung Man Chan als auch gegen Marcel Keitsch katapultierten ihn am Ende der 5. Runde nicht nur fast auf das Siegerpodest, sondern reduzierte die Punktezahl wichtiger Kontrahenden im Turnier ebenso. Nun hatte Ingo Köhler genau wie Rene Gralla ebenfalls 4 Punkte auf seinem Konto. Dabei waren beide an 5 und 6 der Setzliste aufgeführt gewesen! Wie heißt es? Durch die Steine zu den Sternen!
Wie ging es weiter? Beim Kyu Cup 2017 mussten zwei Teilnehmer an der Spitze durch einen 7minütigem Stichkampf den Turniersieg unter sich austragen. Dieses Verfahren wurde diesmal auch beim Hauptturnier angewandt. Bei einer relativ geringen Teilnehmerzahl ist ein Stichkampf der klarere Weg als eine Feinwertung zur Bestimmung, wer den Gesamtsieg davontragen soll. Im Stichkampf wurde dann das Publikum erneut überrascht. Im Eifer des Gefechts kreierte Rene Gralla dann eine äußerst seltene Variante, wie ein ungültiger Zug ausgeführt werden kann. Er schlug einfach einen seiner eigenen Soldaten mit einem seiner Spielsteine. Ingo Köhler gewann somit diese Nervenschlacht und sicherte sich den Turniersieg.

René Gralla und Ingo Köhler

René Gralla und Ingo Köhler

Auch der Kyu Cup 2018 wurde großzügig und tatkräftig durch das Konfuzius Institut Hamburg unterstützt. Geeignete Räumlichkeiten, ansprechende Sachpreise und ein ums kleine leibliche Wohl besorgter Wolfgang Geise – als Verteter des Konfuzius Instituts – vermittelten eine angenehme Spielatmosphäre. Danke Partner! Der diesjährige Umzug an einen anderen Spielort hatte keinen Einfluss auf die allgemeine Turnierstimmung. Die meisten Teilnehmer können getrost als Stammgäste bezeichnet werden, die ein familienähnliches Flair im Turniersaal verbreiteten. Bis zum Kyu Cup 2019! Einige Voranmeldungen sind bereits eingegangen.

Uwe Frischmuth und Rene Gralla

Spielgemeinschaft Brettspiel Hamburg von 1989

Die Teilnehmer des Kyu Cup 2018

Die Teilnehmer des Kyu Cup 2018

Kyu Cup Hamburg 2018 Final standings

Name 1 2 3 4 5 Points Rank
Köhler Ingo Ger -2 10 6 5 3 4 1 due to tie break match
Gralla Rene Ger 1 7 -3 9 4 4 2 due to tie break match
Keitsch Marcel Ger 8 5 1 -4 -1 3 3 Buchholtz
Frischmuth Uwe Ger -5 6 7 4 -2 3 4 Buchholtz
Chan Chung HK 4 -3 -8 -1 9 3 5 Buchholtz
Kaiser Simon Ger 9 -4 -1 7 10 3 6 Buchholtz
Dreier Konrad Ger 10 -2 -4 -6 8 2 7 win against Anton B
Borysov Anton Ukr 3- 9 -5 10 -7 2 8 loss against Konrad D
Wolff Martin Ger -6 -8 10 -2 -5 1 9
Iwasaki Ingo Ger -7 -1 -9 -8 -6 0 10

Promoting Köhler Ingo to 5 Kyu
Promoting Gralla René to 5 Kyu
Promoting Kaiser Simon to 6 Kyu

Nur das Original … ist das Original! Zweites Turnier im arabischen Protoschach “Shatranj” am letzten Oktobersamstag in Hamburg

Von René Gralla

Sprechen Ultras der Fanszene über die Liebe ihres Lebens, verwandeln sie sich fast zwangsläufig in quasi ferngesteuerte Nachfahren jenes ewigen Highlanders, von dem es bekanntlich “nur Einen” geben kann und darf. Weil nämlich die Betreffenden wie selbstverständlich und unisono von einer Prämisse ausgehen: Schach ist Schach, es kann nur DAS EINE geben, Amen.

