Bericht vom Shôgi Kyu Cup 2018

Kyu Cup 2018 002
Endlich einmal ganz vorne! Ingo Köhler, ein treues Kyu Cup Gewächs aus Wolfburg, spielte bereits zum 4. Mal in Hamburg dieses Turnier mit. Letztes Jahr beim 2017er Kyu Cup hatte er noch über die wachsende Spielstärke seiner Kontrahenden geklagt, die es ihm vermeintlich immer schwerer machte, auf forderen Plätzen zu landen. Das Wehklagen wurde offensichtlich in höheren Shôgi Kreisen erhört: diesmal verließ er als Sieger – mit dem Kyu Cup Pferd in der Hand – die Shôgi Arena. Herzlichen Glückwunsch!
Die wachsende Spielstärke Anderer unterstützte ironischerweise 2018 seinen Erfolg. Das Turnier wurde diesmal von einem zehnköpfigen Teilnehmerfeld besetzt, welches eine Bandbreite zwischen 961 ELO und 1554 ELO beim Anmeldebeginn aufwies. Gespielt wurde nach einem einfachen Schweizer System. Allerdings war dies diesmal ein Turnier, in dem die “üblichen Verdächtigen” auf die vorderen Ränge allesamt Federn lassen mussten und die Setzliste kräftig durcheinander gewirbelt wurde.So gut wie sämtliche Vorerwartungen wurden auf den Kopf gestellt; Überraschungen und andere Unvorhersehbarkeiten am Brett waren an der Tagesordnung.
Im Vorfeld war Chung Man Chan klar vor Uwe Frischmuth an Platz 1 gesetzt. Er setzte sich gegenüber Uwe auch ohne Probleme durch. Marcel Keitsch allerdings griff die Favoritenrolle von Chung Man an und gewann die vor Spannung klirrende Partie – im Brinkmate stehend! – gegen ihn. Als er auch noch seinen dritten Punkt in der dritten Partie holte, war klar, dass sich hier jemand zum Durchmarsch anschickte.

Marcel Keitsch und Chung Man Chan

Marcel Keitsch und Chung Man Chan

So blieb es bei Uwe Frischmuth, Marcel Keitsch in seinem Lauf zu stoppen und für einen ausgeglicheneren Turnierverlauf zu sorgen – was ihm nach einer bizarren Partie auch gelang. Chung Man Chan musste ein weiteres Mal eine Partie, diesmal gegen Ingo Köhler, verloren geben. So reichte es “nur” zu Platz 5. Das hinderte ihn aber nicht, sich schon für den Kyu Cup 2019 erneut anzumelden. Das ist wahrer Sportsgeist!
In dem Teilnehmerfeld waren mit Ingo Iwasaki und Simon Kaiser zwei neue Gesichter in Hamburg zu begrüßen. Es ist wahrscheinlich nicht unpassend, manche Niederlage von Simon als ‘unglücklich’ zu bezeichnen. Mit 3 aus 5 landete er im breiten Mittelfeld auf Platz 6. Seinem Humor konnte das keinen Abruch tun. Ingo hatte sich seinen Turnierverlauf sicherlich ganz anders vorgetellt, zumal er nicht letzter der Setzliste war. Diesmal musste er reichlich Lehrgeld zahlen, was aber seiner grundsätzlich guten Shôgilaune wohl wenig anhaben konnte. Es gibt solche Tage.
Kyu Cup 2018 003Konrad Dreiers Ergebnisse ließen zwar nicht aufhorchen, dafür gelang ihm aber dieses epische Matt mit 3 Springern – getreu dem Proverb: mit 3 Springern gelingt Dir immer ein Matt.