Dabei ist das aus handelsüblichen Editionen bekannte Kräftemessen zweier Könige, die – assistiert von Usain Bolt-gleichen Avataren, vulgo “Läufern”, sowie einer hochmögenden und respektvoll “Dame” titulierten Begleiterin – um die Vorherrschaft ringen in einer radikal geschrumpften 64-Felder-Arena, bloß die abgewandelte Variante eines uralten Mind Sports, dessen Wurzeln bis ins Indien des fünften nachchristlichen Jahrhunderts zurückreichen.

Foto: Christian Borrmann

Foto: Christian Borrmann

Ein tiefgründiges und facettenreiches Spiel, das in der arabischen Welt unter dem Namen “Shatranj” vor gut 1300 Jahren eine regelrechte Welle auslöste. Mit spektakulären Duellen in den Palästen der Kalifen und umjubelten Champions, gegen deren glamourösen Promistatus heute selbst ein Magnus Carlsen, der von den Medien in der Gegenwart zum Popstar im modernen Standardschach stilisiert worden ist, leicht blässlich wirkt – abgesehen davon, dass sich der sonst eine betont relaxte Boy-Next-Door-Pose kultivierende norwegische Weltmeister obendrein noch im Schweiße seines Angesichts ab dem 9. November 2018 in London eines deutlich weniger fashionablen, dafür aber nervtötend zähen Herausforderers Fabiano Caruana aus den USA erwehren muss.

Dem einschlägigen Original des ehrwürdigen Game of Thrones, das “Elefanten” und “Wesire” statt der erwähnten “Läufer” und “Damen” aufbietet, wird nun schon zum zweiten Mal ein Turnier in Deutschlands Hafenmetropole im Norden gewidmet, nach der viel beachten Premiere in der Hansestadt während der Arabischen Kulturwochen 2016.

Beste Frau beim ersten Shatranj-Turnier 2016 in Hamburg: Asia Haidar (li.). Tunesiens Konsulin Sonia Ben Amor (Mitte), Nachwuchstalent Ananya Mathapati (2.v.re.) und Initiator René Gralla (re.) zollen Respekt. Foto: Bernd-Jürgen Fischer.

Beste Frau beim ersten Shatranj-Turnier 2016 in Hamburg: Asia Haidar (li.). Tunesiens Konsulin Sonia Ben Amor (Mitte), Nachwuchstalent Ananya Mathapati (2.v.re.) und Initiator René Gralla (re.) zollen Respekt. Foto: Bernd-Jürgen Fischer.

Neben anderen Medien hatte die Berliner Tageszeitung TAZ darüber berichtet, und zwar in Form eines Interviews mit dem seinerzeitigen Cheforganisator René Gralla.

“Bewahrer des Kalifen-Schachs” – Bericht in der Berliner TAZ vom 24. Oktober 2016 (PDF-Download)

Und jetzt startet im Rahmen der diesjährigen Arabischen Kulturwochen das “2. Sa’id Ibn Jubair-Shatranj-Memorial” am 27. Oktober 2018 um 12 Uhr im Asien-Afrika-Institut der Universität Hamburg in unmittelbarer Nähe des Bahnhofs Dammtor.

Der legendäre Namensgeber des Wettkampfes im eng getakteten 15-Minuten-Modus (pro Teilnehmer und Partie) stammte aus dem muslimischen Einflussbereich in Afrika und machte Karriere als Richter. Vor allem aber hat sich Sa’id Ibn Jubair (665-714) ewigen Nachruhm mit einer besonderen Gabe gesichert: Der Meister mit dem Megahirn schlug die Konkurrenz gerne ohne Ansicht des Brettes und gilt deswegen als erster Blindspieler unter den Denkathleten.

Der Leistungsvergleich im Protoschach Shatranj, an dessen Geschichten aus Tausendundeiner Nacht derart legendäre Persönlichkeiten gestrickt haben, ist am letzten Sonnabend des Goldenen Herbstmonats eingebettet in einen Tunesientag, der seinerseits regelmäßig zu den Highlights der Arabischen Kulturwochen zählt.

Das Original mit Elefanten, aber ohne Damen: Turnier im arabischen Protoschach Shatranj auf dem Tunesientag 2018 in Hamburg.

Das Original mit Elefanten, aber ohne Damen: Turnier im arabischen Protoschach Shatranj auf dem Tunesientag 2018 in Hamburg.

Die Schirmherrschaft der Veranstaltung hat Frau Konsulin Sonia Ben Amor übernommen, die offizielle Repräsentantin der Tunesischen Republik an Elbe und Alster. Gesponsert wird das Event von der Deutsch-Tunesischen Gesellschaft e.V. (DTG), insbesondere dank des Engagements von Gabriele Kamensky, DTG-Sektionsleiterin in Hamburg.

All Smiles für das Comeback des Klassikers: Auf das zweite Turnier in Arabiens traditioneller Schachversion Shatranj freuen sich Tunesiens Konsulin Sonia Ben Amor (Mitte), Schirmherrin des Wettbewerbs, und Gabriele Kamensky (li.) von der Deutsch-Tunesischen Gesellschaft. Zum Supporter-Team gehört auch Journalist René Gralla (re.), der kongenial unterstützt vom Hamburger Schachlehrer Jürgen Woscidlo (hier nicht auf dem Bild) den aktuellen Shatranj-Relaunch auf den Weg gebracht hat.

All Smiles für das Comeback des Klassikers: Auf das zweite Turnier in Arabiens traditioneller Schachversion Shatranj freuen sich Tunesiens Konsulin Sonia Ben Amor (Mitte), Schirmherrin des Wettbewerbs, und Gabriele Kamensky (li.) von der Deutsch-Tunesischen Gesellschaft. Zum Supporter-Team gehört auch Journalist René Gralla (re.), der kongenial unterstützt vom Hamburger Schachlehrer Jürgen Woscidlo (hier nicht auf dem Bild) den aktuellen Shatranj-Relaunch auf den Weg gebracht hat.

Kandidaten, die sich der Herausforderung stellen wollen, richten eine entsprechende Email an Turnierdirektor Jürgen Woscidlo oder melden sich persönlich im Turniersaal an spätestens eine halbe Stunde, bevor die erste Runde freigegeben wird.

Zur Einstimmung kann sogar passende Musik aus dem Web runtergeladen werden: eine Hymne auf Beirut, neben Tunesiens Kapitale Tunis eines der kosmopolitischen Zentren an den Ufern des Mittelmeers.

Besagter Song ist das Gemeinschaftsprojekt zweier Aficionados, die gerade auch für die Mattkunst brennen. Die Melodie zu “Cool Moon Of Beirut” hat Rainer Schnelle komponiert, ein Jazzmusiker und Ligasportler aus dem Schleswig-Holsteinischen Barmstedt; die Lyrics texte der Autor René Gralla. Für den Hamburger Journalisten, der zusammen mit dem Sinstorfer Schachlehrer Jürgen Woscidlo (seines Zeichens amtierender Ansprechpartner für das “2. Sa’id Ibn Jubair-Shatranj-Memorial 2018″) das lange in Vergessenheit geratene Spiel vom Hof der Kalifen endlich verstärkt in den Fokus einer breiten Öffentlichkeit rücken möchte, ist die Wiederentdeckung des Kulturguts aus den Schatzkammern des Orients eine Herzensangelegenheit. Schließlich könne auf diese Weise ein wertvoller Beitrag zur Integrationspolitik geleistet werden: “Geflüchtete aus dem Arabischen Raum dürfen voller Stolz erfahren, dass einem Spiel, das ihre Ahnen gepflegt haben, in Deutschland neue Wertschätzung entgegengebracht wird.” Das sei ein höchst wirksames Tool, um den Dialog zwischen Menschen unterschiedlicher Herkunft zu fördern.
Das Beirut-Lied wird übrigens gesungen von den hinreißenden “4 Cats”, einer der erfolgreichsten Girl-Bands im Nahen Osten.
Das Revival des Shatranj zu den heißen Beats der 4 Cats – who can stop that now?!


“2. Sa’id Ibn Jubair-Shatranj-Memorial 2018″ am 27. Oktober 2018 in Hamburg, Asien-Afrika-Institut der Universität, Hauptgebäude / Flügel Ost (Raum 121), Edmund-Siemers-Allee 1 (Nähe Bahnhof Dammtor); Beginn 12:00 Uhr (voraussichtliches Ende gegen 17:30 Uhr); Voranmeldungen per Email an <jwoscidlo@msn.com> oder direkte Anmeldung vor Ort am Wettkampftag im Turniersaal bis spätestens 11:30 Uhr.