Anton Borysov gegen Martin Wolff

Anton Borysov gegen Martin Wolff

Anton Borysov machte aus seinen Ambitionen auch bei seinem dritten Kyu Cup Anlauf keinen Hehl. Platz 8 mit 2 Punkten sicherte ihm den von Rene Gralla gestifteten Jugendpreis – ein Schachbuch!
Rene Gralla und Uwe Frischmuth waren punktgleich in dieses Duell der Lokalmathadoren in die 5. Runde gestiegen. Rene konnte sich beim diesjährigen Kyu Cup in dieser Partie durchsetzen, die mit vielen positionellen Wendungen gespickt war. Die Revanche für 2017 war geglückt und wurde mit einem der beiden Siegerplätze belohnt.

René Gralla und Uwe Frischmuth

René Gralla und Uwe Frischmuth

Ingo Köhler zeigte in Runde 4 und 5 ein überzeugendes Auftreten. Seine Siege gegen Chung Man Chan als auch gegen Marcel Keitsch katapultierten ihn am Ende der 5. Runde nicht nur fast auf das Siegerpodest, sondern reduzierte die Punktezahl wichtiger Kontrahenden im Turnier ebenso. Nun hatte Ingo Köhler genau wie Rene Gralla ebenfalls 4 Punkte auf seinem Konto. Dabei waren beide an 5 und 6 der Setzliste aufgeführt gewesen! Wie heißt es? Durch die Steine zu den Sternen!
Wie ging es weiter? Beim Kyu Cup 2017 mussten zwei Teilnehmer an der Spitze durch einen 7minütigem Stichkampf den Turniersieg unter sich austragen. Dieses Verfahren wurde diesmal auch beim Hauptturnier angewandt. Bei einer relativ geringen Teilnehmerzahl ist ein Stichkampf der klarere Weg als eine Feinwertung zur Bestimmung, wer den Gesamtsieg davontragen soll. Im Stichkampf wurde dann das Publikum erneut überrascht. Im Eifer des Gefechts kreierte Rene Gralla dann eine äußerst seltene Variante, wie ein ungültiger Zug ausgeführt werden kann. Er schlug einfach einen seiner eigenen Soldaten mit einem seiner Spielsteine. Ingo Köhler gewann somit diese Nervenschlacht und sicherte sich den Turniersieg.

René Gralla und Ingo Köhler

René Gralla und Ingo Köhler

Auch der Kyu Cup 2018 wurde großzügig und tatkräftig durch das Konfuzius Institut Hamburg unterstützt. Geeignete Räumlichkeiten, ansprechende Sachpreise und ein ums kleine leibliche Wohl besorgter Wolfgang Geise – als Verteter des Konfuzius Instituts – vermittelten eine angenehme Spielatmosphäre. Danke Partner! Der diesjährige Umzug an einen anderen Spielort hatte keinen Einfluss auf die allgemeine Turnierstimmung. Die meisten Teilnehmer können getrost als Stammgäste bezeichnet werden, die ein familienähnliches Flair im Turniersaal verbreiteten. Bis zum Kyu Cup 2019! Einige Voranmeldungen sind bereits eingegangen.

Uwe Frischmuth und Rene Gralla

Spielgemeinschaft Brettspiel Hamburg von 1989

Die Teilnehmer des Kyu Cup 2018

Die Teilnehmer des Kyu Cup 2018

Kyu Cup Hamburg 2018 Final standings

Name 1 2 3 4 5 Points Rank
Köhler Ingo Ger -2 10 6 5 3 4 1 due to tie break match
Gralla Rene Ger 1 7 -3 9 4 4 2 due to tie break match
Keitsch Marcel Ger 8 5 1 -4 -1 3 3 Buchholtz
Frischmuth Uwe Ger -5 6 7 4 -2 3 4 Buchholtz
Chan Chung HK 4 -3 -8 -1 9 3 5 Buchholtz
Kaiser Simon Ger 9 -4 -1 7 10 3 6 Buchholtz
Dreier Konrad Ger 10 -2 -4 -6 8 2 7 win against Anton B
Borysov Anton Ukr 3- 9 -5 10 -7 2 8 loss against Konrad D
Wolff Martin Ger -6 -8 10 -2 -5 1 9
Iwasaki Ingo Ger -7 -1 -9 -8 -6 0 10