Programm der Arabischen Kuturwochen 2018 als PDF zum Download

Ausschreibung: 5. Kyu-Cup Hamburg

shogi-steineShogi Turnier am Samstag, den 03. November in Hamburg
Die „Spielgemeinschaft Hamburg von 1989“ richtet den
Kyu-Cup Hamburg 2018 im Shogi (Japanisches Schach) aus.

Dieses Turnier wird in Kooperation mit unserem Partner veranstaltet, dem

konfuzius-institut-logoTurnierausschreibung

Der Kyu-Cup richtet sich insbesondere an alle SpielerInnen, die aufgrund ihrer Spielstärke sich eher den spielschwächeren Regionen zurechnen. Deshalb sind von reinen Anfängern bis zu Spielern mit einem Rang nicht stärker als 1. Kyu alle willkommen.

Für spielstärkere Spieler (Meisterklasse) wird es nach Bedarf einen eigenen Turniermodus geben, der sich nach der Zahl der Anmeldungen am Spielort um 09.30 Uhr ergibt.

Für alle Jugendspieler, die

-unter 14 Jahre (u 14 / alle TeilnehmerInnen, die nach dem 31.12.2004 geboren sind)

-unter 18 Jahre (u 18 / alle TeilnehmerInnen, die nach dem 31.12.2000 geboren sind)

wird es jeweils Sonderpreise zu gewinnen geben. Inwieweit Jugendspieler im Hauptturnier spielen oder untereinander bleiben, wird vor Ort entschieden.

Termin:
Samstag, der 03. November 2018
Anmeldeschluss: 09.30 Uhr vor Ort

Spielmodus:
Offenes Haupt-Turnier: fünf Runden im Schweizer System bzw. Mac Mahon.
Meisterklasse bzw. Separates Jugendturnier: Organisationsform je nach Anmeldungen

Spielzeit: 30 Minuten + 30 Sekunden Byoyomi für alle Turnierformen

Zeitplan

09.00 h – 09.30 h Anmeldung

09.30 h – 09.45 h Begrüßung
10.00 h – 11.30 h Runde 1
11.45 h – 13.15 h Runde 2

13.15 h – 13.45 h Mittagspause

13.45 h – 15.15 h Runde 3
15.30 h – 17.00 h Runde 4
17.15 h – 18.45 h Runde 5

Ca. 19.00 h Siegerehrung

Anmeldung:
Die persönliche Registrierung vor Ort kann für Teilnehmer, die sich bis zum Freitag, den 02. November 2018 vorangemeldet haben, bis unmittelbar vor Turnierbeginn um 10:00 Uhr erfolgen. Dies könnte Anreisewege von größeren Distanzen ermöglichen.

Startgeld:
10.- Euro für Erwachsene; 3,00 .- Euro für Jugendliche u.a.

Schiedsgericht:
Dieses Turnier wird ausgewertet für die Rangliste der FESA.
Das Schiedsgericht wird noch bestimmt.

Spielmaterial:
Die Turnierleitung stellt ausreichend Spielmaterial zur Verfügung. Es ist aber für alle Beteiligten von Vorteil, eigenes Spielmaterial mitzubringen, um Überraschungen durch eventuell erhöhte Teilnehmerzahlen zu vermeiden.

Preisränge:
1. Platz: Trophäe und Sachpreis
Ab 2. Platz: Sachpreise
Weitere Preise möglich

Die Anzahl der Preise in den Jugendsektionen richten sich nach den Teilnehmerzahlen.
Garantiert werden aber in der Sektion (u 14) und (u18) jeweils
1. Platz: Medaille und Sachpreis
2. Platz: Sachpreise

Spielort :
Das Konfuzius-Institut der Universität Hamburg ist ein erprobter Veranstalter. Wir freuen uns auf diese weitere Veranstaltung in Kooperation mit dem Institut in dessen Räumlichkeiten, die dieses Jahr aufgrund baulicher Maßnahmen an einem anderen Ort stattfinden werden !!

Alle Interessenten für dieses Turnier begeben sich bitte zum Konfuzius-Institut der Universität Hamburg in die Max-Brauer-Allee 60, 22765 Hamburg, 1.Stock
(Nähe S-Bahn Station Altona)

Alle Spieler würden gegen (leisen) Publikumsverkehr bei Ihren Partien wenig einzuwenden haben, da derartige Veranstaltungen auch immer der weiteren Bekanntmachung und Verbreitung des japanischen Schachs dienen, welches jeweils am letzten Donnerstag des Monats im Konfuzius-Institut gespielt wird.

Wir freuen uns auf Euer Kommen und Eure Aufmerksamkeit; Voranmeldungen sind erwünscht.

Uwe Frischmuth
Turnierorganisator; Leiter der „Spielgemeinschaft Hamburg von 1989“
Kontakt: Uwe Frischmuth, uwefrischmuth@gmx.de
Festnetz: 040-87 0 85 182 ; Mobil: 0163/79 86 436
Aktuelle Informationen auch auf www.shogideutschland.de

Bei Unterbringungsvorschlägen und touristischen Wünschen Hamburg betreffend sind wir gerne behilflich.

Uwe Frischmuth
Hamburg, den 23. Oktober 2018

Kyu Cup 2018-Ausschreibung als PDF zum Download

Pippi Langstrumpf in Asiens Mindsport-Matrix: Wu Caifang und Rudi Reinders aus Berlin promoten chinesisches Strategiespiel mit Überraschungsei-Effekten

Von René Gralla

Einheitlich hell oder matt dunkel schimmern die kleinen Scheiben, die akkurat auf den Schnittpunkten eines Liniennetzes platziert worden sind. Mit einigen Lücken, aber auch die folgen offenbar einem bestimmten Ordnungsprinzip. Dazu zwei Steine, die sich vom unifarbenen Rest abheben, dank rätselhafter Markierungen auf der Oberfläche.

Die Frau und der Mann, die sich heute in einem Haus in Berlin-Lichtenberg gegenübersitzen, beginnen jetzt, abwechselnd die Plättchen zu bewegen und umzudrehen. Und sichtbar werden andere geheimnisvolle Schnörkel. Während manche der Steine im Anschluss sofort aus dem Arrangement entfernt werden.

“Das ist JieQi”, sagt die Frau, die sich uns als Wu Caifang vorstellt. Das chinesische “Qi” solle signalisieren, dass es sich dabei um ein Brettspiel handele, und die Vorsilbe “Jie” bedeute “enthüllen” respektive “zur Schau stellen”. Ein mentales Duell, das als Clou gewissermaßen permanente Überraschungsei-Effekte einbaut: Nur schrittweise, durch Aufdecken Step by Step, kriegen die zwei Akteure raus, wo sich ihre Spieleinheiten während einer Partie verstecken.

JieQi - Im Spiel webEin wechselseitiges Abtasten, das entwickelt worden ist aus einem anderen Denksport, der zwischen Peking, Schanghai und Hongkong äußerst populär ist. Xiangqi, übersetzt: “Elefantenspiel”, heißt besagte Basisversion, die im radikal verkleinerten Maßstab einen Wendepunkt der chinesischen Geschichte widerspiegelt. Das war die Schlacht bei Gaixia, wo 202 vor unserer Zeitrechnung der Aufstieg der Han-Dynastie zum dominierenden Faktor im Reich der Mitte begonnen hat.

Im Xiangqi, zu dessen Arsenal neben den bereits erwähnten Elefanten (chinesisch: “Xiang”) sogar technologisch fortgeschrittene Geschützbatterien gehören, muss der gegnerische Oberbefehlshaber ausgeschaltet werden. Ein Leitmotiv, das an das Konzept des Internationalen Schachs erinnert, und trotzdem greift eine derartige Analogie zu kurz. Vor allem, weil die trickreiche Elefanten-Show en miniature mit Steinen, deren chinesische Schriftzeichen die unterschiedlichen Truppenteile einer kaiserlichen Armee definieren, abrollt auf einer symbolischen Landkarte.

Die Grundstellung des JieQi

Die Grundstellung des JieQi

Ein Grenzfluss trennt die verfeindeten Lager: ein realitätsnahes Szenario, das Xiangqi zu einer frühen Ausgabe des modernen E-Games “StarCraft” adelt. Und JieQi, das an einem strahlenden Sommertag dem Verfasser dieser Zeilen vorgestellt wird, ist seinerseits die respektlose jüngste Tochter in der Familie der Strategiespiele, quasi eine frech chaotische Pippi Langstrumpf in der Mindsport-Matrix.

Jener wahre Wildfang – nämlich stets für Brüller und abgrundtiefe Seufzer gut – wurde zu Beginn der 2000-er Dekade meist in öffentlichen Parks der Volksrepublik gezockt. Seitdem hat sich aber ein regelrechter Turnierbetrieb etabliert, und folgerichtig möchte Wu Caifang das turbulente JieQi nun auch einer breiten Öffentlichkeit hierzulande näher bringen. Zu diesem Zweck hat die studierte Betriebswirtin, und insofern kongenial assistiert von Ehepartner Rudolf Reinders, den Deutschen JieQi-Verein gegründet und organisiert entsprechende Spieleabende in der Hauptstadt.

JieQi - Die deutschen JieQi-Promoter Wu Caifang (li.) und Rudolf Reinders bei einem Turnier in China im März 2018

JieQi – Die deutschen JieQi-Promoter Wu Caifang (li.) und Rudolf Reinders bei einem Turnier in China im März 2018

Wu Caifang, die aus der südchinesischen Metropole Guangzhou stammt, trägt im etablierten Xiangqi den Master-Titel und ist bei acht Weltmeisterschaften angetreten. Und Lebensgefährte Rudolf Reinders, ein gebürtiger Essener, hat sogar ein Buch mit eleganten Kompositionen zum ehrwürdigen Elefantenspiel veröffentlicht. Inspirierende Überschrift, unter der eines von fein gepinselten Problemen läuft: “Der Pflaumenbaum blüht wieder.”

Was reizt solche Kenner und Könner des traditionellen Xiangqi an der verrückten neuen Variante? Verfälscht das Glücksmoment im JieQi nicht die mathematisch strenge Schönheit des Xiangqi? Doch genau die Herausforderung, am Brett rechnen und gleichzeitig pokern zu müssen, begeistert Rudolf Reinders, der sich vor dem Eintritt ins Rentenalter einen Namen in der Fachwelt als Physiker gemacht hat. Die zufälligen Startpositionen der Figuren sowie die anfänglich stark limitierten Informationen über den tatsächlichen Wert verdeckter Steine sorgten unablässig für Überraschungen, die in der Konsequenz “sehr brisante Stellungen” kreierten, schwärmt der energiegeladene Mittsiebziger.

Und ihm fällt spontan eine verblüffende Parallele ein. Nachdem sich Volleyball als anerkannte Sportart durchgesetzt habe, sei Beachvolleyball dazu genommen worden; denn es vermittele “einen Hauch von Freizeitgefühl und Strandurlaub”. Doch mittlerweile würden beide Disziplinen von den Medien als “gleichberechtigt” wahrgenommen; unbestreitbar seien Aktive beiderlei Geschlechts im Beachvolleyball technisch und konditionell ähnlich gefordert wie die konventionell ausgerichtete Kollegenschaft. Eine vergleichbare Entwicklung sei auch im Verhältnis vom vordergründig Spaß-orientierten JieQi zum Klassiker Xiangqi zu erwarten, prophezeit Rudolf Reinders.

Wu Caifang, die einen Meistertitel im Xiangqi besitzt, im Spiel

Wu Caifang, die einen Meistertitel im Xiangqi besitzt, im Spiel

Abgesehen davon darf der Zufallsfaktor im Beachvolleyball asiatischer Strategiekunst nicht überbewertet werden. Das merkt Wu Caifang, die Powerfrau im kreativen Zweierteam, warnend an. Manchmal mögen auch Anfänger im JieQi punkten, aber auf lange Sicht landeten die stärkeren Konkurrenten vorne. Ausgesprochenes Pech könne ein Match kippen, “Hasardeure” hätten trotzdem “höchst selten” Erfolg, beobachtet Wu Caifang.

Auf jeden Fall sei JieQi eine spannende Einladung, sich unterhaltsam mit chinesischer Kultur und Geschichte zu beschäftigen, resümieren Wu Caifang und Rudolf Reinders. Schließlich schlägt JieQi eine Brücke zu den Anfängen fernöstlicher Spielkultur: Xiangqi, die Mutter des JieQi, wurzelt vermutlich im 3500 Jahre alten Liubo – und damals entschieden wahrscheinlich Würfel über Sieg und Niederlage.

Und im dritten Millennium schließt sich der Kreis, Urenkelin JieQi flirtet wieder heftig mit Fortuna. Mehr generationenübergreifend geht ja wohl nicht.


Weitere Infos zum Überraschungsei-Spiel JieQi: www.jieqi.de
Infos zum nächsten Spielamt bei Rudolf Reinders, Emailadresse: Reinders-rudolf@kabelmail.de


Wu Caifang, die zusammen mit ihrem Mann von Berlin aus das Projekt JieQi in Deutschland gestartet hat (Foto: privat).

Wu Caifang, die zusammen mit ihrem Mann von Berlin aus das Projekt JieQi in Deutschland gestartet hat (Foto: privat).


SCHEINRIESEN MACHEN SICH DICKE

Chinas strategisches Enthüllungsspiel “JieQi” wird gespielt mit Sets, die sich für wenige Euro in jedem Asia-Shop finden. Denn Basis ist das sowohl in der Volksrepublik als auch im Nachbarland Vietnam beliebte Xiangqi respektive Co Tuong, in denen rote und schwarze Armee darum kämpfen, den zentralen Grenzfluss in der Mitte des 90-Positionen-Bretts zu überschreiten und den Oberbefehlshaber der anderen Partei auszuschalten in der Palastzone des gegnerischen Lagers.

Die beiden Holzscheiben, die für die verfeindeten Warlords stehen, werden in der Vorbereitung auf eine Partie JieQi unverdeckt platziert auf den betreffenden Punkten, die den Feldherren nach dem Regelwerk zugewiesen sind in Co Tuong aka Xiangqi (wörtlich übersetzt: “Elefantenspiel”).

Die übrigen Steine repräsentieren Leibwächter, Soldaten, Pferde, Elefanten, Kanonen und Wagen. Die konkreten Einsatzwerte ergeben sich aus chinesischen Schriftzeichen auf der Oberseite der runden Holzplättchen. Vor dem ersten Zug im “JieQi” werden die Spielscheiben umgedreht, mit den unmarkierten Unterseiten nach oben, und durchmischt. Anschließend sind die Teile zu legen auf den Spielplan nach dem Schlüssel, der sich aus den Standardregeln von Xiangqi und Co Tuong ergibt.

Die verdeckten Steine werden im ersten Zug verschoben gemäß der Vorgaben, die für den jeweiligen Stein gelten, der üblicherweise auf dem betreffenden Feld steht. Anschließend werden die Spielscheiben erneut gewendet, und das Folgemanöver orientiert sich wieder an der Einheit, die tatsächlich von der besagten Figur repräsentiert wird. Konsequenz: schwächere Steine entwickeln manchmal ungeahnte Kräfte im Lucky Moment des Erstaufschlags – zum Beispiel eine Anscheins-Kanone, die im feindlichen Territorium dreinschlägt … und sich nach Demaskierung als bescheidener Infanterist entpuppt.

Entsprechend kann sich der Aktionsradius von Elefanten, die eigentlich den Fluss nicht überschreiten dürfen, und Bodyguards (müssen normalerweise im Palast ausharren) dramatisch ausweiten – weil zum Beispiel ein angeblicher Wagen frohgemut über den Grenzstrom gesteuert wird, und nach Überprüfung am Zielpunkt, ob das tatsächlich ein Kampfgefährt ist, stellt sich heraus, das der vermeintliche Tank ein Elefant oder Wachgardist ist. Was aber nicht ausschließt, dass die besagten Scheinriesen trotzdem beträchtliche Verwirrung anrichten können unter den versammelten Helden der Konkurrenz.

Rudolf Reinders (li.) und Wu Caifang im Spiel

Rudolf Reinders (li.) und Wu Caifang im Spiel


Dieser Artikel wurde auch veröffentlicht in der Tageszeitung “neues deutschland” in der Wochenendausgabe 1./2. September 2018.
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